Finanzinvestor verkauft nach Schulmassaker Waffenfirma

Dienstag, 18. Dezember 2012, 14:17 Uhr
 

Newtown (Reuters) - Nach dem Schulmassaker in der US-Kleinstadt Newtown will der Finanzinvestor Cerberus das Unternehmen verkaufen, das die Tatwaffe herstellte.

Man werde das Verfahren für den Verkauf der Freedom Group umgehend beginnen und die Erlöse an die Investoren weiterleiten, erklärte Cerberus am Dienstag. Zur Freedom Group gehört auch der Hersteller Bushmaster, der das Sturmgewehr AR 15 anbietet. Diese Waffe sowie zwei Pistolen wurden am Freitag von dem 20-jährigen Attentäter benutzt. Der Mann erschoss 27 Menschen und brachte sich selbst um. Cerberus steht auch unter Druck des kalifornischen Lehrerpensionsfonds, der Hunderte Millionen Dollar bei dem Finanzinvestor angelegt hat.

Das Attentat, dem vor allem Kinder im Alter von sechs und sieben Jahren zum Opfer fielen, sorgte weltweit für Entsetzen. In den USA ist eine neue Diskussion über das Waffenrecht entbrannt.

Cerberus äußerte sich in der Erklärung entsetzt und bekundete seine Trauer. Die Freedom Group sei aber nicht für das Verbrechen verantwortlich. Keine Firma könne sinnlose Gewalt verhindern. Cerberus betonte zudem, nur Anlageentscheidungen für die Kunden zu treffen und nicht die Rolle von Politikern einzunehmen.

Der kalifornische Pensionsfonds CalSTRS - der zweitgrößte seiner Art in den USA - hatte am Montag angekündigt, wegen des Massakers in Connecticut seine Investitionen bei Cerberus zu überprüfen. Der mächtige Kunde hat (Stand Ende März) mehr als 750 Millionen Dollar bei dem Unternehmen angelegt.

Cerberus übernahm Bushmaster im Jahr 2006 und führte es mit anderen Unternehmen zur Freedom Group zusammen. Eine Schwesterfirma von Bushmaster ist etwa das Traditionsunternehmen Remington. Auch andere Finanzinvestoren sind im Waffengeschäft aktiv. So besitzt das Unternehmen Sciens Capital Management Anteile an Colt - Hersteller des gleichnamigen Revolvers.

KRITIK AN SCHWEIGSAMEN WAFFENFIRMEN

Nach dem Massenmord in Connecticut kam auch an Finanzinvestoren Kritik auf. So forderte der frühere New Yorker Gouverneur Eliot Spitzer am Montag in einem Gastbeitrag von den Pensionsfonds, Druck auf Cerberus auszuüben. In einem Beitrag für die "New York Times" kritisierte zudem der einflussreiche Wirtschaftskolumnist Andrew Ross Sorkin, dass die Freedom Group und andere Hersteller nach der Gewalttat schwiegen.

Die Amerikaner sind bei der Frage nach schärferen Waffengesetzen gespalten. Allerdings stieg nach dem Massaker der Anteil der Bürger, die für strengere Regeln sind, auf 50 Prozent von zuvor 42 Prozent. Für viele Politiker war das Thema bislang heikel, auch weil Waffenlobbyisten einen großen Einfluss haben. Zum letzten Mal wurde ein wichtiges Waffengesetz auf Bundesebene 1994 verabschiedet. Ein Verbot bestimmter halbautomatischer Waffen lief im Jahr 2004 aus. Strengere Waffengesetze gelten als unwahrscheinlich.   Fortsetzung...

 
A Filipino human rights activist lights candles and offers prayers for victims, who were killed in a shooting at Sandy Hook Elementary School in Newtown, Connecticut in the U.S., during a prayer vigil in front of the U.S. embassy in Manila December 18, 2012. REUTERS/Romeo Ranoco (PHILIPPINES - Tags: CRIME LAW RELIGION)