Denkfabrik sagt China schnelleres Wachstum voraus

Mittwoch, 5. Dezember 2012, 09:23 Uhr
 

Peking (Reuters) - Chinas Wirtschaft wird nach Prognose von Regierungsberatern im kommenden Jahr wieder Fahrt aufnehmen.

Das Bruttoinlandsprodukt werde um 8,2 Prozent wachsen, sagte die Akademie für Sozialwissenschaften am Mittwoch in Peking voraus. Für dieses Jahr werden 7,7 Prozent erwartet. "Wir sind vorsichtig optimistisch", schrieb die renommierte Denkfabrik. "Allerdings müssen wir wachsam bleiben angesichts der Risiken." Als solche gelten vor allem eine Eskalation der Schuldenkrise in Europa und der Haushaltsstreit in den USA ("fiscal cliff"). "Die Politik sollte vorbereitet sein", mahnten die Forscher.

Die Regierung in Peking hat noch keine offizielle Prognose gewagt, dürfte sich aber an den Zahlen der Akademie orientieren. Wegen der Schuldenkrise in Europa und der schwachen US-Konjunkturbelebung hat sich die Wirtschaft des Exportweltmeisters sieben Quartale in Folge abgeschwächt. Damit droht in diesem Jahr das langsamste Wachstum seit 1999.

"STAATSDEFIZIT STEIGEN LASSEN"

Um die zweitgrößte Volkswirtschaft der Welt wieder in Schwung zu bringen, sieht die Denkfabrik die Regierung in der Pflicht. "China sollte das Staatsdefizit in angemessener Weise steigen lassen und mehr in die Infrastruktur investieren", sagte der stellvertretende Akademie-Chef Li Xuesong zu Reportern. Ein Defizitziel nannte er aber nicht. Empfohlen wird zudem eine Senkung der Mehrwertsteuer, was den privaten Konsum beleben könnte. "Die Regierung hat zudem noch einen recht großen Spielraum in der Steuer- und Geldpolitik", sagte Li. Die Zentralbank könnte beispielsweise ihren Leitzins weiter senken und mehr billiges Geld in die Wirtschaft pumpen.

Aktuelle Umfragen unter Unternehmen sehen China wieder im Aufwind. Der von der Großbank HSBC ermittelte Einkaufsmanagerindex für die Industrie kletterte im November um 1,0 auf 50,5 Punkte. Es ist das erste Mal seit Oktober 2011, dass der Wert von 50 Zählern überschritten wird, ab dem Wachstum signalisiert wird. Auch der Einkaufsmanagerindex für die Dienstleister hielt sich über dieser Marke, auch wenn er um 1,4 auf 52,1 Zähler fiel.

 
Customers buy produce at a grocery store inside a mall in Manila's Makati financial district November 29, 2012. REUTERS/Romeo Ranoco