Spanien ruft Hilfe für Banken ab - Märkte atmen auf

Montag, 3. Dezember 2012, 16:47 Uhr
 

Madrid (Reuters) - Spanien hat bei seinen Euro-Partnern die Auszahlung milliardenschwerer Hilfen für seine maroden Banken beantragt und damit an den Märkten eine Erleichterungsrally ausgelöst.

Aus dem Euro-Rettungsfonds würden insgesamt 39,5 Milliarden Euro benötigt, teilte das Wirtschaftsministerium am Montag mit. Der Umfang dieser Tranche ist in etwa so hoch wie zuletzt erwartet. Es geht dabei um einen Teilbetrag des zugesagten Hilferahmens der Euro-Partner von maximal 100 Milliarden Euro zur Rekapitalisierung kriselnder spanischer Geldinstitute.

Das Geld soll nun bis zum 12. Dezember an die Regierung fließen. Es wurde erwartet, dass die Finanzminister der Euro-Zone dem Antrag noch im Laufe des Tages zustimmen. Die EU-Kommission hat bereits grünes Licht gegeben und auch der Haushaltsausschuss des Deutschen Bundestages hatte den Antrag passieren lassen.

Unmittelbar nach der Mitteilung des Wirtschaftsministeriums in Madrid legten die Aktienmärkte in Europa zu. Der Dax baute seine Gewinne aus und kletterte um bis zu 1,1 Prozent auf 7487,89 Punkte. Dies war der höchste Stand seit 17 Monaten. Der Euro stieg zum Dollar.

Der spanische Finanzsektor wurde vom Platzen der Immobilienblase kalt erwischt, milliardenschwere Abschreibungen und Verluste waren die Folge. Die Rettung etlicher Geldhäuser brachte den Staat an seine finanziellen Grenzen. Inzwischen gilt das gesamte Land als Kandidat für den Euro-Rettungsschirm, doch Ministerpräsident Mariano Rajoy zaudert. Dies könnte das in einer tiefen Rezession steckende Mittelmeerland teuer zu stehen kommen, wie Volkswirte und Notenbanker immer wieder warnen.

Zumindest bei den Banken hat Spanien nun bald mehr Feuerkraft. Von den beantragten knapp 40 Milliarden Euro sollen 37 Milliarden an die vier verstaatlichten Häuser Bankia, Catalunya Banc, NCG Banco und Banco de Valencia gehen. Die Institute müssen sich im Gegenzug für die Hilfen aber radikal verschlanken und Tausende Stellen streichen. So sollen sie auf mittlere Sicht wieder wettbewerbsfähig werden.

Die übrigen 2,5 Milliarden Euro aus dem Hilfstopf sind für die sogenannte "Bad Bank" des Landes vorgesehen: In ihr lagern die Altlasten des Immobilien-Crashs. Die Abwicklungsanstalt für faule Hypotheken, die die internationalen Kreditgeber zur Voraussetzung für Finanzhilfen gemacht hatten, ging in der vergangenen Woche an den Start. Sie dürfte über die Zeit bis zu 60 Milliarden Euro schwer werden. Spaniens Banken können unliebsame Vermögenswerte gegen einen Abschlag in die "Bad Bank" schieben und bekommen dafür auf der Eigenkapitalseite eine schnelle Entlastung. Die maßgeblich vom Steuerzahler finanzierte Abwicklungsbank wiederum hat 15 Jahre Zeit, die faulen Kredite möglichst wertschonend abzubauen und abzuverkaufen, möglicherweise kann sie dabei sogar Gewinne machen. Auch einige private Investoren beteiligen sich an der "Bad Bank".

 
A Spanish flag flutters in the wind in front of the dome of Bank of Spain headquarters in central Madrid September 24, 2012. Spain once pushed hard for Ireland and Portugal to ask for bailouts from their partners in the euro because it was keen to shelter itself from an accelerating sovereign debt crisis. Now the tables are turned and Madrid is holding back from applying for help, not least because the Spanish government knows all too well what befell its Portuguese and Irish peers once they did seek help -- voters dumped them. REUTERS/Sergio Perez (SPAIN - Tags: POLITICS BUSINESS)