Neue EADS-Struktur entfacht Kursfeuerwerk

Donnerstag, 6. Dezember 2012, 16:41 Uhr
 

Frankfurt/Berlin (Reuters) - Die Beschneidung des Staatseinflusses auf den Luftfahrt- und Rüstungskonzern EADS hat Anleger scharenweise angelockt und der Aktie kräftig Schub verliehen.

An den Börsen in Frankfurt und Paris kletterten die EADS-Aktien des europäischen Luftfahrt- und Rüstungskonzerns am Donnerstag zeitweise um über acht Prozent auf den höchsten Stand seit drei Monaten. Schwung kam auch dadurch, dass der Konzern Aktien zurückkaufen will.

Am Mittwoch hatten sich die Regierungen in Deutschland, Frankreich und Spanien nach tagelangem Ringen mit Daimler und Lagardere geeinigt. Deutschland wird als dritter Staat Großaktionär bei EADS und wie Frankreich mit jeweils zwölf Prozent am stimmberechtigten EADS-Kapital beteiligt. Hinzu kommt Spanien mit einer Beteiligung von vier Prozent. Die drei Staaten erhalten jedoch keine Veto-Rechte und unterliegen einer neuen Stimmrechtsbeschränkung auf 15 Prozent. Die drei Regierungen haben damit insgesamt einen maßgeblichen, aber keinen bestimmenden Einfluss. Bereits Anfang 2013 werde die Neuordnung des Eigentümerkreises bei einer außerordentlichen Hauptversammlung besiegelt, sagte ein Regierungsvertreter.

EADS-Chef Tom Enders will den Staatseinfluss seit langem zurückdrängen. Politisches Gerangel verzögert immer wieder wichtige Projekte. Zum Beispiel scheiterte zuletzt die angedachte Fusion mit dem britischen Rüstungskonzern BAE daran, dass die Interessen der Regierungen nicht in Einklang gebracht werden konnten.

"STEUERUNG DES UNTERNEHMENS WIRD EINFACHER"

Daimler stieß am Donnerstagmorgen bereits plangemäß die Hälfte seines EADS-Anteils ab. Der Auto-Hersteller verkaufte rund 61 Millionen EADS-Aktien zum Preis von je 27,23 Euro an die staatliche Förderbank KfW, das private Investoren-Konsortium Dedalus und institutionelle Anleger. Börsianern zufolge soll das Interesse an den EADS-Aktien sehr groß gewesen sein. Die Platzierung sei vierfach überzeichnet gewesen, hieß es. Im Zuge der Transaktionen hält jetzt die KfW für Deutschland gut zehn Prozent, durch den späteren Aktienrückkauf soll sich der Anteil auf zwölf Prozent ausweiten.

Im zwölfköpfigen Verwaltungsrat soll künftig nur jeweils ein Vertreter aus Deutschland und Frankreich unter staatlichem Einfluss stehen. Allerdings gibt es für zentrale Fragen wie die Verlagerung von Produktionsorten und Hauptsitzen von Unternehmenstöchtern Sonderregelungen. Zentrale Entscheidungen können hier nur mit Zwei-Drittel-Mehrheit im Verwaltungsrat getroffen werden.

ANALYSTEN BEGEISTERT VON NEUORDNUNG

Die Neuordnung im Eigentümerkreis von EADS kam bei den Analysten durchweg gut an. Ob Societe Generale, Deutsche Bank oder Barclays - sie alle hoben ihre Bewertungen für die EADS-Papiere an. "Der Einfluss der Regierungen ist nun deutlich zurückgegangen", fassten die Analysten von Bank of America/Merrill Lynch (BofAML) zusammen. Der Konzern sei nun seinen europäischen Konkurrenten ähnlich. Die BofAML-Analysten hatten ZUVOR in ihrer Bewertung angesichts des großen staatlichen Einflusses rund zehn Prozent abgezogen.

Als Pluspunkt gilt zudem das Aktienrückkaufprogramm. Der Konzern plant den Erwerb von bis zu 15 Prozent der ausstehenden Aktien in zwei gleichen Tranchen. In der ersten Runde können alle Aktionäre Papiere abgeben, nicht aber die Vertragspartner. Bei der zweiten Tranche sind 5,5 Prozent Lagardere vorbehalten. Der Weg sei nun frei, dass das Unternehmen seine Strategie umsetzen können, kommentierten die Analysten von Credit Suisse: "Eine gute Kaufgelegenheit."

 
Visitors look at aircraft models at the EADS booth during the ILA Berlin Air Show in Selchow near Schoenefeld south of Berlin, September 13, 2012. REUTERS/Tobias Schwarz