Telekom kappt Dividende - Aktie bricht ein

Freitag, 7. Dezember 2012, 13:11 Uhr
 

Bonn (Reuters) - Die Deutsche Telekom setzt ihre Aktionäre auf Dividenden-Diät.

Zugunsten eines milliardenteuren Netzausbaus sollen die Ausschüttungen für die nächsten beiden Jahren auf einen halben Euro je T-Aktie gekappt werden - das ist der niedrigste Stand seit knapp zehn Jahren. "Nicht die Höhe der Dividende ist entscheidend, sondern die Sicherheit, dass wir sie verlässlich zahlen", sagte Telekom-Finanzchef Tim Höttges am Freitag. Ungefährdet sei aber die Dividende für dieses Jahr, die wie angekündigt bei 70 Cent je Anteilsschein liegen werde.

Die Kürzung der Dividende um knapp ein Drittel ist eine schlechte Nachricht für Anteilseigner, die die einstige Volksaktie vor allem wegen der bislang üppigen jährlichen Ausschüttungen im Depot haben. Denn ansonsten gab es für sie wenig Grund zur Freude: Der Aktienkurs kam nach dem Platzen der Börsenblase Anfang des Jahrtausends nie wieder auf die Beine. Die Talfahrt setzte sich am Freitag fort: Der Papier des Dax-Konzern fiel um 3,5 Prozent auf 8,28 Euro.

Eine Dividendenkürzung sei zwar erwartet worden, sagte ein Börsianer. Der Bonner Konzern habe die Ausschüttung aber stärker gekappt als gedacht. Analysten hatten zuletzt im Schnitt für das Jahr 2013 mit 60 Cent und für das Jahr 2014 mit 58 Cent Dividende gerechnet. Größter Anteilseigner ist der Bund, der noch ein Drittel an dem Ex-Monopolisten hält.

Mit 50 Cent erreicht die Dividende einen Tiefststand: 2004 wurden noch 62 Cent je Titel ausgeschüttet, danach waren es jedes Jahr mindestens 70 Cent. 2002 und 2003 waren die Zahlungen ganz ausgefallen.

Neben der Dividendenkürzung sucht der Konzern noch nach an anderen Wegen, um an Geld zu kommen. Für das Großbritannien-Mobilfunkgeschäft - ein Joint-Venture mit France Telecom - werde derzeit etwa ein Börsengang geprüft, sagte Höttges. "Finanziell sind wir dazu aber nicht gezwungen." An dem Gemeinschaftsunternehmen namens "Everything Everywhere" halten die Telekom und die Franzosen jeweils die Hälfte. Auch die Internetportale der Scout-Gruppe (Immobilien-Scout, Auto-Scout) kämen auf den Prüfstand, erklärte der Finanzchef. Den Sparkurs behalte die Telekom bei: In den kommenden drei Jahren sollten die Kosten um zwei Milliarden Euro sinken.

NETZAUSBAU

Finanzieren will der rosa Riese damit einen milliardenteuren Netzausbau. Allein für vier Milliarden Euro will die Telekom ihr Mobilfunknetz in den USA modernisieren, weitere sechs Milliarden Euro sollen in den Breitband-Ausbau in Deutschland fließen. Mitte September hatte der Konzern bereits angekündigt, in den kommenden vier Jahren circa 24 Millionen Haushalten superschnelle Anschlüsse auf Basis der VDSL-Technik zu bieten. Das wären doppelt so viele wie bisher. Gleichzeitig sollen die Zugänge mit 100 Mbit/s wesentlich schnell werden. Möglich machen soll das eine neue Technologie namens "Vectoring", mit der die Telekom den schnell wachsenden Kabelnetzbetreibern Kunden abluchsen will. In Deutschland steigen die Investitionen damit für die Zeit von 2014 bis 2016 um eine Milliarde auf bis zu 4,5 Milliarden Euro pro Jahr.

Zudem kündigte die Telekom an, auf dem Heimatmarkt ab 2014 ihre Umsätze zu stabilisieren. Nächstes Jahr geht es aber weiter abwärts: 2013 erwartet der Vorstand einen operativen Gewinn (bereinigtes Ebitda) von 17,4 Milliarden Euro - die geplante Fusion der US-Tochter T-Mobile USA mit dem Konkurrenten MetroPCS ist darin noch nicht enthalten. Zum Vergleich: Für dieses Jahr peilt der Telefonriese ein Ebitda von rund 18 Milliarden Euro an nach 18,7 Milliarden Euro 2011. Ab dem Jahr 2014 soll der bereinigte operative Gewinn wieder wachsen. Zudem stellt die Telekom-Führungsetage für 2013 einen freien Cashflow von rund fünf Milliarden Euro in Aussicht.

 
The headquarters of Deutsche Telekom AG in Bonn December 5, 2012. After keeping up its dividend when all around it were cutting theirs, Deutsche Telekom is expected to join the throng of European telcos diverting cash from shareholder payouts to capital investment. REUTERS/Ina Fassbender (GERMANY - Tags: BUSINESS TELECOMS)