Russland schließt Niederlage Assads nicht mehr aus

Donnerstag, 13. Dezember 2012, 17:54 Uhr
 

Moskau/Beirut (Reuters) - Im syrischen Bürgerkrieg schließt Russland eine Niederlage seines Verbündeten Baschar al-Assad nicht mehr aus.

"Wir müssen den Tatsachen ins Auge blicken", sagte Vize-Außenminister Michail Bogdanow am Donnerstag. Die syrische Regierung verliere immer mehr Gebiete an die Aufständischen. Nato-Generalsekretär Anders Fogh Rasmussen ging noch einen Schritt weiter: "Ich denke, das Regime in Damaskus steht kurz vor dem Zusammenbruch." Der neue Oppositionsführer Muas al-Chatib zeigte sich in einem Reuters-Interview siegessicher: Eine Intervention ausländischer Kräfte sei nun nicht mehr erforderlich. Das Außenministerium in Damaskus dementierte westliche Berichte, wonach das Militär Kurzstreckenraketen gegen Rebellen einsetzt.

"Bedauerlicherweise kann ein Sieg der syrischen Opposition nicht ausgeschlossen werden", sagte Bogdanow, der auch Nahost-Beauftragter des russischen Präsidialamtes ist. Die Regierung in Moskau treffe Vorbereitungen, um seine Bürger notfalls aus dem Land in Sicherheit bringen zu können. Russland ist einer der letzten Verbündeten Assads. Im UN-Sicherheitsrat blockierte es gemeinsam mit China wiederholt mit seinem Veto ein härteres Eingreifen der internationalen Gemeinschaft. In dem seit März vergangenen Jahres anhaltenden Konflikt kamen bislang schätzungsweise mehr als 40.000 Menschen ums Leben.

Doch die Aufständischen stehen nun offenbar auch ohne das direkte Eingreifen ausländischer Kräfte vor ihrem Ziel. Das syrische Volk habe seine Probleme selbst angepackt, sagte Al-Chatib im Reuters-Interview. "Zu seinem Schutz braucht es keine internationalen Kräfte mehr." Al-Chatib führt den Dachverband der syrischen Opposition, die Nationale Koalition, die sich vor Kurzem gründete.

Die Opposition sei bereit, Vorschläge von Assad für eine Kapitulation und ein Verlassen des Landes zu prüfen. "Ich hoffe nur, dass er weiß, dass er keine Rolle mehr in Syrien oder im Leben des syrischen Volkes spielt", fügte Al-Chatib hinzu. Für das Erstarken radikal-islamischer Kräfte in seinem Land machte der Oppositionsführer die internationale Gemeinschaft mitverantwortlich: "Wenn ein ganzes Volk 20 Monate lang Mord und Totschlag erlebt, dann kommen eben Gruppen mit radikalen oder extremistischen Ansichten nach oben."

SOLDATEN ZIEL VON BOMBENANSCHLAG

In Syrien hielt die Gewalt an: Bei einem Bombenanschlag südwestlich der Hauptstadt Damaskus wurden mindestens 16 Menschen getötet. Die Explosion ereignete sich in der 25 Kilometer von Damaskus entfernt gelegenen Stadt Katana, in der viele Soldaten leben. In der Gegend versuchen Assads Truppen derzeit, Rebellenkämpfer zurückzudrängen. Nach Darstellung der oppositionsnahen Syrischen Beobachtungsstelle für Menschenrechte waren unter den Todesopfern auch sieben Kinder. Das staatliche Fernsehen machte Rebellen für die Tat verantwortlich und zeigte Bilder, auf denen Soldaten vor zum Teil eingestürzten Gebäuden zu sehen waren. Am Mittwochabend waren am Innenministerium in der syrischen Hauptstadt drei Bomben detoniert. Dabei wurden fünf Menschen getötet, darunter auch ein Parlamentsabgeordneter.

Der Beoabachtungsstelle für Menschenrechte zufolge beschossen am Donnerstag Kampfflugzeuge Vororte im Osten der Hauptstadt, die von Rebellen kontrolliert werden. Im Südwesten lägen Daraja und Moadamije unter Artilleriebeschuss. Dort versuchten derzeit Aufständische Fuß zu fassen. US- und Nato-Kreisen zufolge setzte Assad angesichts des militärischen Drucks in den vergangenen Tagen auch ballistische Kurzstreckenraketen ein, die dem russischen Scud-Typ ähnelten. Dies wäre eine erhebliche Eskalation in dem Bürgerkrieg. Die Menschrechtsorganisation Human Rights Watch warf am Mittwoch Assad vor, Brandbomben über Wohngebiete abzuwerfen.

 
Free Syrian Army fighters carry their weapons as they stand on a street in Aleppo's al-Amereya district December 11, 2012. Picture taken December 11, 2012. REUTERS/Aaref Hretani (SYRIA - Tags: CONFLICT POLITICS CIVIL UNREST)