Nordkorea testet Staaten mit Langstreckenrakete

Mittwoch, 12. Dezember 2012, 11:47 Uhr
 

Seoul/Tokio (Reuters) - Trotz scharfer Kritik hat Nordkorea am Mittwoch mit dem Start einer Langstreckenrakete die Staatengemeinschaft herausgefordert.

Die USA, Südkorea und Japan vermuteten dahinter einen militärischen Test für eine Rakete, die mit Atomsprengköpfen bestückt auch die USA erreichen könnte. Nach Angaben des kommunistischen Landes brachte der Flugkörper dagegen einen Wettersatelliten ins Weltall. Die USA und die Vereinten Nationen verurteilten den Start scharf als "hochprovokativen Akt", der gegen UN-Resolutionen verstoße. Das US-Präsidialamt kündigte an, zusammen mit internationalen Partnern "geeignete Maßnahmen" zu suchen. Auch die Nato verurteilte die Aktion und befürchtete eine Destabilisierung der gesamten Region.

"Die internationale Gemeinschaft muss zusammenarbeiten und an Nordkorea eine klare Botschaft senden, dass diese Verstöße von Resolutionen des UN-Sicherheitsrats Konsequenzen haben", sagte ein Präsidialamtssprecher am Mittwoch. Der UN-Sicherheitsrat sollte Diplomaten zufolge noch im Laufe des Tages über den Raketenstart beraten. Bundesaußenminister Guido Westerwelle forderte von dem Gremium eine "deutliche Anwort auf diese Völkerrechtsverletzung" und verurteilte den erneuten Start ebenfalls auf das Schärfste. Die Resolutionen untersagen Nordkorea die Nutzung von Waffentechnologien in der Raumfahrt.

NORDAMERIKANISCHE LUFTABWEHR BESTÄTIGT "OBJEKT"

"Der Satellit hat die geplante Umlaufbahn erreicht", berichtete ein Nachrichtensprecher triumphierend im nordkoreanischen Fernsehen. Die nordamerikanische Luftabwehr (Norad) teilte mit, "ein Objekt" ausgemacht zu haben, das offenbar die Umlaufbahn erreicht habe. Die nordkoreanische Nachrichtenagentur KCNA meldete, die Rakete sei von einer Rampe an der Westküste Nordkoreas aus gestartet. Nach Angaben aus Südkorea hob der Flugkörper kurz vor 10.00 Uhr Ortszeit (02.00 Uhr MEZ) ab und flog über die japanische Insel Okinawa. Die Regierung in Tokio protestierte umgehend. Japan und Südkorea beriefen Dringlichkeitssitzungen ihrer Sicherheitskabinette ein.

Bereits im April versuchte die neue Führung in Nordkorea zu Ehren des 100. Geburtstags des verstorbenen Staatsgründers Kim Il Sung eine Rakete ins Weltall zu schießen. Der Flugkörper brach allerdings nach wenigen Minuten auseinander und stürzte ins Meer. In den Jahren 2006 und 2009 nahm der kommunistische Staat Atomtests vor, jeweils nach Raketenstarts. Experten gingen davon aus, dass sich dieses Muster fortsetzen könnte.

"Ein erfolgreicher Start bringt Nordkorea dem Ziel näher, mit Waffen bestückte Raketen einsetzen zu können", sagte Experte Denny Roy vom East-West-Center auf Hawaii. Damit überholt Nordkorea auch das verfeindete Südkorea, das bislang noch keine Rakete erfolgreich startete. Der verarmte Norden strebt die Wiederaufnahme von Hilfslieferungen aus den USA an und möchte diplomatisch anerkannt werden, steht aber weitgehend isoliert da.

Russland äußerte ebenfalls Kritik, äußerte sich allerdings zurückhaltender. Man bedauere den Raketenstart zutiefst, erklärte das Außenministerium in Moskau. Ähnlich äußerte sich Nordkoreas Verbündeter China. Die Volksrepublik rief die Regierung in Pjöngjang dazu auf, UN-Resolutionen zu befolgen.Die Anwort des Sicherheitsrats sollte aber vorsichtig und moderat sein, teilte das chinesische Außenministerium mit.

 
A North Korean KRT TV presenter announces the successful launch of a long-range rocket by North Korea in this December 12, 2012, still image taken from TV. REUTERS/KRT via REUTERS TV (NORTH KOREA - Tags: POLITICS) FOR EDITORIAL USE ONLY. NOT FOR SALE FOR MARKETING OR ADVERTISING CAMPAIGNS. THIS IMAGE HAS BEEN SUPPLIED BY A THIRD PARTY. IT IS DISTRIBUTED, EXACTLY AS RECEIVED BY REUTERS, AS A SERVICE TO CLIENTS