EZB - Risken für Finanzwelt geringer - Aber Lage bleibt fragil

Freitag, 14. Dezember 2012, 13:05 Uhr
 

Frankfurt (Reuters) - Die Europäische Zentralbank hat die Politik davor gewarnt, angesichts der zuletzt etwas nachlassenden Probleme an den Finanzmärkten die Hände in den Schoß zu legen.

"Die Situation ist in vielerlei Hinsicht nach wie vor fragil", sagte EZB-Vizepräsident Vitor Constancio am Freitag bei der Vorstellung des Finanzstabilitätsberichts der Notenbank in Frankfurt. Seit dem Spätsommer seien die Risiken für die Finanzstabilität in der Euro-Zone allerdings "spürbar zurückgegangen", heißt es darüber hinaus in dem halbjährlichen Finanzstabilitätsbericht der EZB.

Im August hatte EZB-Präsident Mario Draghi angekündigt, alles tun zu wollen um den Euro zu retten. Im September hatte der EZB-Rat dann die Möglichkeit unbegrenzter Staatsanleihenkäufe zugunsten finanziell angeschlagener Euro-Staaten beschlossen und damit die Märkte vorerst beruhigt. Für die EZB ist klar, dass diese Beruhigung nicht von Dauer sein dürfte, wenn politisch nun nicht gehandelt wird: "Die Maßnahmen der EZB können die Ursachen der Zersplitterung der Finanzmärkte nicht beseitigen, aber sie haben die Symptome gemildert und so den Regierungen und der Finanzindustrie Luft zum Atmen verschafft, um die fundamentalen Probleme anzugehen."

Als größtes Risiko für die Finanzstabilität der Euro-Zone sehen die Notenbanker dementsprechend eine Rückkehr oder sogar Verschärfung der Krise, sollten die Euro-Staaten bei ihren Reformbemühungen aus dem Tritt geraten. Dies könne nicht nur dazu führen, dass die Finanzmärkte wieder in den Krisenmodus schalteten, sondern auch zu neuen Refinanzierungsproblemen bei den Banken - mit schwerwiegenden Folgen für das gesamte Finanzsystem, warnte die EZB. "Es gibt deshalb keinen Anlass für Nachlässigkeiten." Die Staats- und Regierungschefs der EU-Länder hatten in der Nacht zum Freitag konkrete Beschlüsse über eine Reform der Gemeinschaft auf nächsten Sommer vertagt.

Mitte der Woche hatten die EU-Finanzminister beschlossen, die EZB zum Oberaufseher über die größten Banken in der Euro-Zone zu machen - der erste Schritt in Richtung der geplanten Bankenunion. Constancio zeigte sich zufrieden, auch wenn die EZB ihren Plan, alle gut 6000 Banken zu kontrollieren gegen den Widerstand Deutschland nicht durchsetzen konnte: "Diese 150 Banken repräsentieren 85 Prozent aller Finanzwerte in der Euro-Zone - ich würde sagen, das ist mehr als genug." Es sei nun nötig, das neue Aufsichtssystem mit Leben zu füllen und um einen Abwicklungsmechanismus für scheiternde Institute zu ergänzen.

 
The Euro currency sign is seen in front of the European Central Bank (ECB) headquarters in Frankfurt December 6, 2012. REUTERS/Lisi Niesner (GERMANY - Tags: BUSINESS)