Aussicht auf billiges Geld hievt Dax auf 5-Jahres-Hoch

Mittwoch, 19. Dezember 2012, 11:39 Uhr
 

Frankfurt (Reuters) - Die Zentralbanken könnten 2013 sowohl die USA als auch Japan und die Euro-Zone geradezu mit Geld fluten - darauf wetten Aktienanleger bereits jetzt.

Denn die Dividendentitel werden damit vergleichsweise hohe Renditen abwerfen. Dies trieb den Dax am Mittwoch um 0,3 Prozent auf 7677 Punkte und damit auf den höchsten Stand seit Januar 2008. Der EuroStoxx legte 0,5 Prozent zu, der spanische Leitindex sogar 1,4 Prozent. Der Euro stieg um fast einen halben US-Cent auf 1,3280 Dollar zu und notierte damit so hoch wie zuletzt Anfang Mai.

"Die Aussicht auf eine ultralockere Geldpolitik in Japan treibt die Kurse weltweit an, denn auch in den USA und der Euro-Zone bleibt Geld billig", erklärte ein Händler. "Da kommt an den renditeträchtigeren Aktien einfach niemand vorbei." Vor allem in Tokio sorgte dies für steigende Kurse. Der Leitindex Nikkei stieg erstmals seit mehr als acht Monaten über die 10.000-Punkte-Marke und schloss 2,4 Prozent höher. Anders beim Yen: Japans Währung setzte die Talfahrt fort, so dass der Euro mit 111,93 Yen den höchsten Kurs seit August 2011 erreichte. Schon am Donnerstag könnte sich die Bank of Japan dafür entscheiden, frisches Geld in die Wirtschaft pumpen.

HOFFNUNG AUF KOMPROMISSBEREITSCHAFT IN WASHINGTON

Neben der Nullzinspolitik der weltweit größten Notenbanken stützten Spekulationen auf eine rechtzeitige Einigung im US-Steuer- und Haushaltsstreit. "Entscheidend ist, dass die beiden Parteien in den USA jetzt ernsthaft verhandeln und auf einen Kompromiss hinarbeiten", erklärte ein anderer Börsianer. "Mit der Annäherung von Demokraten und Republikanern rückt eine Lösung im US-Haushaltsstreit näher. Damit wird auch das Risiko kleiner, dass sich die Konjunktur in den USA im ersten Halbjahr 2013 deutlich abschwächen könnte", erklärte Analyst Rainer Sartoris von HSBC Trinkaus. In die Verhandlungen war in den vergangenen Tagen Bewegung gekommen, nachdem beide Seiten von ihren Maximalforderungen abgerückt waren. Dies hatte an der Wall Street bei steigenden Umsätzen zu höheren Kursen geführt.

Der Anstieg des Ifo-Geschäftsklima-Index stützte die Kurse zusätzlich. Den zweiten Monate in Folge hellte sich demnach die Stimmung in den Chefetagen der deutschen Wirtschaft auf. Das passe perfekt ins Bild und stütze die nun optimistischere Konjunkturerwartung an den Märkten, führte Sartoris aus. Aktienhändler in Frankfurt waren aber weiter mit den Umsätzen nicht sehr zufrieden, auch wenn diese am Vormittag etwas anzogen. Vor allem vom Großen Verfallstermin am Freitag erhofften sich viele mehr Geschäfte. Zum letzten Mal werden im laufenden Jahr Aktien- und Index-Optionen sowie Futures fällig.

ÜBERNAHMESPEKULATIONEN TREIBEN STADA - TUI NACH ZAHLEN HÖHER

Im Dax standen die Aktien von Unternehmen, die stark von Konjunkturschwankungen betroffen sind, hoch im Kurs: So stiegen HeidelbergCement und ThyssenKrupp um 3,5 beziehungsweise um 2,3 Prozent. Dabei stützten positive Analystenkommentare beide Aktien zusätzlich.

Im MDax ragten die Titel von Stada mit einem Aufschlag von gut drei Prozent heraus. Händler machten Übernahmespekulationen für die Käufe verantwortlich. Der "Platow"-Börsenbrief hatte unter Berufung auf Bankenkreise berichtet, der ehemalige Ratiopharm-Chef Claudio Albrecht lote im Aktionärskreis von Stada die Verkaufsbereitschaft der institutionellen Investoren aus. Nach der Vorlage von Zahlen und Aussagen zur Zukunft von Hapag-Lloyd stiegen TUI um 4,6 Prozent.

Schlusslicht im Dax waren die Merck-Aktien, die nach einem Rückschlag in der Krebsmittel-Forschung gut drei Prozent einbüßten. Dagegen ließ die milliardenschwere Strafe für die Schweizer Großbank UBS die Anleger kalt. Die Aktien der UBS stiegen in Zürich um 1,7 Prozent. Dabei muss die Bank im Zusammenhang mit ihrer Verstrickung in den Libor-Skandal den amerikanischen, britischen und Schweizer Behörden so viel Geld überweisen, dass sie im vierten Quartal rote Zahlen schreiben wird.

Mit Käufen reagierten die Anleger in Athen auf die Entscheidung der US-Ratingagentur Standard & Poor's, die Kreditwürdigkeit Griechenlands nach den Hilfszusagen der Euro-Partner und des IWF höher als bislang einzustufen. Der griechische Banken-Index zog um 6,1 Prozent an.

 
A share trader uses a mobile phone next to Christmas decorations in front of the German share price index DAX board at the German stock exchange in Frankfurt December 10, 2012. REUTERS/Lisi Niesner (GERMANY - Tags: BUSINESS)