Fukushima-Region von Erdbeben und Tsunami heimgesucht

Freitag, 7. Dezember 2012, 11:59 Uhr
 

Tokio (Reuters) - Der Nordosten Japans ist 21 Monate nach der Reaktorkatastrophe von Fukushima wieder von einem Erdbeben erschüttert und von einem Tsunami getroffen worden.

Arbeiter auf dem Gelände des havarierten Atomkraftwerks brachten sich in Sicherheit, wie der Fukushima-Betreiber Tepco am Freitag mitteilte. Erhöhte Strahlungen seien nicht gemessen worden, auch mit den Kühlsystemen habe es keine Probleme gegeben. Hinweise auf Todesopfer oder größere Schäden des Bebens gab es zunächst nicht. Eine Tsunami-Warnung wurde nach knapp zwei Stunden wieder aufgehoben. Der Erdstoß im Seegebiet vor der nordöstlichen Küste hatte nach Angaben der US-Erdbebenwarte USGS eine Stärke von 7,3. Das Seebeben, das im März 2011 den verheerenden Tsunami auslöste, hatte die Stärke 9.

Nach dem Beben meldeten die Betreiber von Atomkraftwerken und Raffinerien keine gravierenden Zwischenfälle. Bis nach Tokio waren die Erdstöße zu spüren, die dort nach Darstellung von Einwohnern Gebäude zum Schwanken brachten. Der Tsunami traf auf die Küste im Bereich der Präfektur Miyagi, berichtete der Sender NHK. Experten hatten berechnet, dass die Flutwelle eine Höhe von einem Meter haben sollte. Über Schäden wurde zunächst nichts bekannt.

ZUGVERKEHR GESTOPPT

Schon bei Ausgabe der Tsunami-Warnung teilte das pazifische Warnzentrum mit, es bestehe keine Gefahr eines großflächigen Tsunamis. Alle Züge in der Region unterbrachen ihre Fahrten, am Flughafen Sendai, der vor 21 Monaten überflutet worden war, wurden alle Starts und Landungen abgesagt. Auch der Narita-Flughafen bei Tokio stellte zwischenzeitlich den Flugverkehr ein. Ministerpräsident Yoshihiko Noda unterbrach seinen Wahlkampf und kehrte an seinen Amtssitz zurück.

"Die Bürger fliehen nun in die ausgewiesenen Evakuierungs-Zentren oder suchen höher gelegene Orte auf", berichtete unmittelbar nach der Tsunami-Warnung der Büroangestellte Naoki Ara aus Soma, einem Ort 30 Kilometer entfernt von der Reaktorruine. Nach dem Beben hatten sich besorgte Japaner nach dem Schicksal von Freunden und Angehörigen erkundigt. "Hier in Tokio hat die Erde lange Zeit gebebt, ist bei euch allen alles in Ordnung", postete beispielsweise Eriko Hamada in Netzwerk Facebook. Telefonleitungen brachen wegen Überlastung zusammen.

Das Beben und der Tsunami von 2011 hatten weite Landstriche in der Region verwüstet und das Atomkraftwerk Fukushima zerstört. Knapp 20.000 Menschen fanden den Tod. Es war die schwerste Nuklearkatastrophe seit 1986 in Tschernobyl.

 
A man scratches his head as he watches television showing live camera footage from Ishinomaki, Miyagi prefecture and an alert sign that reads,"Tsunami! Evacuate!" at Nagano train station, central Japan December 7, 2012. REUTERS/Yuriko Nakao (JAPAN - Tags: DISASTER)