Deutschland auf dem Wege zum EADS-Großaktionär

Montag, 3. Dezember 2012, 16:47 Uhr
 

Berlin/Paris (Reuters) - Beim Luft- und Raumfahrtkonzern EADS steht mit Deutschland ein dritter staatlicher Großaktionär vor der Tür.

Zudem verhandelt die deutsche Regierung in Paris mit den französischen und spanischen Vertretern darüber, die Interessen der drei Länder in einem neuen Aktionärspakt zu bündeln. Nach Darstellung von Frankreichs Präsident Francois Hollande ist man in diesen Gesprächen einer Einigung ganz nahe. Nach dem diskutierten Modell kämen die drei staatlichen Großaktionäre zusammen auf knapp 30 Prozent an EADS. Damit hätten sie keinen dominierenden, aber doch maßgeblichen Einfluss.

Die EADS-Aktien profitierten von der jüngsten Entwicklung mit einem Kurssprung von zeitweise fast drei Prozent zu Wochenbeginn.

EADS bestätigte am Montag, dass die "Hauptaktionäre mögliche Veränderungen der Aktionärsstruktur" seit Samstag diskutierten. Das Unternehmen beteilige sich aktiv daran. In den Diskussionen über einen neuen Aktionärspakt zeichnet inzwischen eine Lösung ab, nach der der deutsche und der französische Staat auf je zwölf Prozent der Anteile kommen würden. Spanien soll dann vier Prozent halten. Das deutsche Wirtschaftsministerium erklärte dazu: "Das Ergebnis ist noch offen." Es unterstrich aber auch: "Angestrebt wird, schnellstmöglich zu einer Einigung zu kommen."

Nach dem Plan würden die drei Staaten auf zusammen 28 Prozent am Mutterkonzern des Flugzeugbauers Airbus kommen. Sie blieben damit unter der Schwelle von 30 Prozent, ab der sie den übrigen EADS-Aktionären ein Übernahmeangebot unterbreiten müssten. Damit würden sie der EADS auch Spielraum für einen Aktienrückkauf geben, etwa um Anteile der verkaufswilligen industriellen EADS-Aktionäre Daimler und Lagardere zu erwerben und sie nachher einzuziehen.

Die neue Anteilsstruktur ist aber gleich aus mehreren Gründen politisch hochsensibel. Der französische Staat, der momentan 15 Prozent an EADS hält, müsste drei Prozent abgeben oder auf deren Stimmrechte verzichten. Im Gespräch ist eine Stiftung in den Niederlanden, dem Sitz von EADS. Nur so ließe sich die deutsch-französische Balance bei je zwölf Prozent herstellen. Deutschland müsste vom deutschen EADS-Großaktionär Daimler und der Investorengruppe Dedalus über die Staatsbank KfW ein EADS-Aktienpaket kaufen. Spanien wiederum müsste mit künftig vier Prozent einen Aktienanteil von 1,5 Prozent abgeben oder in stimmrechtlose Papiere auslagern.

BUNDESREGIERUNG LÄUTET ERSTE STUFE DES AKTIENKAUFS EIN

Die deutsche Regierung steht unterdessen kurz vor einem ersten Kauf eines EADS-Pakets. Die deutsche Staatsbank KfW hat bei der österreichische Bundeswettbewerbsbehörde bereits angezeigt, dass sie ihren Mini-Anteil an der EADS von einem Prozent durch den Ankauf weiterer Papiere von Investoren des Dedalus-Konsortiums auf 5,8 Prozent erhöhen will. Daraus folgt, dass die KfW dann in einem zweiten Schritt nur noch 6,2 Prozent am Luft- und Raumfahrtkonzern und nicht das gesamte zum Verkauf stehende 7,5-Prozent-Paket vom Autokonzern Daimler kaufen müsste. Über diese Aktion wird schon länger verhandelt. Festhalten würden an ihrem Anteil in der Dedalus-Gruppe damit nur Bundesländer mit EADS-Standorten und deren Staatsbanken.

Der deutsche Regierungssprecher Steffen Seibert blieb zurückhaltend. Mit Blick auf die Gespräche mit Daimler merkte er an: "Die Bundesregierung hat entschieden, dass die KfW Anteile in einer noch endgültig zu bestimmenden Höhe übernehmen soll." Da die Daimler-Aktien in einen Aktionärspakt eingebunden seien müsse man sich mit Frankreich abstimmen. Es laufen sehr intensive Gespräche, insbesondere mit Frankreich", sagte er.   Fortsetzung...

 
Visitors talk near the welcome desk of the EADS booth at the ILA Berlin Air Show in Selchow near Schoenefeld south of Berlin on September 13, 2012. REUTERS/Tobias Schwarz (GERMANY ENTERTAINMENT - Tags: TRANSPORT BUSINESS)