Reedereien Hapag-Lloyd und Hamburg Süd erwägen Fusion

Dienstag, 18. Dezember 2012, 17:41 Uhr
 

Hamburg/Frankfurt (Reuters) - Die Krise der Schifffahrt lässt die beiden größten deutschen Container-Reedereien Hapag-Lloyd und Hamburg Süd zusammenrücken.

Die beiden Unternehmen sprechen über eine Fusion, wie sie am Dienstag überraschend bekanntgaben. Die gesamte Branche leidet derzeit darunter, dass zu viele Containerschiffe auf den Weltmeeren die Preise verderben und zudem hohe Treibstoffkosten die Bilanzen belasten.

Aus dem Umfeld der Hapag-Lloyd-Eigner sickerte durch, die Kontakte mit Hamburg Süd befänden sich in einem frühen Stadium. "Wir marschieren da hoffnungsfroh rein", sagte eine mit den Verhandlungen vertraute Person der Nachrichtenagentur Reuters. Ein Abschluss sei nicht absehbar. Ein Unternehmensinsider fügte hinzu, die Prüfungen begännen gerade. Aus Finanzkreisen hieß es, derzeit würden Anwälte und Wirtschaftsprüfer mandatiert, die Bewertung der Unternehmen solle in Kürze beginnen. Weder Hapag-Lloyd noch Hamburg Süd wollten sich zu Details äußern.

Zurzeit liegt Hapag-Lloyd weltweit gemessen an der Transportkapazität auf Platz sechs in der Containerschifffahrt, Hamburg Süd auf Rang zwölf. Bei einem Zusammenschluss würden die beiden mit einer gemeinsamen Containerflotte von mehr als 250 Schiffen auf Rang vier hinter Weltmarktführer Maersk sowie MSC und CMA CGM vorrücken.

KÜHNE PLÄNE

Großaktionär Klaus-Michael Kühne hatte im Gespräch mit Reuters unlängst angekündigt, er wolle Hapag-Lloyd durch Allianzen zu einer weltweit führenden Containerlinie ausbauen. Nach der Neuordnung der Gesellschafterstruktur stehe die Strategie wieder im Vordergrund. Kühne zufolge würde Hapag-Lloyd mit seinem starken Asien-Geschäft gut zu Hamburg Süd passen, die eher nach Südamerika orientiert ist. Die zum Oetker-Konzern gehörende Containerlinie hat einen Zusammenschluss, über den in der Branche schon mehrfach spekuliert wurde, bislang stets abgelehnt.

Der in der Schweiz lebende Kühne, der sich aus der Leitung des Logistikkonzerns Kühne + Nagel zurückgezogen hat, hatte seinen Hapag-Lloyd-Anteil im Frühjahr auf 28 Prozent erhöht. Der Reisekonzern TUI hatte damals weitere 17 Prozent an Hapag-Lloyd an das Albert-Ballin-Konsortium um Kühne und die Stadt Hamburg verkauft, blieb selbst mit 22 Prozent aber drittgrößter Eigner. Die Hansestadt stieg mit knapp 37 Prozent zum größten Eigner auf. Sie will sich langfristig von einem Teil der Aktien trennen.

ROTE ZAHLEN IM CONTAINER

Hapag-Lloyd stemmt sich derzeit mit höheren Frachtraten gegen die enormen gestiegenen Treibstoffkosten. Der bereinigte Betriebsgewinn hatte sich im dritten Quartal auf 87 Millionen Euro mehr als verdoppelt. Unter dem Strich weitete sich der Verlust in den ersten neun Monate jedoch auf fast 100 Millionen Euro aus, 70 Prozent mehr als vor Jahresfrist.

Die zum Familienunternehmen Oetker gehörende Hamburg Süd macht traditionell keine Angaben zur Geschäftsentwicklung. Medien hatten zuletzt berichtet, auch Hamburg Süd verliere in diesem Jahr weiter Geld. Hohe Investitionen drohten, das Ergebnis erneut zu belasten. Praktisch alle bekannten Containerlinien schreiben rote Zahlen.

Hapag-Lloyd-Großaktionär TUI begrüßte die Gespräche. Falls sich die beiden Reedereien einigten, ergäbe sich für den Reisekonzern aus Hannover eine "zusätzliche Wertchance", sagte ein Sprecher. Offen blieb zunächst, welchen Einfluss die Gespräche auf die langfristigen Überlegungen für einen Börsengang von Hapag-Lloyd hätten. TUI hatte sich das Recht vorbehalten, seinen Anteil an Dritte zu verkaufen oder an der Börse zu platzieren.

 
A Hapag-Lloyd container is loaded from a containership at the terminal Altenwerder in the harbour in Hamburg, on October 25, 2011. Picture taken October 25. REUTERS/Fabian Bimmer (GERMANY - Tags: BUSINESS)