Trübe Adventszeit für Deutsche Bank - Gewinnwarnung

Donnerstag, 13. Dezember 2012, 17:07 Uhr
 

Frankfurt (Reuters) - Gewinnwarnung bei der Deutschen Bank: Kurz vor Weihnachten jagt bei Deutschlands größtem Geldhaus eine schlechte Nachricht die andere.

Einen Tag nach der Großrazzia bei dem Frankfurter Institut warnte der Vorstand um die neuen Chefs Anshu Jain und Jürgen Fitschen vor großen Belastungen für die Bilanz zu Jahresende. Grund ist der laufende Umbau des Instituts. Die Kosten für das milliardenschwere Sparprogramm und die Integration der Postbank drücken schwer auf die Ergebnisse im letzten Quartal. Die Bank erwartet durch diese Sonderposten "signifikant negative" Auswirkungen auf den Gewinn, wie sie am Donnerstag überraschend mitteilte. Die Anleger reagierten entsprechend enttäuscht auf die Woche der Hiobsbotschaften: Mit einem Minus von fast drei Prozent gehörte die Aktie zu den größten Verlierern im Dax.

Die Bank verwies in ihrer Mitteilung auch auf die Konjunkturabkühlung: "Das 4. Quartal 2012 war bislang von einem anhaltend schwierigen makroökonomischen Umfeld geprägt, verbunden mit geringer Volatilität und der üblichen saisonalen Abkühlung." Dennoch habe das Geldhaus im Oktober und November "solide operative Ergebnisse" in allen Kerngeschäftsfeldern erreicht.

Neben den Einsparungen von 4,5 Milliarden Euro bis 2015 will die Bank auch Milliardenbestände an riskanten Wertpapieren in eine eigene Abbau-Einheit auslagern. Diese ist nunmehr installiert - insgesamt werden hier Altlasten im Wert von 122 Milliarden Euro entsorgt. Darunter fällt auch ein Kasino in Las Vegas, das der Bank über Kreditgeschäfte zugefallen ist, sowie die Frankfurter BHF-Bank, die sie hofft, bald loszuwerden. Die Deutsche Bank will die nach Risiken gewichteten Vermögenswerte in dieser Abbau-Einheit bis Anfang 2013 auf 90 Milliarden Euro und damit um rund 35 Milliarden Euro reduzieren.

Die Einsparungen werden auch mehr als 2000 Mitarbeiter ihren Job kosten, vor allem im Investmentbanking. Das Kapitalmarktgeschäft der Deutschen Bank und anderer Geldhäuser weltweit leidet unter den Folgen der Euro-Schuldenkrise und der verschärften Regulierung. Zehntausende Investmentbanker suchen derzeit neue Jobs. Bei der Deutschen Bank wird zudem das Vermögensverwaltungsgeschäft umgebaut, was ebenfalls zu einem Stellenabbau führt, unter anderem bei der Tochter Sal. Oppenheim. Kurzfristig gehen diese Einsparungen mit Kosten etwa für Abfindungen einher, die die Ergebnisse belasten.

Für Negativschlagzeilen sorgt die Deutsche Bank derzeit auch an der juristischen Front: Am Donnerstag wurden fünf Mitarbeiter des Instituts dem Haftrichter vorgeführt. Das Amtsgericht Frankfurt wollte darüber entscheiden, ob die Banker wegen des Verdachts der Geldwäsche und Vertuschung in Haft blieben, sagte der Leitende Oberstaatsanwalt Günter Wittig der Nachrichtenagentur Reuters. Die Festnahmen stehen in Zusammenhang mit der Affäre um Steuerbetrug mit CO2-Zertifikaten, in die die Bank offenbar tiefer verstrickt ist als zunächst angenommen.

Die millionenschwere Umsatzsteuer-Affäre war vor knapp drei Jahren aufgeflogen. Am Mittwoch kam der Fall erneut ins Rollen, weil rund 500 Polizisten und Steuerfahnder stundenlang die Frankfurter Zentrale der Deutschen Bank durchsuchten, nachdem sich weitere Verdachtsmomente ergeben hatten. Insgesamt wird nun gegen 25 Mitarbeiter der Bank unter anderem wegen schwerer Steuerhinterziehung ermittelt.

Darunter sind auch der heutige Co-Vorstandschef Fitschen und Finanzchef Stefan Krause, weil sie die Umsatzsteuererklärung für das Jahr 2009 unterschrieben hatten. Darin hatte das Institut 310 Millionen Euro Steuererstattungen geltend gemacht, die es nur wegen der Betrügereien beanspruchen konnte. Die Bank hatte die Erklärung später zwar korrigiert und auf die Ansprüche "vorläufig verzichtet" - nach Ansicht der Ermittler kam dieser Schritt aber zu spät. Der neue Aufsichtsratschef Paul Achleitner hat dem Geldhaus einen Kulturwandel verordnet. Windige Geschäfte sollen der Vergangenheit angehören. Doch der Weg ist lang, denn das Institut hat noch eine ganze Reihe von Finanzskandalen aufzuarbeiten - wie etwa die Affäre um Zinsmanipulationen.

- von Philipp Halstrick und Kathrin Jones

 
Police vehicles are parked outside the headquarters of Germany's largest business bank, Deutsche Bank AG in Frankfurt December 12, 2012. REUTERS/Kai Pfaffenbach (GERMANY - Tags: BUSINESS CRIME LAW TPX IMAGES OF THE DAY)