Institut IMK erhöht überraschend Konjunkturprognose

Montag, 17. Dezember 2012, 13:31 Uhr
 

Berlin (Reuters) - Das Gewerkschaftsnahe IMK-Institut hat seine Wachstumsprognose für die deutsche Konjunktur 2013 überraschend verdoppelt.

Die Düsseldorfer Forscher trauen der Wirtschaft nun ein Plus um 0,8 Prozent zu und begründen dies mit besseren Geschäftsaussichten für die Exporteure. "Es ist eine Gratwanderung. Die deutsche Wirtschaft hat gute Chancen mit einem blauen Auge davonzukommen, aber garantiert ist dabei gar nichts", sagte IMK-Direktor Gustav Horn am Montag. Trotz Anlass für Optimismus bestehe die "die sehr ernstzunehmende Gefahr", dass die Konjunktur nächstes Jahr abstürzen könne, betonte Horn zur Vorlage des IMK-Berichts unter dem Titel "Auf des Messers Schneide".

Die Erhöhung der Prognose kommt eher überraschend, denn die meisten Fachleute hatten ihre Schätzungen zuletzt gesenkt. Die Bundesbank etwa kappte ihre Prognose für 2013 deutlich von 1,6 auf 0,4 Prozent und erwartet für das bevorstehende Winterhalbjahr ein Schrumpfen der Wirtschaftskraft. Die Bundesregierung ist mit einem erwarteten Plus von einem Prozent beim Bruttoinlandsprodukt für 2013 deutlich optimistischer.

"FISCAL CLIFF" IN USA ALS RISIKO FÜR DEUTSCHE KONJUNKTUR

Knackpunkt für die Wirtschaft mit ihren Exporteuren ist laut IMK die globale Nachfrage und die Entwicklung in den USA. Falls die Politik in Washington den Absturz der USA von der Haushaltsklippe ("Fiscal Cliff") verhindert, könnte die weltgrößte Volkswirtschaft für Impulse sorgen, sagte Horn. Die Chancen für eine Einigung seien gestiegen. Wenn allerdings die drohende Kombination aus Steuererhöhungen und massiven Budgetkürzungen Anfang 2013 in Kraft tritt und sich die Krise im Euroraum wieder zuspitzt, hätte dies auch für Deutschland harte Folgen. Für diesen Fall befürchten die IMK-Experten im nächsten Jahr einen Einbruch des Außenhandels und ein Schrumpfen der Wirtschaft um 0,7 Prozent, nach 0,7 Prozent Wachstum 2012.

Als Beleg für die Vertrauenskrise der Unternehmen sieht das IMK die schwindende Bereitschaft zu investieren. Die Firmen dürften ihre Ausgaben in Maschinen und Anlagen in diesem Jahr um gut fünf Prozent senken und 2013 noch einmal um zwei Prozent. Grund sei das instabile Umfeld wegen der Schuldenkrise in der Euro-Zone, sagte Horn. Für den Währungsraum sieht er eher schwarz und sagt ein Schrumpfen der Wirtschaftskraft für dieses Jahr um 0,4 Prozent und für nächstes Jahr um 0,5 Prozent voraus. Der einseitige Sparkurs in den Krisenländern sei falsch und müsste abgeschwächt werden. "Das ist ein Teufelskreis, der nicht zu einer wirtschaftlichen Erholung führen kann", warnte Horn.