Libor-Manipulationen brocken UBS Milliarden-Strafe ein

Mittwoch, 19. Dezember 2012, 20:18 Uhr
 

Zürich (Reuters) - Die Verstrickung in den Libor-Skandal kommt die UBS teuer zu stehen.

Die größte Schweizer Bank muss mit insgesamt rund 1,4 Milliarden Franken (1,16 Milliarden Euro) die zweithöchste Geldstrafe berappen, zu der eine Bank jemals verdonnert wurde. Dutzende von Händlern und Mitarbeitern der Bank waren nach Erkenntnissen der Aufsichtsbehörden in die Manipulationen des Referenzzinses verwickelt. UBS habe in "schwerer Weise gegen Schweizerische Finanzmarktgesetze verstoßen", urteilte am Mittwoch die Schweizer Bankenaufsicht FINMA, die zusammen mit den britischen und amerikanischen Aufsichtsbehörden die Libor-Aktivitäten der Bank von 2006 bis 2010 untersuchte.

"Ein Kapitel, das sicher nicht positiv ist," sagte Konzernchef Sergio Ermotti. "Wir bedauern dieses unangemessene und unethische Verhalten zutiefst". Es ist der zweite große Skandal für die Bank, nachdem der frühere UBS-Händler Kweku Adoboli vor mehr als einem Jahr gut 2,3 Milliarden Dollar in den Sand setzte. Unter der Führung von Ermotti und Verwaltungsratspräsident Axel Weber, die beide nach dem Adoboli-Skandal ins Amt kamen, will UBS ihr Investmentbanking eindampfen und sich stärker auf die Vermögensverwaltung konzentrieren. Das dürfte der Bank helfen, Risiken wie im Libor-Fall in Zukunft zu verringern, erklärte die Rating-Agentur Fitch.

Die Behörden fassten UBS erheblich härter an als die britische Großbank Barclays, die wegen des Libor-Skandals rund 450 Millionen Dollar Buße auf den Tisch legen musste. Mehr als die Schweizer zahlte kürzlich lediglich die britische Großbank HSBC, die wegen Geldwäsche zu 1,9 Milliarden Dollar verdonnert wurde. Die Deutsche Bank, die sich in der Libor-Sache mit einer Sonderprüfung der Finanzaufsicht Bafin konfrontiert sieht, führt Kreisen zufolge noch keine Vergleichsverhandlungen. Die Bank fand bislang keine Hinweise darauf, dass der Vorstand von Händler-Tricksereien wusste. Auch bei der UBS fand die Schweizer Aufsicht keine Hinweise, dass das damalige Top-Management Kenntnisse davon hatte, was an der Libor-Front lief.

Den Löwenanteil der UBS auferlegten Geldstrafe streichen mit 1,2 Milliarden Franken die Amerikaner ein. Die britische Financial Services Authority (FSA) verhängte eine Geldstrafe von 160 Millionen Pfund Sterling. Die Schweizer Aufsicht zieht 59 Millionen Franken an unrechtmäßigen Gewinnen ein. Die japanische Tochter UBS Securities Japan wird in einem einzelnen Anklagepunkt im Zusammenhang "mit der Manipulation gewisser Referenzzinssätze inklusive Yen-Libor" auf schuldig plädieren.

SCHADENERSATZKLAGEN DROHEN

Trotz der Einigung mit den Aufsichtsbehörden muss UBS immer noch mit Schadenersatzklagen von Anlegern rechnen. Auf den Libor-Sätzen basiert die Verzinsung von Finanzinstrumenten im Volumen von mehreren hundert Billionen Dollar. "Der große unbekannte Faktor sind Zivilklagen, die jetzt kommen könnten", sagte der Analyst Paras Anand von Fidelity Worldwide Investment in einem Gespräch mit Reuters. Fidelity ist mit 1,2 Prozent einer der großen UBS-Aktionäre. Mögliche Kosten seien nicht quantifizierbar. Nach Einschätzung der UBS ist noch offen, wie die eigentliche Zinsfestlegung tatsächlich durch das Vorgehen verschiedener Finanzinstitute beeinflusst wurde. Erst wenn das klar sei, wisse man, ob und wie Kunden davon betroffen seien, schrieb Konzernchef Ermotti in einem Brief an die Mitarbeiter.

FSA - MANIPULATIONEN SCHIENEN NORMAL

Die UBS-Zinshändler gingen offenkundig ohne Unrechtsbewusstsein zu Werke. In mehr als 1100 E-Mails forderten Händler die für die Libor-Eingaben verantwortlichen UBS-Mitarbeiter zur Nennung höherer oder tieferer Werte auf. So fragte etwa ein Händler an, ob der Yen-Einmonats-Libor nicht tiefer angegeben werden könne, weil das günstig für seine Handelsposition wäre. "Klar, kein Problem", schrieb der Libor-Eingeber zurück. Den Händlern ging es nach FINMA-Angaben um "beträchtliche Eigeninteressen". Während der Finanzkrise in den Jahren 2007 und 2008 war auch das Bestreben im Spiel, die Kreditwürdigkeit der UBS positiv zu beeinflussen. Insgesamt, so die FSA, "wurden die Manipulationen offen vorgenommen und sie wurden als normale und akzeptable Geschäftspraktiken empfunden". Die treibende Kraft war ein UBS-Händler, der von 2006 bis 2009 in Tokio tätig war. Gegen den Mann wollen die US-Behörden nun ein Strafverfahren wegen Betrugs und Preismanipulation eröffnen.

In den Jahren 2006 und 2007 war Mark Branson, heute der oberste Bankenaufseher der FINMA, ebenfalls in Japan tätig. Er befand sich bei UBS dort in einer leitenden Stellung. Aus diesem Grund war er am Verfahren gegen UBS nicht beteiligt. Die Händler in Japan seien nicht Branson unterstellt gewesen, erklärte ein FINMA-Sprecher.

Aufgrund der Libor-Geldstrafe und wegen Rückstellungen für Rechtsfälle rechnet UBS im vierten Quartal mit einem Verlust von zwei bis 2,5 Milliarden Franken. Das alles nage an der Reputation der Bank, erklärte Sarasin-Analyst Rainer Skierka. "Wir sehen es aber auch als Teil des riesigen Aufräum-Prozesses, den das neue Management und der neue Verwaltungsrat der Bank eingeleitet haben", erklärte der Analyst weiter. Die UBS-Aktie schloss 0,3 Prozent schwächer, während der europäische Börsenindex um fast 1,5 Prozent anzog.