Telekom kappt Dividende - Aktie bricht ein

Freitag, 7. Dezember 2012, 15:56 Uhr
 

Bonn (Reuters) - Die Deutsche Telekom verschreckt ihre krisengeplagten Aktionäre mit einer massiven Dividendenkürzung.

Zugunsten eines milliardenteuren Netzausbaus soll die Gewinnbeteiligung für die nächsten beiden Jahre auf einen halben Euro je T-Aktie gekappt werden - das ist der niedrigste Stand seit knapp zehn Jahren. Während der Dax immer neuen Höhen entgegenstrebt, setzte die einstige Volksaktie am Freitag ihre Talfahrt fort: Das Papier brach um zwei Prozent auf 8,41 Euro ein und war damit Schlusslicht im deutschen Leitindex.

"Nicht die Höhe der Dividende ist entscheidend, sondern die Sicherheit, dass wir sie verlässlich zahlen", versuchte Telekom-Finanzchef Tim Höttges am Freitag die Anteilseigner zu trösten. Viele haben das Papier nur wegen der bislang üppigen jährlichen Ausschüttungen im Depot. Denn ansonsten gab es für sie in den vergangenen Jahren kaum Grund zur Freude: Der Aktienkurs kam nach dem Platzen der Börsenblase Anfang des Jahrtausends nie wieder auf die Beine. Ungefährdet sei aber die Dividende für dieses Jahr, die wie angekündigt bei 70 Cent je Anteilsschein liegen werde, betonte Höttges.

Der Schnitt sei zwar erwartet worden, doch habe der Konzern die Ausschüttung stärker gekappt als gedacht, sagte ein Börsianer. Analysten hatten zuletzt im Schnitt für das Jahr 2013 mit 60 Cent Dividende gerechnet. Größter Anteilseigner ist der Bund, der noch ein Drittel an dem Ex-Monopolisten hält. Aktionär Union Investment hält den Schritt allerdings für überfällig. "Die Dividendenkürzung ist richtig, wir begrüßen das und bleiben als Aktionär dabei", sagte Union-Fondsmanager Andreas Mark. Die Telekom brauche das Geld für Investitionen. "Die kommen spät, aber nicht zu spät."

Mit 50 Cent erreicht die Dividende einen Tiefststand: 2004 wurden noch 62 Cent je Titel ausgeschüttet, danach waren es jedes Jahr mindestens 70 Cent. 2002 und 2003 waren die Zahlungen ganz ausgefallen. Neben der niedrigeren Dividende sucht der Konzern noch nach an anderen Wegen, um an Geld zu kommen. Für das Großbritannien-Mobilfunkgeschäft - ein Joint-Venture mit France Telecom - werde derzeit etwa ein Börsengang geprüft, sagte Höttges auf einem Investorentreffen. "Finanziell sind wir dazu aber nicht gezwungen." An dem britischen Marktführer mit 27 Millionen Handykunden halten die Telekom und die Franzosen jeweils die Hälfte. Auch die Internetportale der Scout-Gruppe (Immobilien-Scout, Auto-Scout) kämen auf den Prüfstand, erklärte der Finanzchef. Den Sparkurs behält der Konzern mit 233.000 Mitarbeitern bei: Bis 2015 sollen die Kosten um zwei Milliarden Euro sinken.

NETZAUSBAU

Finanzieren will der rosa Riese damit einen milliardenteuren Netzausbau. Allein für vier Milliarden Euro will die Telekom ihr Mobilfunknetz in den USA modernisieren, weitere sechs Milliarden Euro sollen in den Breitband-Ausbau in Deutschland fließen. Mitte September hatte der Konzern bereits angekündigt, in den kommenden vier Jahren circa 24 Millionen Haushalten superschnelle Internet-Anschlüsse auf Basis der VDSL-Technik zu bieten. Das wären doppelt so viele wie bisher. Gleichzeitig sollen die Zugänge mit 100 Mbit/s wesentlich schneller werden. Möglich machen soll das eine neue Technologie namens "Vectoring", mit der die Telekom den schnell wachsenden Kabelfirmen Unitymedia und Kabel Deutschland Kunden abluchsen will. In Deutschland steigen die Telekom-Investitionen damit für die Zeit von 2014 bis 2016 um eine Milliarde auf bis zu 4,5 Milliarden Euro pro Jahr.

Zudem kündigte die Telekom an, auf dem Heimatmarkt ab 2014 ihre Umsätze zu stabilisieren. Nächstes Jahr geht es aber zunächst weiter abwärts: 2013 erwartet der Vorstand einen operativen Gewinn (bereinigtes Ebitda) von 17,4 Milliarden Euro - die geplante Fusion der US-Tochter T-Mobile USA mit dem Konkurrenten MetroPCS ist darin noch nicht enthalten. Zum Vergleich: Für dieses Jahr peilt der Telefonriese ein Ebitda von rund 18 Milliarden Euro an nach 18,7 Milliarden Euro 2011. Ab dem Jahr 2014 soll der bereinigte operative Gewinn wieder wachsen.

WETTE AUF DAS IPHONE

Einen langersehnten Erfolg erzielte die Telekom-Führungsriege in den USA. Die Tochter T-Mobile USA werde ab nächstem Jahr das iPhone anbieten können, sagte Konzernchef Rene Obermann. Damit schließt das Telekom-Sorgenkind eine Lücke - die drei größeren Konkurrenten Verizon, AT&T und Sprint haben den Bestseller von Apple schon länger im Angebot. Unter anderem deswegen kehrten lukrative Vertragskunden, die mehr für das Telefonieren ausgeben, T-Mobile USA den Rücken. Seit Jahresanfang summierte sich das Kundenminus auf 1,56 Millionen. Doch sei eine Trendwende absehbar, sagte John Legere, Chef von T-Mobile USA. Mit Hilfe des iPhone sollte der Markt-Vierte ab Ende 2013 in den USA wieder Vertragskunden gewinnen. Konkretes zu dem Deal mit Apple - etwa zu den Kosten - wollte er nicht verraten.

Eigentlich wollten die Bonner T-Mobile USA im vergangenen Jahr für 39 Milliarden Dollar an AT&T verkaufen. Die US-Wettbewerbsbehörden stoppten die Transaktion. Anfang Oktober machte die Telekom den Plan B publik: T-Mobile USA soll mit dem fünftgrößten Anbieter MetroPCS fusionieren. In trockenen Tüchern soll der Zusammenschluss bis Mitte 2013 sein.

 
The logo of Deutsche Telekom AG is seen at their headquarters in Bonn December 5, 2012. REUTERS/Ina Fassbender (GERMANY - Tags: BUSINESS TELECOMS)