Suche nach Antworten am Tag nach dem Schul-Massaker in den USA

Samstag, 15. Dezember 2012, 15:08 Uhr
 

Newtown (Reuters) - Nach einem Massaker an einer Grundschule im US-Bundesstaat Connecticut hat am Samstag die Suche nach den Hintergründen der Tat begonnen.

Offizielle Angaben zu Tathergang und Täter lagen zunächst weiter nicht vor. In Polizeikreisen wurde ein 20-jähriger ehemaliger Schüler für die Ermordung von 27 Menschen verantwortlich gemacht, darunter 20 Kinder. Anschließend habe er sich selbst erschossen. Medienberichten zufolge ist auch die Mutter unter den Opfern. Präsident Barack Obama rief zur Solidarität auf und forderte Konsequenzen, ohne konkret schärfere Waffengesetze zu verlangen. "Unsere Herzen sind gebrochen", sagte er.

Die Polizei hatte nach dem Massaker in der Kleinstadt Newtown erklärt, sie werde im Laufe des Samstags weitere Informationen bekanntgeben. In Polizeikreisen wurde der Name des Täters als Adam Lanza angegeben. Die "New York Times" berichtete, dass Lanza zwei Faustfeuerwaffen benutzt habe. Am Tatort sei zudem ein Gewehr gefunden worden.

Zwei frühere Mitschüler beschrieben Lanza als jemand, der in der High School schüchtern und ungewöhnlich intelligent gewirkt, aber kaum Freunde gehabt habe. Es sei Mitglied in einer Technik-AG gewesen und habe eine Vorliebe für die japanische Kultur gehabt, sagte ein Mitschüler, der namentlich nicht genannt werden wollte. Lanza habe Pokemon-Karten gesammelt und das PlayStation-Spiel "Dynasty Warriors" gemocht. Offiziellen Dokumenten zufolge trennten sich seine Eltern 2008. Der Vater war für eine Stellungnahme zunächst nicht zu erreichen.

Die Mutter soll mehreren Medienberichten zufolge an einem zweiten Tatort tot aufgefunden worden sein. Der Bekannte Dan Holmes beschrieb sie als eine Waffensammlerin. "Sie hat erzählt, dass sie oft mit ihren Kindern zum Schießen gegangen sei", erklärte er. Ein 20-jähriger ehemaliger Mitschüler von Adam Lanza, Tim Arnone, sagte der Nachrichtenagentur Reuters, beide Eltern hätten den Jungen immer zu akademischen Höchstleistungen angetrieben. Besonders die Mutter habe ihn gedrängt. "Sie hat ihn enorm unter Druck gesetzt, klüger zu sein und in der Schule härter zu arbeiten."

"DAS BÖSE HAT UNSERE GEMEINDE HEIMGESUCHT"

Die Bewohner der 27.000-Seelen-Stadt zeigten sich nach der Tat tief schockiert. "Es war einfach der Horror", berichtete die Mutter einer Drittklässlerin, die zu der Grundschule geeilt war. Sie berichtete von blutüberströmten Kindern, die aus dem Schulgebäude gekommen seien. "Alle waren hysterisch und in Panik." In der Nacht drängten sich mehr als 1000 Menschen in eine nahe gelegene Kirche. "Es war einfach brutal", sagte der Geistliche nach dem Gottesdienst anschließend. "Mir fällt kein besseres Wort ein." Der Gouverneur des Bundesstaates Connecticut, Dannel Malloy erklärte: "Heute hat das Böse unsere Gemeinde heimgesucht."

Zahlreiche ausländische Staats- und Regierungschefs kondolierten. Die Tat habe kurz vor Weihnachten "unbeschreibliches Leid über viele Familien gebracht", erklärte Bundeskanzlerin Angela Merkel. Auch das iranische Außenministerium sprach von einem tragischen Vorfall.

Ein sichtlich betroffener Präsident Obama hatte noch am Freitag erklärt, es gebe keine Eltern in Amerika, die an diesem Tag nicht dieselbe überwältigende Trauer verspürten wie er selbst. Obama wischte sich bei der Ansprache Tränen aus den Augen. Das Land habe in der Vergangenheit zu viele solcher Schießereien erleben müssen, sagte er weiter. Er forderte ein "wirkungsvolles Handeln, um weitere derartige Tragödien zu verhindern". Konkrete Forderungen stellte er nicht.

Nach ähnlichen Massakern flammte in den USA die Diskussion über strengere Waffengesetze jeweils nur kurz auf. Die Bevölkerung ist tief gespalten zwischen den Befürwortern von strengeren Vorschriften und ihren Gegnern. Amerikanische Politiker neigen dazu, das Thema zu vermeiden, im Wahlkampf spielte es keine Rolle. Das Oberste Gericht der USA hat in den vergangenen Jahren in Grundsatzurteilen das verfassungsmäßige Recht auf den Besitz einer Schusswaffe gestärkt. Weder ein neues Urteil des Supreme Court noch eine Mehrheit für eine Verfassungsänderung sind abzusehen.

- von Chris Kaufman und Hilary Russ

 
A woman puts a flower near crosses planted by NGO Rio de Paz (Rio Peace), in memory of the victims of the Sandy Hook Elementary school shooting in the U.S., on Copacabana beach in Rio de Janeiro December 15, 2012. A heavily armed gunman opened fire on school children and staff at Sandy Hook Elementary school on Friday, killing at least 26 people, including 20 children, in the latest in a series of shooting rampages that have tormented the United States this year. REUTERS/Sergio Moraes (BRAZIL - Tags: EDUCATION CRIME LAW)