Bund schließt größten Immobilienverkauf des Jahres ab

Mittwoch, 12. Dezember 2012, 15:28 Uhr
 

Berlin/Frankfurt (Reuters) - Der Bund hat kurz vor Jahresende den Verkauf seiner milliardenschweren Immobiliengesellschaft TLG perfekt gemacht.

Der Gewerbeteil aus Büros, Einzelhandelsflächen und Pflegeheimen geht für 1,1 Milliarden Euro inklusive Schulden an den Finanzinvestor Lone Star, wie das Finanzministerium am Mittwoch mitteilte. Bereits im November hatte der Hamburger Immobilienkonzern TAG für knapp eine halbe Milliarde Euro den Zuschlag für die gut 11.000 Wohnungen der TLG bekommen. Damit kann Bundesfinanzminister Wolfgang Schäuble nun einen Schlussstrich unter die größte Privatisierung seit fünf Jahren ziehen. Ein erster Versuch war auf dem Höhepunkt der Finanzkrise 2008 gescheitert.

"Die gegenwärtige Marktsituation war aus Sicht des Bundes ein idealer Zeitpunkt für den Verkauf der TLG Gruppe", erklärte Schäuble. Mit einem Verkaufsvolumen von insgesamt knapp 1,6 Milliarden Euro ist die TLG die mit Abstand größte Immobilientransaktion in Deutschland in diesem Jahr. Dem Bund fließt davon netto etwa die Hälfte zu. Der Rest sind Schulden der TLG-Einheiten, die für die jeweiligen Erwerber Teil des Kaufpreises sind. Das Geld kommt nach Angaben aus Regierungskreisen aber erst 2013 im Bundeshaushalt an. Schäuble sprach von einem "guten Erlös im Sinne der Steuerzahler". Der Bund trage keinerlei Finanzierungsrisiken.

Die ostdeutsche TLG, eine Altlast der Treuhand, ist profitabel. 2011 hatte sie ein Rekordergebnis von 41 Millionen Euro eingefahren. Die Aufspaltung der Bestände in Wohnen und Gewerbe hatte sich von Anfang an abgezeichnet. Der Bund erhoffte sich dadurch, einen größeren Interessentenkreis anzulocken. Der Verkauf wurde von der Investmentbank Barclays betreut. Die Nachrichtenagentur Reuters hatte bereits Ende Oktober aus Finanz- und Branchenkreisen erfahren, dass TAG die besten Chancen für die Wohnungen hat und Lone Star der Favorit für die Gewerbeimmobilien ist. Der Finanzinvestor, der schon 2008 ein Auge auf die TLG geworfen hatte, ist sehr immobilienaffin und hierzulande schon lange kein Unbekannter mehr: Ihm gehören mit der Mittelstandsbank IKB und den beiden Immobilienfinanzierern DHB und Corealcredit gleich drei Finanzinstitute.

Die Übernahme der TLG-Gewerbeimmobilien stemmte Lone Star mit Hilfe der US-Bank Citi, die die Fremdfinanzierung stellte und sich solche Kooperationen im Immobiliensektor auch in Zukunft vorstellen kann. Der Verschuldungsgrad (LTV) der TLG Immobilien steigt nach dem Eignerwechsel zwar an, liegt laut Verhandlungskreisen aber weiter unter 60 Prozent und damit auf einem branchenüblichen Niveau. Normalerweise bürden angelsächsische Finanzinvestoren - hierzulande als "Heuschrecken" gebrandmarkt - den übernommenen Firmen sehr hohe Schulden auf.

EIN KESSEL BUNTES

Ein strategischer Investor war für die Gewerbeimmobilien der TLG nach Angaben aus Finanzkreisen nicht im Rennen. Das dürfte auch daran liegen, dass das Portfolio bunt gemischt ist. Es umfasst 780 Objekte. Restaurants, Veranstaltungsräume und Ladenflächen gehören ebenso dazu wie Büros und Pflegeheime. In der Branche wird weithin erwartet, dass Lone Star den Bestand schnell bereinigt und viele Immobilien abverkauft. Der Finanzinvestor selbst äußerte sich zu seinen Plänen am Mittwoch nicht. Das Finanzministerium erklärte: "Der Erwerber will das Unternehmen fortführen und dessen Portfolio strategisch weiter entwickeln." Die TLG solle zur Plattform für die Aktivitäten von Lone Star in Deutschland werden.

In Zeiten niedriger Zinsen, wo sichere Anlagen wie deutsche Staatsanleihen de facto keine Rendite mehr abwerfen, ist die Nachfrage von Investoren nach Immobilien-Investments sehr groß. Das gilt sowohl für private Anleger als auch für institutionelle Investoren. 2012 haben in Deutschland schon etliche große Immobilienpakete den Besitzer gewechselt. Weitere milliardenschwere Transaktionen stehen in den kommenden Monaten an.