TUI-Chef schenkt Aktionären zum Abschied keine Dividende

Mittwoch, 19. Dezember 2012, 13:45 Uhr
 

Hannover (Reuters) - Europas größter Reisekonzern TUI gönnt seinen Aktionären trotz eines Gewinnsprungs weiter keine Dividende.

Angesichts der deutlich besseren Kennziffern im abgelaufenen Geschäftsjahr wäre eine Gewinnbeteiligung für die Anteilseigner grundsätzlich möglich gewesen, sagte der scheidende TUI-Chef Michael Frenzel am Mittwoch. Doch wolle der Konzern das Geld wegen der unsicheren Wirtschaftsentwicklung lieber zusammenhalten. "Wir legen das Augenmerk auf die Stärkung der Substanz des Unternehmens." Die Ausschüttungen könnten wieder fließen, wenn dies wieder wirtschaftlich vertretbar sei. Ein wichtige Voraussetzung wäre etwa, dass die Verluste aus der Beteiligung an der Reederei Hapag-Lloyd nicht mehr die Bilanz belasteten, betonte er. TUI hatte zuletzt für 2007 eine Dividende gezahlt - damals 25 Cent je Anteilsschein.

Es war die letzte Bilanzpressekonferenz von Frenzel. Der 65-Jährige tritt im Februar ab. Er ist einer der dienstältesten Vorstandschefs eines börsennotierten Großunternehmens in Deutschland: Er hatte seinen Posten 1994 angetreten und den von Bergbau und Stahl dominierten Mischkonzern Preussag zum Touristik-Riesen TUI umgebaut. Sein Nachfolger ist der bisherige Deutschland-Chef von Vodafone, Friedrich Joussen, der sich seit einigen Monaten einarbeitet. Dazu zählte auch ein Herbsturlaub mit TUI auf Mallorca. "Das war der Knüller", resümierte der Elektrotechnik-Ingenieur.

REISEGESCHÄFT BRUMMT

Frenzel überlässt seinem Nachfolger nach Jahren des Konzernumbaus zwar noch kein geordnetes Haus, aber zumindest läuft das Kerngeschäft mit den schönsten Wochen des Jahres gut. Der TUI-Überschuss stieg im Ende September ausgelaufenen Geschäftsjahr 2011/2012 um 20 Prozent auf 141,9 Millionen Euro. TUI habe höhere Urlaubspreise durchsetzten können und auch das Hotelgeschäft sei gut gelaufen. Der Umsatz stieg um fünf Prozent auf 18,3 Milliarden Euro. Das Reisegeschäft hat TUI bei seiner Tochter TUI Travel gebündelt, die allein 17,7 Milliarden Euro erlöste. Analysten spekulieren immer wieder, dass TUI die an der Londoner Börse notierten Sparte früher oder später wieder komplett unter seine Kontrolle bringen könnte.

Auszahlt hat sich für TUI im vergangenen Jahr die Reduzierung des Anteils an Hapag-Lloyd auf 22 Prozent, die dem Unternehmen 700 Millionen Euro einbrachte. Die Einnahmen steckten die Niedersachsen in den Abbau des Schuldenbergs. Ende September stand TUI noch mit 178 Millionen Euro in der Kreide nach 817 Millionen Euro Ende 2010/2011.

An den Ausstiegsplänen bei Hapag-Lloyd hält TUI hält auch nach Bekanntwerden der Fusionsgespräche fest. Ein Zusammenschluss zwischen den Reedereien Hapag-Lloyd und Hamburg Süd könnte das "Wertpotenzial" der TUI-Beteiligung erhöhen und sei insofern zu begrüßen, sagte Frenzel. "An unserer Absicht, aus der Container-Schifffahrt auszusteigen, ändern auch diese Gespräche nichts." TUI stehe dabei aber nicht unter Zeitdruck. Der Vorstand werde die Entscheidung von der Schifffahrts-Konjunktur und dem Börsenumfeld abhängig machen, betonte er. TUI hat das Recht, seinen Hapag-Anteil an Dritte zu verkaufen oder an der Börse zu platzieren. Hapag-Lloyd und Hamburg Süd hatten am Dienstag bekanntgaben, über einen Zusammenschluss zu reden. In diesem Jahr soll der Umsatz leicht steigen und das operatives Ergebnis das Niveau des Vorjahres erreichen - allerdings nur unter der Voraussetzung, dass die Reiselust auf wichtigen Märkten ungebrochen bleibe.

 
The logo of German tourism group TUI AG, owner of Europe's largest travel company TUI Travel, is pictured on a computer screen in this illustration picture taken in Lavigny May 20, 2012. REUTERS/Valentin Flauraud (SWITZERLAND - Tags: TRAVEL BUSINESS)