Britische Banken kaufen sich in USA von Vorwürfen frei

Donnerstag, 6. Dezember 2012, 14:27 Uhr
 

New York/Hongkong (Reuters) - Die großen britischen Banken HSBC und Standard Chartered kaufen sich in den USA von umstrittenen Geschäften frei.

Europas Branchenprimus HSBC wird Insidern zufolge wohl 1,8 Milliarden Dollar zahlen, um Geldwäsche-Vorwürfe aus der Welt zu schaffen. Drei mit der Situation vertraute Personen sagten der Nachrichtenagentur Reuters, die Einigung mit den US-Ermittlern könnte bereits nächste Woche verkündet werden. Die Gespräche darüber seien in den vergangenen Monaten vorangetrieben worden. StanChart teilte unterdessen am Donnerstag mit, ein in Kürze erwarteter Vergleich mit den US-Bundesbehörden werde 330 Millionen Dollar kosten. Sie stehen im Zusammenhang mit dubiosen Iran-Geschäften.

HSBC wollte die bevorstehende Einigung noch nicht bestätigen: "Wir kooperieren mit den Behörden, und die Untersuchungen dauern an", sagte ein Bank-Sprecher. Der Inhalt der Gespräche sei vertraulich. Das weltweit aktive Geldhaus hatte Anfang November 1,5 Milliarden Dollar zurückgelegt, um für mögliche Strafen im Zusammenhang mit den Geldwäsche-Vorwürfen gerüstet zu sein.

HSBC-Chef Stuart Gulliver rechnet früheren Angaben zufolge nicht nur mit Schadenersatzklagen, sondern auch mit strafrechtlichen Konsequenzen. Ein Ausschuss des US-Senats hatte im Juli nach einjähriger Untersuchung festgestellt, dass die Bank Kunden über Jahre half, fragwürdige Gelder aus Ländern wie Mexiko, dem Iran, Saudi-Arabien und Syrien zu transferieren. HSBC hat sich dafür entschuldigt.

Geld ist aber nicht das Problem der Bank. Sie hatte erst diese Woche für 9,4 Milliarden Dollar eine Beteiligung an dem chinesischen Versicherer Ping An verkauft. Analysten zufolge sollte HSBC aus der Transaktion ein Gewinn von rund 2,6 Milliarden Dollar bleiben.

Beim Konkurrenten StanChart kommt die neueste Zahlung zu jenen 340 Millionen Dollar hinzu, die die Bank bereits im Sommer an die New Yorker Finanzaufsicht abdrücken musste. Hintergrund sind Vorwürfe, StanChart habe wie eine "Schurkenbank" agiert und mit ihren Geschäften über Jahre gegen Iran-Sanktionen der USA verstoßen. Hoffnungen des Instituts auf eine umfassende Einigung mit allen ermittelnden Behörden hatten sich bereits vor Monaten zerschlagen. Daher kommen die Strafzahlungen nun in mehreren Schritten.

Das hinterlässt Spuren in der Bilanz, auch wenn StanChart dank der Konzentration auf die boomenden Wachstumsmärkte in Asien deutlich besser da steht als viele andere internationale Großbanken. Vorstandschef Peter Sands geht davon aus, dass der Vorsteuergewinn 2012 nur noch im mittleren einstelligen Prozentbereich zulegt. Eigentlich hatte sich StanChart ein Plus von über zehn Prozent vorgenommen. So oder so wäre es das zehnte Jahr in Folge, dass das Institut Rekordergebnisse einfährt.