China zapft Kanadas Energie an - Großübernahme gebilligt

Samstag, 8. Dezember 2012, 14:21 Uhr
 

New York/Ottawa (Reuters) - Kanada hat China die Tür zu seinen Energiereserven geöffnet: Nach monatelangen hitzigen Debatten rang sich die Regierung in Ottawa dazu durch, die umgerechnet knapp zwölf Milliarden Euro schwere Übernahme des heimischen Ölproduzenten Nexen durch den chinesischen Staatskonzern CNOOC zu genehmigen.

Es ist der größte Zukauf eines Unternehmens aus der Volksrepublik im Ausland. Damit erhält China Zugriff auf die kanadischen Ölsande, wo sich nach Saudi-Arabien und Venezuela die drittgrößten gesicherten Rohölvorkommen der Welt befinden. Die Nordamerikaner wiederum kommen an das benötigte ausländische Kapital zur Erschließung ihrer gewaltigen Ressourcen und bauen sich zugleich in Asien neben den USA eine zweite Stütze für ihre Energieexporte auf.

Ihre Zustimmung gab die kanadische Regierung am Freitag auch für eine weitere - allerdings weniger umstrittene - Großübernahme eines Energieproduzenten durch ein ausländisches Staatsunternehmen: Der Gasförderer Progress Energy Resources geht für umgerechnet gut vier Milliarden Euro an Petronas aus Malaysia. Das Geschäft wurde vom kanadischen Industrieminister zunächst gestoppt, bis Petronas zu weitreichenden Zugeständnissen bereit war.

Auch im Falle von Nexen zeigte sich der Käufer großzügig und räumte damit letztlich die politischen Bedenken gegen den neuen chinesischen Eigner beiseite. Die Regierung in Ottawa begrüßte Zusagen von CNOOC zu Investitionen, Beschäftigung und Geschäftstransparenz. Chinesische Analysten verwiesen darauf, dass CNOOC seine Lehren gezogen habe aus der gescheiterten Offerte über umgerechnet 14 Milliarden Euro für den US-Ölkonzern Unocal aus dem Jahr 2005.

Doch auch Kanada stand wegen einer geplatzten Fusion unter Druck. Das überraschende Veto der konservativen Regierung zum geplanten Kauf des Düngemittel-Herstellers Potash durch die australische BHP Billiton im Oktober 2010 hatte unter Investoren für Entsetzen gesorgt. Dieses Stigma werde nun zumindest teilweise beseitigt, sagte Oliver Borges von McCarthy Tetrault in Toronto. Kanadas Ruf unter den Kapitalanlegern werde damit gestärkt. Der Kurs der Nexen-Aktie zog nachbörslich kräftig an. Der Kanadische Dollar notierte fester.

ZUM NUTZEN DES LANDES

Die Regierung kam trotz heftiger Gegenwehr auch aus den eigenen Reihen zu dem Schluss, dass die Nexen-Übernahme durch Chinas drittgrößten Ölkonzern unter dem Strich zum Nutzen Kanadas sei. Ministerpräsident Stephen Harper machte aber deutlich, dass ähnliche Deals künftig nicht mehr erlaubt werden. Nach der neuen Regelung dürfen ausländische Konzerne, die sich in staatlicher Hand befinden, nur noch Minderheitsbeteiligungen an kanadischen Unternehmen kaufen. Es sei denn, es seien "außerordentliche Umstände" gegeben, ergänzte Harper. Aus Sicht der Opposition, die gegen den CNOOC-Deal Front machte, lässt sich die Regierung damit eine Hintertür offen, um solche Übernahmen auch künftig durchzuwinken.

Harper äußerte sich zuversichtlich, dass weitere Firmen in die kanadischen Ölsande investieren werden. Das Land braucht dazu auch Geld aus dem Ausland. Politiker und Volkswirte halten es für ausgeschlossen, dass der für den Rohstoffsektor angegebene Bedarf von umgerechnet 509 Milliarden Euro in den nächsten zehn Jahren aus eigener Kraft aufgebracht werden kann.

Nexen galt bereits seit langem als Übernahmeziel und ist für CNOOC der ideale Zukauf, zumal es keine kanadischen Gegenbieter gab. Die Vorkommen des chinesischen Konzerns sind im Branchenvergleich begrenzt. Von der Akquisition verspricht sich CNOOC eine Steigerung der Produktion um 20 Prozent und der gesicherten Vorkommen um 30 Prozent. Neben dem Ölsande-Geschäft fördert Nexen weltweit Öl auf hoher See. Unter anderem gehören den Kanadiern 43 Prozent am Buzzard-Feld in der Nordsee.

 
The man stands at the front desk of the headquarters of China National Offshore Oil Corp (CNOOC) in Beijing July 25, 2012. REUTERS/Jason Lee