Etihad füllt die leeren Kassen von Air Berlin

Dienstag, 18. Dezember 2012, 17:17 Uhr
 

Frankfurt/Berlin (Reuters) - Ein Jahr nach dem Einstieg bei Air Berlin greift die arabische Fluggesellschaft Etihad dem angeschlagenen Partner abermals unter die Flügel.

Etihad übernimmt die Mehrheit am Air-Berlin-Vielfliegerprogramm "Topbonus", wie beide Unternehmen am Dienstag mitteilten. "Wir werden Einnahmen von 184 Millionen Euro haben, die natürlich in dieser schwierigen Zeit bei uns auch gut gebraucht werden", sagte Air-Berlin-Chef Hartmut Mehdorn in Berlin. Das Geld solle noch in diesem Jahr fließen. Die Airline aus der Golf-Emirat Abu Dhabi soll künftig 70 Prozent an Bonusprogramm mit drei Millionen Mitgliedern halten, Air Berlin 30 Prozent.

Etihad war im Dezember 2011 groß bei den Deutschlands zweitgrößter Fluglinie eingestiegen. Der Partner, der ähnlich wie die beiden anderen Golf-Airlines Emirates und Qatar Airways ständig neue Ziele und Flugzeuge ins Programm nimmt, sicherte sich damals knapp 30 Prozent der Aktien und stellte ein Darlehen über 255 Millionen Dollar zur Verfügung. Der Kredit ist größtenteils aufgezehrt. Die beiden Gesellschaften haben in den vergangenen zwölf Monaten ihre Flugpläne aufeinander abgestimmt und erledigen teilweise die Wartung der Flugzeuge zusammen, um die Kosten zu senken. Die Partnerschaft habe sich ausgezahlt, betonte Mehdorn. "Wir haben mehr erreicht, als wir uns erhofft haben." Gemeinsam hätten beide Unternehmen mehr als 100 Millionen Euro an zusätzlichen Erlösen erwirtschaftet.

AKTIE STARTET DURCH

Anleger spendierten dem Topbonus-Verkauf Applaus: Air-Berlin-Aktien schnellten um knapp gut sieben Prozent nach oben. Damit ist der Lufthansa-Konkurrent an der Börse insgesamt gut 189 Millionen Euro wert. Der Verkaufspreis sei "substanziell und am oberen Ende der Erwartungen", sagte Analyst Robert Czerwensky von der DZ Bank.

Überraschend kommt der Deal nicht: Air Berlin hatte auf der Suche nach neuen Erlösquellen vor vier Wochen angekündigt, das Vielfliegerprogramm zu Geld zu machen. Der Schritt ist nach Aussage von Experten ungewöhnlich, da bei so gut wie allen anderen Airlines die Programme - bei der Lufthansa etwa "Miles & More" - enorm wichtig für das Marketing und die Bindung der Kunden sind. Mehdorn konterte und betonte, dass Air Berlin durch die Ausgliederung nichts verliere, gleichzeitig aber besseren Service bieten könne.

AUF GEWINNKURS

Der Berliner Luftfahrtkonzern will mit dem Geldregen aus dem Verkauf seine Ertragssituation verbessern. Die von Joachim Hunold gegründete Airline hat sich nach einer übereilten Expansion einen harten Sanierungskurs verordnet. Großes Ziel von Mehdorn ist der Sprung in die schwarzen Zahlen. "Wir gehen heute davon aus, dass wir 2012 einen Gewinn darstellen können", sagte der Ex-Bahn-Chef, ohne zu verraten, ob es sich um das operative oder das Nettoergebnis handelt. Im nächsten Jahr solle das Ergebnis verbessert werden, dafür seien aber noch bestimmte Maßnahmen nötig. Welche dies seien und ob ein Personalabbau dafür erforderlich sei, werde das Unternehmen Anfang 2013 verkünden. Ein Nachrichtensender hatte im November berichtet, Air Berlin wolle 900 Stellen abbauen - das wäre jeder zehnte Job. Im Gesamtjahr hat Air Berlin zuletzt 2007 einen Nettogewinn eingeflogen.

Mit Air Berlin ist der Expansionshunger von Etihad aber noch nicht gestillt. Nach anderen Beteiligungen rund um die Welt prüfen die Araber nach Aussagen der indischen Regierung derzeit den Kauf eines Anteils an den dortigen Fluggesellschaften Jet Airways oder Kingfisher Airlines. Etihad-Chef James Hogan wollte sich nicht in die Karten schauen lassen. Man sei zwar interessiert an Fluglinien in Indien. "Aber wir sind noch in einer frühen Phase."