EADS-Eigentümer ringen um neue Machtverteilung

Montag, 3. Dezember 2012, 11:25 Uhr
 

Berlin/Paris (Reuters) - Beim Luft- und Raumfahrtkonzern EADS steht mit Deutschland ein dritter staatlicher Großaktionär vor der Tür.

EADS bestätigte am Montag Gespräche, in denen "Hauptaktionäre mögliche Veränderungen der Aktionärsstruktur" diskutierten. Das Unternehmen beteilige sich aktiv daran. In den Diskussionen über einen neuen Aktionärspakt zeichnet sich eine Lösung ab, nach der der deutsche und der französische Staat auf je zwölf Prozent der Anteile kommen würden. Spanien soll dann vier Prozent halten. Eine Einigung gelang den Beteiligten in Verhandlungen über das Wochenende in Paris zwar nicht, doch kam man sich sehr nahe, wie Reuters aus dem Umkreis des Gespräche erfuhr. Eine Einigung noch in dieser Woche wird für möglich gehalten.

Die Bundesregierung bestätigte die Gespräche, die am Samstag angelaufen seien. "Das Ergebnis ist noch offen", sagte ein Sprecher des Wirtschaftsministeriums am Montag. Er nährte aber die Hoffnung auf eine schnelle Verständigung: "Angestrebt wird, schnellstmöglich zu einer Einigung zu kommen."

Nach dem Plan würden die drei Staaten auf zusammen 28 Prozent am Mutterkonzern des Flugzeugbauers Airbus kommen. Sie hätten damit noch einen Puffer - etwa für Käufe weiterer kleiner Pakete - bis zur Schwelle von 30 Prozent, ab der sie den übrigen EADS-Aktionären ein Übernahmeangebot unterbreiten müssten. Damit würden sie der EADS auch Spielraum für einen Aktienrückkauf geben, etwa um Anteile der verkaufswilligen industriellen EADS-Aktionäre Daimler und Lagardere zu erwerben und sie nachher einzuziehen.

Die neue Anteilsstruktur ist aber politisch hochsensibel. Der französische Staat, der derzeit mit 15 Prozent an EADS beteiligt ist und daran ursprünglich festhalten wollte, müsste drei Prozent abgeben oder auf deren Stimmrechte verzichten. Im Gespräch ist eine Stiftung in den Niederlanden, dem Sitz von EADS. Nur so ließe sich die deutsch-französische Balance bei je zwölf Prozent herstellen. Deutschland müsste vom deutschen EADS-Großaktionär Daimler und der Investorengruppe Dedalus über die Staatsbank KfW ein EADS-Aktienpaket kaufen.

ÖSTERREICHISCHES KARTELLAMT ENTHÜLLT DETAILS

Das gilt in Verhandlungskreisen - sofern die Einigung über den neuen Aktionärspakt gelingt - als kein großes Problem mehr. Die Gespräche mit Dedalus sind offenbar weit fortgeschritten. Die KfW hat bei der österreichischen Bundeswettbewerbsbehörde bereits eine Aufstockung bei Dedalus auf 65 Prozent angemeldet. Damit käme sie auf 5,8 Prozent an der EADS. Reuters hatte aus Verhandlungskreisen erfahren, dass nur die Bundesländer mit EADS-Standorten und deren Staatsbanken in der Dedalus-Struktur bleiben wollten. Die Mehrheit an Dedalus liegt bei privaten Banken, die ihre Beteiligung loswerden wollen. Die Stimmrechte für die Dedalus-Aktien hat weiterhin Daimler.

Spanien schließlich müsste seine Beteiligung von 5,5 Prozent auf vier Prozent reduzieren. Im bisherigen Aktionärspakt haben Frankreich sowie Daimler und Lagardere ihre Interessen gebündelt. Zusammen mit Spanien kommen sie auf knapp über 50 Prozent an der EADS, üben also bestimmenden Einfluss auf den Konzern aus. Einen so starken Einfluss gäbe es künftig mit den drei staatlichen Aktionäre nicht mehr. Da an Hauptversammlungen meist nur ein Teil der Aktionäre teilnimmt, könnten sie aber wohl weiterhin wichtige Entscheidungen durchdrücken oder blockieren.

Eine außerordentliche Hauptversammlung im Frühjahr soll den neuen Aktionärspakt nach einem Bericht der "Frankfurter Allgemeinen Zeitung" absegnen. Die Zeitung berichtete auch von Plänen, die Stimmrechte an EADS auf 15 Prozent zu begrenzen, egal wie viele Aktien ein Investor besitzt. Frankreich und Deutschland sollen je zwei Vertreter in den Verwaltungsrat entsenden, Spanien einen.

 
Visitors talk near the welcome desk of the EADS booth at the ILA Berlin Air Show in Selchow near Schoenefeld south of Berlin on September 13, 2012. REUTERS/Tobias Schwarz (GERMANY ENTERTAINMENT - Tags: TRANSPORT BUSINESS)