China wird zum Hoffnungsträger der Weltwirtschaft

Montag, 3. Dezember 2012, 15:13 Uhr
 

Peking (Reuters) - China wird zum Hoffnungsträger der schwächelnden Weltwirtschaft: Nach einer einjährigen Pause wuchs dort im November die Industrie wieder.

Davon profitierten auch deutsche Unternehmen, die mehr Bestellungen aus China an Land zogen und damit einen Teil des Einbruchs im Geschäft mit den kriselnden Euro-Ländern wettmachen konnten.

Der Einkaufsmanagerindex für die chinesische Industrie kletterte um 1,0 auf 50,5 Punkte, teilte die Großbank HSBC am Montag zu ihrer Unternehmensumfrage mit. Es ist das erste Mal seit Oktober 2011, dass der Wert von 50 Zählern überschritten wird, ab dem Wachstum signalisiert wird. "Das bestätigt, dass sich Chinas Wirtschaft weiter schrittweise erholt", sagte der Chefvolkswirt der HSBC für China, Hongbin Qu. Dieses Szenario wird vom offiziellen Einkaufsmanagerindex bestätigt, den das Statistikamt bereits am Wochenende veröffentlichte. Er stieg um 0,4 auf 50,6 Punkte und damit auf den höchsten Stand seit sieben Monaten.

"GRAVIERENDE VERLUSTE"

Europas Schuldenkrise und die schwache US-Konjunktur drückten das Wachstum des Exportweltmeisters im dritten Quartal auf 7,4 Prozent, den niedrigsten Stand seit dreieinhalb Jahren. Für das laufende vierte Quartal rechnen Experten mit einer Beschleunigung. Für das Gesamtjahr strebt die Regierung ein Plus von 7,5 Prozent an, 2011 waren es noch 9,2 Prozent. Sie will das Wachstum mit neuen Investitionen ankurbeln, während die Zentralbank mehr billiges Geld bereitstellt.

China wird damit auch zum Rettungsanker für die deutsche Industrie. Der Einkaufsmanagerindex legte im November um 0,8 auf 46,8 Punkte zu, teilte das Markit-Institut zu seiner Umfrage unter rund 500 Unternehmen mit. Die Rückgänge bei Produktion und Auftragseingang sowie der Stellenabbau verlangsamten sich erheblich. Das liegt vor allem an besseren Geschäften mit der Volksrepublik. "Die Verluste im Exportgeschäft blieben zwar gravierend, sie fielen jedoch schwächer aus als in den zurückliegenden sieben Monaten", hieß es bei Markit. "So glich die anziehende Nachfrage nach Industrieerzeugnissen 'made in Germany' aus China die nach wie vor rückläufigen Bestellungen aus der Euro-Zone zumindest teilweise aus."

VERSCHÄRFTE REZESSION

Die Industrie in der gesamten Euro-Zone kommt nur mühsam aus dem Konjunkturtal. Der Sektor bremste seine Talfahrt im November leicht, da sich die Rückgänge bei Produktion, Aufträgen und Beschäftigung abschwächten. Der Markit-Einkaufsmanagerindex stieg deshalb um 0,8 auf 46,2 Punkte. Das Barometer erreichte den höchsten Stand seit acht Monaten, blieb aber dennoch das 16. Mal in Folge unter der Wachstumsschwelle von 50 Zählern. Die Industrie stecke weiter tief in der Krise, sagte Markit-Chefökonom Chris Williamson. "Dies deutet darauf hin, dass sich die Rezession im Währungsgebiet im Schlussquartal 2012 weiter verschärft und die Wirtschaftsleistung damit das dritte Quartal in Folge schrumpft."

Die Euro-Länder leiden unter den Sparprogrammen ihrer Regierungen, die wegen der Schuldenkrise Steuern erhöht und Ausgaben gestrichen haben. Hinzu kommt, dass die Weltwirtschaft lahmt. Selbst die bislang rasant wachsenden großen Schwellenländer verlieren deutlich an Schwung. So wuchs etwa das Bruttoinlandsprodukt in Brasilien im dritten Quartal mit 0,6 Prozent nur noch halb so kräftig wie erwartet. In Indien schwächte sich der Zuwachs im Vergleich zum Vorjahreszeitraum auf 5,3 Prozent ab.

 
Construction workers install scaffolding on the top of a building at sunset in Shanghai November 13, 2012. REUTER/Aly Song (CHINA - Tags: BUSINESS CONSTRUCTION POLITICS TPX IMAGES OF THE DAY EMPLOYMENT)