Deutsche Manager gehen optimistisch ins neue Jahr

Mittwoch, 19. Dezember 2012, 14:07 Uhr
 

Berlin (Reuters) - Die deutschen Firmenchefs gehen optimistisch ins neue Jahr.

Nach einer Delle im Winter rechnen sie wieder mit besseren Geschäften - vor allem wegen der guten Nachfrage in Asien und den USA. Der Ifo-Geschäftsklimaindex stieg deshalb im Dezember überraschend stark um 1,0 auf 102,4 Punkte. Die Stimmung hellte sich damit den zweiten Monat in Folge auf, nachdem sie zuvor wegen der Schuldenkrise sechs Monate in Folge gesunken war. "Die Unternehmen sind in froher weihnachtlicher Erwartung", sagte Ifo-Präsident Hans-Werner Sinn am Mittwoch zu der Umfrage unter 7000 Managern. das Bruttoinlandsprodukt dürfte im vierten Quartal aber erstmals seit einem Jahr sinken, weil die Firmen ihre Lage so schlecht bewerteten wie seit Mitte 2010 nicht mehr.

Verantwortlich für den Aufwärtstrend beim wichtigsten deutschen Konjunkturbarometer sind die positiven Erwartungen in den Chefetagen, die sich so stark verbesserten wie seit rund zweieinhalb Jahren nicht mehr. Besonders die Industrie blickt optimistisch nach vorn. "Die Geschäftserwartungen verzeichneten den stärksten Anstieg seit August 2009", sagte Sinn. Auch die Exportaussichten seien gestiegen, vor allem wegen der guten Nachfrage in Übersee. So erhöhte die Weltbank ihre Wachstumsprognose 2013 für China von 8,1 auf 8,4 Prozent. Bei den Dienstleistern und in der Baubranche hellte sich die Stimmung ebenfalls auf.

"GUTES WEIHNACHTSGESCHÄFT"

Im Groß- und Einzelhandel trübte sich das Geschäftsklima dagegen ein. Der Handel kann mit dem Weihnachtsgeschäft aber zufrieden sein. "Das Weihnachtsgeschäft war ganz gut", sagte Ifo-Konjunkturexperte Klaus Wohlrabe zu Reuters. "Besonders gefragt waren Elektronikartikel wie Computer oder Foto-Apparate. Auch Sportartikel liefen gut." Der Einzelhandelsverband HDE rechnet mit einem Rekordumsatz von mehr als 80 Milliarden Euro im November und Dezember.

Während das Barometer für die Geschäftserwartungen um 2,7 auf 97,9 Punkte kletterte, beurteilten die Manager die aktuelle Lage so schlecht wie seit Juni 2010 nicht mehr: Dieser Index fiel 1,0 auf 107,1 Zähler. Experten gehen daher davon aus, dass die Wirtschaftsleistung im vierten Quartal erstmals seit einem Jahr wieder schrumpfen wird. Das Ifo-Institut erwartet ein Minus von 0,3 Prozent. "Im ersten Quartal wird es dann wieder leicht positiv sein", sagte Wohlrabe. "Es wird also keine Rezession geben."

DELLE IM WINTERHALBJAHR

Das sehen Ökonomen ähnlich. "Ich rechne für das Frühjahr mit einem deutlichen Aufschwung", sagte KfW-Chefvolkswirt Jörg Zeuner. "Für den Jahresbeginn zeichnet sich eine Stabilisierung ab, dem sich eine leichte Beschleunigung des Wachstums im Jahresverlauf anschließen dürfte", sagte Dirk Schumacher von Goldman Sachs. "Wir haben eine kleine Konjunkturdelle. Aber die ist nicht der Beginn einer signifikant schlechteren Konjunktur."

Auch die Familienunternehmer gehen davon aus, dass die Schwächephase bald enden wird. Fast jeder Dritte will im kommenden Jahr neue Arbeitsplätze schaffen, nur jeder Neunte will Jobs streichen, fand der Verband der Familienunternehmer bei einer Umfrage unter seinen 636 Mitgliedsfirmen heraus.

REGIERUNG VOR PROGNOSESENKUNG

Ein großes Wachstum ist für 2013 indes nicht zu erwarten - zu stark belasten die Euro-Krise und die Rezession wichtiger Handelspartner wie Italien und Spanien die Geschäfte des Exporteuropameisters Deutschland. Wegen des schwachen Winterhalbjahrs steht die Bundesregierung gar vor einer erneuten Senkung ihrer Prognose für 2013. "Es wird aus heutiger Sicht einen Revisionsbedarf nach unten geben", sagte Bernhard Heitzer, Staatssekretär im Wirtschaftsministerium, kürzlich der Nachrichtenagentur Reuters. Sein Haus erstellt Mitte Januar die neue Prognose für die Regierung. Erst im Oktober hatte das Ministerium die Prognose von 1,6 auf 1,0 Prozent gesenkt. Die Bundesbank rechnet inzwischen nur noch mit plus 0,4 Prozent.

 
Work is carried out at Amazon's logistics centre in Graben near Augsburg December 17, 2012. Picture taken with a fisheye lens. REUTERS/Michael Dalder (GERMANY - Tags: BUSINESS)