HSBC zahlt wegen Geldwäsche-Skandal Rekordstrafe

Dienstag, 11. Dezember 2012, 16:17 Uhr
 

Washington/Hongkong (Reuters) - Die britische Großbank HSBC zahlt wegen eines Geldwäsche-Skandals in den USA eine Rekordstrafe von knapp zwei Milliarden Dollar.

"Wir übernehmen die Verantwortung für die Fehler der Vergangenheit", sagte HSBC-Chef Stuart Gulliver am Dienstag. Die US-Behörden werfen dem Institut vor, Kunden beim Transferieren von fragwürdigen Geldern aus Ländern wie Mexiko, dem Iran oder Syrien geholfen zu haben. Auch der kleinere britische Konkurrent Standard Chartered verständigte sich mit den US-Behörden auf einen Vergleich und zahlt wegen umstrittener Geschäfte mit Iran, Sudan, Myanmar und Syrien insgesamt 667 Millionen Dollar.

Die amerikanischen Behörden ermitteln seit Jahren gegen viele internationalen Großbanken wegen des Verdachts, US-Sanktionen gegen Länder wie den Iran oder Syrien gebrochen zu haben. Auch die Deutsche Bank, die Commerzbank und die UniCredit-Tochter HypoVereinsbank stehen im Visier der Ermittler. Bislang wurde keine einzige Bank angeklagt oder verurteilt, allerdings haben sich zahlreiche Geldhäuser aus Angst vor dem Entzug der wichtigen US-Banklizenz und einem imageschädigenden Prozess mit den US-Behörden auf einen Vergleich geeinigt. Durch die jüngsten Verständigungen mit HSBC und Standard Chartered summieren sich die Strafzahlungen inzwischen auf rund fünf Milliarden Dollar.

HSBC-Chef Gulliver tat am Dienstag noch einmal öffentlich Buße. "Wir haben gesagt, dass es uns zutiefst leidtut, und tun das noch einmal." Das Institut habe in den vergangenen Jahren viel unternommen, damit sich die Fehler der Vergangenheit nicht wiederholten. Die Ausgaben für ein System zur Verhinderung von Geldwäsche seien erhöht und diverse Geschäftsbeziehungen beendet worden. "Heute ist HSBC ein völlig anderes Unternehmen als das, das diese Fehler begangen hat." Auch mit den britischen Aufsehern strebt HSBC im Geldwäsche-Skandal einen Vergleich an.

"NICHT SO SCHLIMM, WIE ES HÄTTE KOMMEN KÖNNEN"

Die US-Behörden werfen HSBC vor, in der Vergangenheit nicht genug getan zu haben, um Geldwäsche zu verhindern. Die in Hongkong gegründete, aber inzwischen in London ansässige Bank hatte Anfang November 1,5 Milliarden Dollar zurückgelegt, um für mögliche Strafen gerüstet zu sein. Für den Vergleich in Amerika zahlte HSBC nun allerdings bereits 1,921 Milliarden Dollar - die höchste jemals von einer Bank geleistete Strafzahlung.

An der Börse wurde der Vergleich mit den US-Behörden, über den die Nachrichtenagentur Reuters vergangene Woche bereits exklusiv berichtet hatte, dennoch gelassen aufgenommen. Die HSBC-Aktie verlor in London lediglich 0,3 Prozent. "Das Image ist beschädigt, aber nicht so schlimm, wie es hätte kommen können", sagte Analyst Ian Gordan von Investec Securities. Seiner Einschätzung nach kann die Bank die Strafe wegstecken, zumal weder das Geschäftsmodell noch einzelne Akteure an den Pranger gestellt wurden.

HSBC muss allerdings deutlich mehr Geld auf den Tisch legen als andere Banken, die zuletzt ähnliche Vergleiche geschlossen hatten. Die niederländische ING zahlte 619 Millionen Dollar, die Schweizer Credit Suisse 536 Millionen Dollar und die britischen Banken Lloyds und Barclays 350 beziehungsweise 298 Millionen Dollar. Die Banken verhindern mit den Vergleichen langwierige Gerichtsverfahren und peinliche Zeitungsartikel über Geschäfte mit dem Iran und anderen mit Sanktionen belegten Ländern, die meist Jahre zurückliegen.

TERRORISTEN, DROGENHÄNDLER UND REGIME

Besonders hohe Wellen schlug der Konflikt der US-Behörden mit der britischen Bank Standard Chartered. Das Geldhaus habe zehn Jahre lang trotz bestehender Iran-Sanktionen Transaktionen mit dem Land abgewickelt, klagte der Chef der New Yorker Finanzaufsicht DFS, Benjamin Lawsky im August. Das Institut habe wie eine "Schurken"-Bank agiert, millionenschwere Gebühren eingestrichen und den US-Finanzmarkt für Terroristen, Drogenhändler und korrupte Regime geöffnet. Die Aktien der Bank brachen daraufhin um rund 30 Prozent ein.

Standard Chartered hat die Anschuldigungen als überzogenen zurückgewiesen und verständigte sich mit der New Yorker Finanzaufsicht bereits im August auf einen 340 Millionen Dollar teuren Vergleich. Am Montag einigte sich das Institut nun auch mit anderen US-Behörden und zahlt in der Folge weitere 327 Millionen Dollar. Die Strafen könnten den Gewinn der Bank im laufenden Jahr damit fast vollständig aufzehren. "Hoffentlich wird damit ein Schlussstrich unter diese Angelegenheit gezogen", sagte Analyst Gary Greenwood von Shore Capital.

 
A girl holding a balloon walks past a bank branch of HSBC in St Helier, Jersey November 11, 2012. REUTERS/Stefan Wermuth (JERSEY - Tags: BUSINESS)