Oracle trumpft dank Software-Boom mit Gewinnsprung auf

Mittwoch, 19. Dezember 2012, 13:59 Uhr
 

Boston (Reuters) - Software bleibt bei den Unternehmen auch in der Krise gefragt.

Der SAP-Rivale Oracle verkaufte im vergangenen Geschäftsquartal an seine Firmenkunden weltweit Software für 2,4 Milliarden Dollar und damit 17 Prozent mehr als vor Jahresfrist. Mit einem Gewinnsprung von 18 Prozent auf 2,6 Milliarden Dollar in den Monaten von September bis November schürte der US-Konzern zudem vor dem Jahreswechsel bei den Investoren Hoffnungen auf weiterhin gute Geschäfte mit Computerprogrammen für die betriebliche Nutzung im nächsten Jahr: "Die Leute wollen Geschäfte abschließen", sagte Oracle-Finanzchefin Safra Catz, die jedoch zugleich erneute Einbußen in der zugekauften Sparte mit Servern einräumen musste.

Für das laufende dritte Geschäftsquartal stellte Oracle am Dienstagabend bei den Erlösen aus dem Software-Verkauf einen Zuwachs um drei bis 13 Prozent in Aussicht. Ermutigt von dieser Zuversicht griffen die Investoren am Mittwoch auch bei den Aktien des Konkurrenten SAP zu, der im Oktober ebenfalls über gute Geschäftsaussichten berichtet und für 2012 - pünktlich zum 40. Firmenjubiläum - ein Rekordjahr in Aussicht gestellt hatte.

In Europa habe Oracle SAP zuletzt Marktanteile abgejagt, teilte der mit Datenbank-Software großgewordene Konzern mit. SAP wollte sich dazu nicht äußern, behauptete aber seinerseits, im zurückliegenden Sommerquartal schneller als Oracle gewachsen zu sein. Die beiden größten Hersteller von Unternehmens-Software liefern sich seit Jahren einen erbitterten Wettkampf um die Firmenkunden, die zunehmend über das Internet nutzbare Cloud-Software nachfragen, um die Kosten für Informationstechnik zu senken. Vor US-Gerichten will Oracle zudem von SAP einen milliardenschweren Schadenersatz für den Dienstahl von Software-Daten erstreiten, der Jahre zurückliegt.

"EIN VORZEITIGES WEIHNACHTSGESCHENK"

Im abgelaufenen Quartal übertraf der Konzern aus dem kalifornischen Redwood Shores die Erwartungen der Analysten, nachbörslich kletterten die Aktien um 2,6 Prozent. Die Geschäftszahlen seien ein positives Zeichen für den gesamten Technologiesektor, sagte FRB-Capital-Markets-Analyst Daniel Ives: "Ich würde es ein vorzeitiges Weihnachtsgeschenk nennen." Einige Investoren hatten befürchtet, dass sich die Unternehmen in den USA und anderen Regionen der Welt wegen der unsicheren Wirtschaftslage mit dem Kauf neuer Software-Lizenzen zurückhielten. Diese Bedenken wischte Oracle-Managerin Catz beiseite: "Ich kann Ihnen sagen, dass unsere Kunden bei uns im Dezember Geld ausgegeben haben." Die Geschäftswelt sei "keinesfalls zum Stillstand gekommen".

Im Rückwärtsgang fährt Oracle hingegen mit dem Anfang 2010 für 5,6 Milliarden Dollar übernommenen Server-Geschäft von Sun Microsystems. Der Umsatz der Sparte, von der sich Oracle dank Bündelangeboten aus Hard- und Software einen Schub für den gesamten Konzern versprochen hatte, schrumpfte im Quartal um 23 Prozent auf 734 Millionen Dollar und damit stärker als vom Unternehmen selbst befürchtet: Oracle hatte Einbußen von acht bis 18 Prozent für möglich gehalten. Schnelle Besserung ist nicht in Sicht, da die Amerikaner im laufenden Geschäftsviertel bei Hardware erneut ein Umsatzminus um bis zu zehn Prozent einkalkulieren. Während Oracle mit seiner Hardware-Sparte kämpft, versucht SAP, dem Rivalen in seinem angestammten Datenbank-Geschäft mit einer neuen Software zur Analyse von großen Datenmengen Kunden abspenstig zu machen.