Nordkorea fordert Welt mit Raketenstart heraus

Mittwoch, 12. Dezember 2012, 14:39 Uhr
 

Seoul/Tokio (Reuters) - Nordkorea hat mit dem Start einer Rakete die Staatengemeinschaft herausgefordert.

Die USA, Südkorea und Japan vermuteten dahinter einen militärischen Test einer Waffe, die mit Atomsprengköpfen bestückt auch die USA erreichen könnte. Nach Angaben des kommunistischen Landes brachte der Flugkörper am Mittwoch dagegen einen Wettersatelliten ins Weltall. Die USA und die Vereinten Nationen verurteilten den Start scharf als "hochprovokativen Akt", der gegen UN-Resolutionen verstoße. Das US-Präsidialamt kündigte an, mit internationalen Partnern "geeignete Maßnahmen" zu suchen. Auch die Nato verurteilte die Aktion und warnte vor einer Destabilisierung der Region.

"Die internationale Gemeinschaft muss zusammenarbeiten und an Nordkorea eine klare Botschaft senden, dass diese Verstöße von Resolutionen des UN-Sicherheitsrats Konsequenzen haben", sagte ein Präsidialamtssprecher am Mittwoch. Der Sicherheitsrat sollte Diplomaten zufolge noch im Laufe des Tages über den Raketenstart beraten. Bundesaußenminister Guido Westerwelle forderte von dem Gremium eine "deutliche Antwort auf diese Völkerrechtsverletzung" und verurteilte den erneuten Start ebenfalls auf das Schärfste. Das Auswärtige Amt bestellte den nordkoreanischen Botschafter ein. Die UN-Resolutionen untersagen dem Land die Nutzung von Waffentechnologien in der Raumfahrt.

NORDAMERIKANISCHE LUFTABWEHR BESTÄTIGT "OBJEKT" IM ORBIT

"Der Satellit hat die geplante Umlaufbahn erreicht", berichtete ein Nachrichtensprecher triumphierend im nordkoreanischen Fernsehen. Die nordamerikanische Luftabwehr (Norad) teilte mit, "ein Objekt" ausgemacht zu haben, das offenbar die Umlaufbahn erreicht habe. Die nordkoreanische Nachrichtenagentur KCNA meldete, die Rakete sei von einer Rampe an der Westküste Nordkoreas aus gestartet. Wissenschaftler und Technikern sei zum 100. Geburtstag von Staatsgründer Kim Il Sung eine Meisterleistung gelungen. Kim Il Sung war der Großvater des seit einem Jahr amtierenden Staatschefs Kim Jong Un.

Nach Angaben aus Südkorea hob der Flugkörper kurz vor 10.00 Uhr Ortszeit (02.00 Uhr MEZ) ab und flog über die japanische Insel Okinawa. Die Regierung in Tokio protestierte umgehend. Japan und Südkorea beriefen Dringlichkeitssitzungen ihrer Sicherheitskabinette ein. In Japan wird am Sonntag das Parlament, in Südkorea am kommenden Mittwoch der Präsident neu gewählt. Der wahrscheinlich nächste japanische Ministerpräsident Shinzo Abe forderte den UN-Sicherheitsrat zu "scharfer Kritik" an Nordkorea auf. Sanktionen sind wegen eines erwarteten chinesischen Vetos unwahrscheinlich.

Bereits im April versuchte die neue Führung in Nordkorea zu Ehren Kim Il Sungs eine Rakete ins Weltall zu schießen. Der Flugkörper brach allerdings nach wenigen Minuten auseinander und stürzte ins Meer. In den Jahren 2006 und 2009 nahm der kommunistische Staat Atomtests vor, jeweils nach Raketenstarts. Experten gingen davon aus, dass sich dieses Muster fortsetzen könnte.

"Ein erfolgreicher Start bringt Nordkorea dem Ziel näher, mit Waffen bestückte Raketen einsetzen zu können", sagte Experte Denny Roy vom East-West-Center auf Hawaii. Damit überholt Nordkorea auch das verfeindete Südkorea, das bislang noch keine Rakete erfolgreich startete. Der verarmte Norden strebt die Wiederaufnahme von Hilfslieferungen aus den USA an und möchte diplomatisch anerkannt werden, steht aber weitgehend isoliert da.

Russland äußerte ebenfalls Kritik, äußerte sich allerdings zurückhaltender. Man bedauere den Raketenstart zutiefst, erklärte das Außenministerium in Moskau. Ähnlich äußerte sich Nordkoreas Verbündeter China. Die Volksrepublik rief die Regierung in Pjöngjang dazu auf, UN-Resolutionen zu befolgen. Die Antwort des Sicherheitsrats sollte aber vorsichtig und moderat sein, teilte das chinesische Außenministerium mit.

 
A South Korean man walks past a television report on North Korea's rocket launch, at Seoul railway station in Seoul December 12, 2012. REUTERS/Lee Jae-Won (SOUTH KOREA - Tags: MILITARY POLITICS SCIENCE TECHNOLOGY)