US-Wirtschaft schafft überraschend viele Jobs

Freitag, 7. Dezember 2012, 15:38 Uhr
 

Washington (Reuters) - Die US-Wirtschaft hat im November deutlich mehr Stellen geschaffen als erwartet.

Die Zahl der Beschäftigten außerhalb der Landwirtschaft stieg um 146.000, wie das Arbeitsministerium am Freitag in Washington mitteilte. Von Reuters befragte Ökonomen hatten nur mit 93.000 gerechnet. Allerdings war die Zahl der im September und Oktober geschaffenen Stellen um fast 50.000 niedriger als ursprünglich gemeldet. Die Arbeitslosenquote im November sank auf 7,7 von 7,9 Prozent und erreichte den niedrigsten Stand seit Dezember 2008. Experten führen den Rückgang auch darauf zurück, dass wieder mehr Amerikaner die Jobsuche aufgeben.

In den Rezessionsjahren 2007 bis 2009 stieg die Arbeitslosenquote zeitweise über die Marke von zehn Prozent. Obwohl sie seither gesunken ist, sind die Vorkrisenwerte von rund fünf Prozent noch immer weit entfernt. Experten zeigten sich überrascht, dass der Wirbelsturm "Sandy" dem Ministerium zufolge keine größeren Auswirkungen auf die Daten hatte. Analystin Kathy Jones von Charles Schwab sprach von gemischten Zahlen - "mit guten und schlechten Nachrichten". Die Privatwirtschaft schuf per Saldo 147.000 neue Jobs - allein der Einzelhandel fast 53.000. In der Industrie gingen 7000 Arbeitsplätze verloren, am Bau 20.000 Jobs. Die Regierung baute lediglich 1000 Stellen ab.

HAUSHALTSSTREIT BLEIBT TOP-THEMA

Die ersten Arbeitsmarktdaten nach der Wiederwahl von US-Präsident Barack Obama zeigen, dass die Lage am Job-Markt auch künftig ein wichtiges Thema in Washington bleiben dürfte. Obama will etwa mit Infrastrukturausgaben die Wirtschaft ankurbeln. Das größte Problem ist derzeit aber der Haushaltsstreit ("Fiscal Cliff"). Nach aktueller Gesetzeslage laufen 2013 viele Steuerentlastungen aus, während zugleich Ausgabenkürzungen in Kraft treten. Dies würde das Staatsdefizit zwar auf einen Schlag kräftig drücken, könnte die weltgrößte Volkswirtschaft aber in die Rezession treiben. Republikaner und Demokraten müssen möglichst bis Ende des Jahres Kompromisse ausloten, wo gekürzt und gespart werden soll und wo nicht. "Das große Thema der nächsten Monate wird sein, was mit dem Fiscal Cliff passiert", sagte Jeremy Lawson von BNP Paribas.