ThyssenKrupp schickt halben Vorstand in die Wüste- Aktie steigt

Donnerstag, 6. Dezember 2012, 10:21 Uhr
 

Düsseldorf (Reuters) - Die drastische Neuordnung des Vorstands beim krisengeplagten ThyssenKrupp-Konzern wurde an der Börse verhalten aufgenommen.

Nach Ansicht der DZ-Bank-Analysten dürfte der Personalschnitt einen Wechsel in der Unternehmenskultur signalisieren. Gleichzeitig zeige der Schritt, wie dramatisch die Lage für ThyssenKrupp sei, schrieben die Experten in einem Kurzkommentar. Die Aktie stieg am Donnerstag mit dem Gesamtmarkt um gut ein Prozent.

Der Personalausschuss von ThyssenKrupp hatte am Mittwochabend mit der Entlassung des halben Vorstands Konsequenzen aus Missmanagement und Unregelmäßigkeiten im Konzern gezogen. Die Verträge von Olaf Berlien, Edwin Eichler und Jürgen Claassen sollen zum 31. Dezember aufgehoben werden.

Berlien, Claassen und Eichler seien mit der Aufhebung ihrer Verträge einverstanden, teilte ThyssenKrupp mit. Das Vorhaben sei eng mit Vorstandschef Heinrich Hiesinger abgestimmt. Claassen war bereits auf eigenen Wunsch bis auf weiteres von seinen Aufgaben entbunden worden, nachdem die Staatsanwaltschaft Essen Ermittlungen im Zusammenhang mit Berichten über Luxusreisen eingeleitet hatte.

ThyssenKrupp kämpft nicht nur mit explodierenden Kosten seiner neuen Stahlwerke in Brasilien und den USA, sondern ist auch in Korruptions- und Kartellfälle verwickelt. "In diesem Zusammenhang stellt sich die Frage nach der bisherigen Führungskultur im Konzern", erklärte das Unternehmen am Mittwoch - und suchte sich damit, von der Vergangenheit zu distanzieren. Hiesinger steht erst seit Januar 2011 an der ThyssenKrupp-Spitze, Gerhard Cromme ist dagegen eng mit der Geschichte des Konzerns verbunden - er steht allein seit 2001 an der Spitze des Aufsichtsrats.

Die IG Metall hatte erklärt, die Trennung von den drei Vorständen werde von den Arbeitnehmervertretern im Aufsichtsrat als Zeichen eines grundsätzlichen Neuanfangs begrüßt. "ThyssenKrupp steht vor großen Herausforderungen und braucht das Vertrauen der Kunden und der Beschäftigten. Das geht nur mit einem echten Neuanfang", sagte Aufsichtsratsvize und IG-Metall-Vorstand Bertin Eichler.

Der Aufsichtsrat will sich in seiner Sitzung am Montag mit einer Reihe von Problemen befassen - von Korruptionsvorwürfen gegen Mitarbeiter, den Verluste schreibenden Übersee-Stahlwerken bis zum schwächelnden Geschäft mit dem Werkstoff in Europa. Am Dienstag (11. Dezember) legt der Konzern dann seine Zahlen für das Geschäftsjahr 2011/12 vor.

 
The logo of German industrial conglomerate ThyssenKrupp AG is seen outside the company's headquarter and a steelworks in the western German city of Duisburg May 31, 2012. Duisburg and other nearby cities once were the core of Germany's coal mining and steel producing Ruhr region, but are struggling heavily in debt due to falling steel prices and Germany's highest unemployment rate in the west of the country. REUTERS/Wolfgang Rattay (GERMANY - Tags: BUSINESS COMMODITIES LOGO)