Griechenlands-Schuldenrückkauf in der Verlängerung

Montag, 10. Dezember 2012, 16:39 Uhr
 

Athen/Berlin (Reuters) - Das für weitere Hilfen wichtige Schuldenrückkaufprogramm Griechenlands hat im ersten Anlauf das gesetzte Ziel verfehlt und geht in die Verlängerung.

Die Frist für die Entgegennahme von Anleihen, die Investoren der Regierung zum Rückkauf anboten, sei um eineinhalb Werktage bis Dienstag 12.00 Uhr verlängert worden, teilte die nationale Schuldenagentur am Montag mit. Bis zum ursprünglichen Fristende am vergangenen Freitag wurden der Regierung nach Angaben von EU-Vertretern lediglich Anleihen im Nennwert von 26,5 Milliarden Euro zu einem Durchschnittskurs von 33,4 Prozent angedient. Mit der Verlängerung soll nun die Lücke zum Ziel-Volumen von 30 Milliarden Euro gefüllt werden.

Der Erfolg des Schuldenrückkaufprogramme steht allerdings bei den Beteiligten trotz der länger benötigten Zeit nicht infrage. "Wir sind zuversichtlich, dass es noch Raum für weitere Angebote vonseiten der heimischen und der internationalen Investoren gibt, um den Anleihen-Rückkauf erfolgreich zu gestalten", sagte EU-Kommissionssprecher Simon O'Connor. Auch die Sprecherin des deutschen Finanzministeriums, Marianne Kothe, reagierte gelassen. "Wir setzen auf eine erfolgreiche Umsetzung", sagte sie in Berlin.

Ein hoher griechischer Bankenvertreter erklärte in Athen zur noch bestehenden Lücke: "Es wir ein leichtes sein, diese durch die griechischen Banken zu decken, falls ausländische Anleihen-Besitzer nicht noch mehr anbieten." Nach Angaben aus Finanzkreisen haben die griechischen Banken und Versicherer bislang ein Volumen von zehn Milliarden Euro aus ihrem Bestand an griechischen Staatsanleihen zum Rückkauf angeboten - insgesamt halten sie aber 17 Milliarden Euro an Staatspapieren.

Aus dem Schuldenrückkaufprogramm soll allein die Hälfte der zusätzlichen Entlastungen für Griechenland im Umfang von rund 40 Milliarden Euro kommen, auf die sich die Euro-Partner und der Internationale Währungsfonds (IWF) vor wenigen Tagen verständigt hatten. Ein Erfolg dieses Programms ist eine entscheidende Voraussetzung, damit auch Zinsverbilligungen, Kredit-Verlängerungen und Zinsstundungen gewährt werden können. Die Euro-Finanzminister wollen zudem auf Basis eines Erfolgs beim Rückkaufprogramm am Donnerstag langerwartete Kredithilfen für Griechenland in Höhe von 43,7 Milliarden Euro freigeben. Davon sollen gut drei Viertel schon im Dezember fließen.

Mit dem Schuldenrückkauf, für den Griechenland gut zehn Milliarden Euro aufwenden will, sollen Anleihen im Nennwert von 30 Milliarden Euro von privaten Investoren aus dem griechischen In- und Ausland zu Kursen zwischen rund 30 bis etwa 40 Prozent - je nach Laufzeit der Papiere - aufgekauft werden. Damit würde sich der griechische Schuldenberg von über 300 Milliarden Euro um grob gerechnet knapp 20 Milliarden Euro verringern.

Die Bundesregierung unterstrich, ein erfolgreicher Rückkauf der Schulden sei ein integraler Bestandteil der jüngsten Hilfsvereinbarungen der Euro-Finanzminister. Die Ratingagentur Standard and Poor's rechnet nach Angaben ihres Spitzenmanagers Moritz Kraemer kaum damit, dass die derzeitige Regierung in Athen aus der Euro-Zone aussteigen könnte. Für eine künftige Regierung anderer Couleur sehe man aber eine Wahrscheinlichkeit von eins zu drei für einen solchen Schritt, sagte Kraemer in Tel Aviv. Dieser hätte extrem schädliche Folgen. Aber auch dann werde die Euro-Zone wohl nicht auseinanderbrechen.

 
REUTERS/John Kolesidis (GREECE - Tags: POLITICS BUSINESS TRAVEL)