US-Debatte über Waffenkontrolle - Anleger machen Druck

Mittwoch, 19. Dezember 2012, 13:04 Uhr
 

Washington (Reuters) - Nach dem Massaker an einer Grundschule im US-Bundesstaat Connecticut soll Vizepräsident Joe Biden die Schritte der Regierung zur Verhinderung ähnlicher Vorfälle koordinieren.

Das werde Präsident Barack Obama am Mittwoch ankündigen, teilte das Präsidialamt mit. Obama hatte erklärt, er werde eine Initiative der Senatorin Dianne Feinstein für ein Verbot von Sturmgewehren unterstützen. Generell sei Obama darüber erfreut, dass zahlreiche Demokraten und Republikaner ihre Meinung zu dem Thema geändert hätten und strengere Waffengesetze befürworteten, sagte sein Sprecher.

Die Tragödie von Newton hat eine landesweite Debatte über den Umgang der Amerikaner mit Schusswaffen ausgelöst. In der Politik werden wieder Rufe nach schärferen Gesetzen laut. Daneben wächst jetzt aber auch der Druck von Anlegern und Fonds, ihr Geld nicht in Waffenfirmen anzulegen. Die Beteiligungsgesellschaft Cerberus Capital Management kündigte bereits an, den Waffenhersteller Freedom Group zu verkaufen. Freedom Group stellt die Bushmaster-Gewehre her, mit denen der Amokläufer von Newtown 20 Kinder und sechs Erwachsene an einer Grundschule tötete. Cerberus reagierte auf den Druck einiger seiner großen Anleger, vor allem des Lehrer-Pensionsfonds von Kalifornien. Die Tragödie von Newtown sei ein einschneidendes Ereignis gewesen, das der Diskussion über die Waffenkontrolle eine nie dagewesene Bedeutung gegeben habe, erklärte die Gesellschaft, die mehr als 20 Milliarden Dollar verwaltet.

Der Waffenbesitz ist in den USA ein laut Verfassung garantiertes Recht der Bürger. Befürworter und Gegner weitreichenderer Beschränkungen finden sich in beiden großen Parteien. Besonders einflussreich ist die Lobbyorganisation der Waffenbesitzer und -hersteller, die National Rifle Association (NRA). Sie hat nach ähnlichen Taten in der Vergangenheit schärfere Gesetze verhindert. Unter dem Eindruck des Massakers von Newtown erklärte die NRA, man sei über die "schrecklichen und sinnlosen Morde" schockiert und betrübt. Die NRA wolle einen Beitrag dazu leisten, damit so eine Tat nie wieder passieren könne. Weitere Einzelheiten wolle die Organisation auf einer Pressekonferenz am Freitag mitteilen.

DRUCK GROSSER FONDS WÄCHST

Besonders wirksam könnte jetzt der Druck der Anleger werden, insbesondere der großen Fonds. So überprüft der Pensionsfonds des Staates New York (New York State Common Retirement Fund), der ein Volumen von 150,1 Milliarden Dollar hat, seine Anlagen bei Waffenherstellern, wie ein Sprecher sagte. Dasselbe gilt für den Pensionsfonds von New York City. Er erwägt den Verkauf von Anteilen an Waffenfabrikanten im Wert von 18 Millionen Dollar. Die Aktien des Herstellers Smith & Wesson fielen zeitweise um fast zehn Prozent. Nach Angaben von Vermögensverwaltern verlangen aber auch viele Privatanleger, dass ihr Geld nicht bei Waffenproduzenten angelegt werden. "Viele unserer Kunden haben Kinder oder Enkelkinder", sagte King Lip vom Vermögensverwalter Baker Avenue Asset Management in San Francisco. Andere sprachen hingegen von einem kurzfristigen Reflex und bezweifeln langfristige Änderungen.

Angesichts der weit verbreiteten Waffen in den USA fordern einige Politiker strengere Auflagen für deren sichere Lagerung und für die Überprüfung der Waffenbesitzer. Der Gouverneur von Colorado, John Hickenlooper, plädiert zudem für eine bessere Betreuung und Überwachung von Personen, die psychisch instabil oder krank sind. Dabei könnten Krisentelefone und Beratungszentren helfen. Es müsse zudem verhindert werden, dass Menschen, die wegen einer psychischen Störung eine Gefahr für sich und andere darstellten, Waffen erwerben könnten.

 
A woman touches a printout of messages from teenagers around the United States at a memorial for the victims of the Sandy Hook Elementary School shooting in Newtown, Connecticut December 18, 2012. REUTERS/Joshua Lott (UNITED STATES - Tags: CRIME LAW EDUCATION TPX IMAGES OF THE DAY)