Ägyptens Islamisten zeigen Flagge für Präsident Mursi

Samstag, 1. Dezember 2012, 16:05 Uhr
 

Kairo (Reuters) - Ägyptens Islamisten zeigen im Machtkampf mit Opposition und Justiz Flagge.

Zehntausende zogen am Samstag durch Kairo, um Präsident Mohammed Mursi ihre Unterstützung zuzusichern. "Das Volk will Gottes Gesetz", forderten die mindestens 50.000 Demonstranten die Einführung des islamischen Rechts. Das ist Bestandteil der neuen Verfassung, die der Islamist Mursi am frühen Abend (18.00 Uhr MEZ) unterzeichnen wollte. Die von seinen Gesinnungsgenossen dominierte Verfassunggebende Versammlung hatte das Regelwerk in der Nacht zum Freitag im Eiltempo beschlossen.

Mit seiner Unterschrift unter die neue Verfassung wollte Mursi den Weg freimachen für eine Volksabstimmung Mitte Dezember. Die Opposition, die seit Tagen gegen den Staatschef demonstriert, hat zum Boykott des Referendums aufgerufen. Ihr Protest richtet sich dagegen, dass Mursi seine Vollmachten per Dekret ausgeweitet und die Justiz entmachtet hat. Liberale, Linke und gemäßigte Muslime werfen der islamistischen Mehrheit in der Verfassunggebenden Versammlung vor, sie zu unterdrücken.

Die Anhänger Mursis demonstrierten vor der Kairoer Universität. Sie vermieden damit eine direkte Konfrontation mit den Oppositionellen, die seit Tagen auf dem Tahrir-Platz ausharren. Die Mursi-Anhänger erhoben für sich den Anspruch, die Mehrheit des Volkes zu repräsentieren. "Die auf dem Tahrir-Platz vertreten niemanden. Die meisten Ägypter wollen Mursi und sind nicht gegen die Dekrete", sagte ein Apotheker. Der radikale Salafist Mohammed Ibrahim prophezeite der weltlichen Opposition eine verheerende Niederlage. Die Gegner Mursis hätten von Anfang an auf verlorenem Posten gestanden, sagte das Mitglied der Verfassunggebenden Versammlung.

Die Demonstranten riefen den Präsidenten auf, hart zu bleiben. "Mach weiter Mursi, säubere die Justiz, wir stehen hinter Dir." Nach Angaben der Opposition verlor Mursi im Streit über seine Vollmachten jedoch einen ranghohen Berater. Samir Morkos gehöre nun zur Nationalen Heilsfront, sagte der Oppositionsführer Ahmed Saed am späten Freitagabend der Nachrichtenagentur Reuters. Morkos war der einzige Christ im Führungszirkel. Die Front ist die größte Oppositionsbewegung des Landes. Ihr gehören unter anderem der ehemalige Chef der Arabischen Liga Amr Mussa und Ex-IAEA-Leiter Mohammed ElBaradei an.

Bundesaußenminister Guido Westerwelle warnte vor einer Spaltung der ägyptischen Gesellschaft. Mursi und die verantwortlichen Kräfte in Ägypten müssten für einen breiten Dialog sorgen, in den sich alle gesellschaftlichen Gruppen einbringen könnten, sagte Westerwelle der "Frankfurter Allgemeinen Sonntagszeitung" (FAS). Der Präsident des Europa-Parlaments drohte Mursi mit dem Ende der Zusammenarbeit. "Der Staatsstreich ist nicht das, was wir gutheißen können", sagte der SPD-Politiker Martin Schulz derselben Zeitung. Das einzige, was die Führung des Landes verstehe, sei wirtschaftlicher Druck.

- von Alistair Lyon und Tamim Elyan

 
A supporter of Egyptian President Mohamed Mursi chants pro-Mursi slogans as he holds up a Koran during a rally in the vicinity of Cairo University and Nahdet Misr Square in Giza, on the outskirts of Cairo December 1, 2012. Tens of thousands of Islamists demonstrated in Cairo on Saturday in support of Mursi, who is racing through a constitution to try to defuse opposition fury over his newly expanded powers. REUTERS/Amr Abdallah Dalsh (EGYPT - Tags: POLITICS CIVIL UNREST RELIGION)