Deutsche Manager gehen optimistisch ins neue Jahr

Mittwoch, 19. Dezember 2012, 13:28 Uhr
 

Berlin (Reuters) - Die deutschen Firmenchefs gehen optimistisch ins neue Jahr.

Der Ifo-Geschäftsklimaindex stieg im Dezember um 1,0 auf 102,4 Punkte und damit auf den höchsten Wert seit Juli. Bereits den zweiten Monat in Folge hellte sich die Stimmung in den Chefetagen auf, wie das Münchner Ifo-Institut am Mittwoch zu seiner Umfrage unter 7000 Managern mitteilte. "Die Unternehmen sind in froher weihnachtlicher Erwartung", sagte Ifo-Präsident Hans-Werner Sinn. Von Reuters befragte Ökonomen hatten nur einen Anstieg auf 102,0 Punkte erwartet. Im November war das wichtigste deutsche Konjunkturbarometer erstmals wieder gestiegen, nachdem es zuvor sechs Monate in Folge gesunken war.

Verantwortlich für den Stimmungsumschwung sind vor allem die positiven Erwartungen für die kommenden sechs Monate, die sich so stark verbesserten wie seit zweieinhalb Jahren nicht mehr. Wegen der guten Geschäfte in Asien und in den USA blickt vor allem die Industrie optimistisch auf das erste Halbjahr 2013. "Die Geschäftserwartungen verzeichneten den stärksten Anstieg seit August 2009", sagte Sinn. "Auch die Erwartungen an das Exportgeschäft sind erneut gestiegen." Bei den Dienstleistern und in der Baubranche hellte sich die Stimmung ebenfalls auf. Im Groß- und Einzelhandel trübte sich das Geschäftsklima dagegen ein.

"GUTES WEIHNACHTSGESCHÄFT"

Der Handel kann mit dem Weihnachtsgeschäft aber zufrieden sein. "Das Weihnachtsgeschäft war ganz gut", sagte Ifo-Konjunkturexperte Klaus Wohlrabe. "Besonders gefragt waren Elektronikartikel wie Computer oder Foto-Apparate. Auch Sportartikel liefen gut."

Das Barometer für die Geschäftserwartungen kletterte um 2,7 auf 97,9 Punkte. Die Lage wurde dagegen so schlecht bewertet wie seit Juni 2010 nicht mehr: Dieser Index fiel 1,0 auf 107,1 Zähler. Experten gehen deshalb davon aus, dass die Wirtschaftsleistung im vierten Quartal erstmals seit einem Jahr wieder schrumpfen wird. Das Ifo-Institut erwartet ein Minus von 0,3 Prozent. "Im ersten Quartal wird es dann wieder leicht positiv sein", sagte Wohlrabe. "Es wird also keine technische Rezession geben."

DELLE IM WINTERHALBJAHR

Das sehen Ökonomen ähnlich. "Ich rechne für das Frühjahr mit einem deutlichen Aufschwung", sagte KfW-Chefvolkswirt Jörg Zeuner. "Für den Jahresbeginn zeichnet sich eine Stabilisierung ab, dem sich eine leichte Beschleunigung des Wachstums im Jahresverlauf anschließen dürfte", sagte Dirk Schumacher von Goldman Sachs. "Wir haben eine kleine Konjunkturdelle. Aber die ist nicht der Beginn einer signifikant schlechteren Konjunktur."

Wegen des schwachen Winterhalbjahrs steht die Bundesregierung vor einer erneuten Senkung ihrer Prognose für 2013. "Es wird aus heutiger Sicht einen Revisionsbedarf nach unten geben", sagte Bernhard Heitzer, Staatssekretär im Wirtschaftsministerium im Interview mit der Nachrichtenagentur Reuters. Sein Haus erstellt Mitte Januar die neue Prognose für die Regierung. Erst im Oktober hatte das Ministerium die Prognose von 1,6 auf 1,0 Prozent gesenkt. Die Bundesbank rechnet inzwischen nur noch mit plus 0,4 Prozent.

 
Work is carried out at Amazon's logistics centre in Graben near Augsburg December 17, 2012. REUTERS/Michael Dalder (GERMANY - Tags: BUSINESS)