Möglicher Schuldenschnitt Zyperns schreckt deutsche Banken nicht

Donnerstag, 20. Dezember 2012, 08:36 Uhr
 

Frankfurt (Reuters) - Der Bankenverband BdB sieht einen möglichen Schuldenschnitt Zyperns gelassen.

"Vielleicht ist ein Schuldenschnitt auch in diesem Fall die Ultima Ratio", sagte der Hauptgeschäftsführer des Bundesverbands deutscher Banken (BdB), Michael Kemmer, am Donnerstag dem Deutschlandfunk. Man sollte ihn nicht leichtfertig fordern. Die im Raum stehende Summe sei aber überschaubar. "Entscheidend ist: Zypern ist ein kleines Land." Auch der Vertrauensverlust der Gläubiger dürfte sich in Grenzen halten, sagte Kemmer.

Zypern hatte im Sommer als drittkleinstes Mitgliedsland der Währungsunion beim Euro-Rettungsschirm ESM einen Antrag auf Notkredite in Höhe von 17,5 Milliarden Euro gestellt. Die "Süddeutsche Zeitung" berichtete am Donnerstag unter Berufung auf Verhandlungskreise, der Internationale Währungsfonds (IWF) sei nicht bereit, das geplante Hilfspaket der Euro-Länder für Zypern in der bisher diskutierten Form mitzutragen. Der IWF verlange einen Teilerlass der zyprischen Staatsschulden ähnlich dem bereits erfolgreich umgesetzten Forderungsverzicht privater Gläubiger für Griechenland. Andernfalls werde das Land auch nach Abschluss aller Reformen nicht in der Lage sein, seine Zinslast zu tragen.

Bei dem Forderungsverzicht der privaten Gläubiger für Griechenland hatte die Politik erklärt, es handele sich um eine einmalige Ausnahme. Dennoch befürchtet Kemmer keine dramatischen Konsequenzen, sollte es nun doch wieder zu einem Schuldenschnitt kommen. "Ich glaube der Vertrauensverlust wäre jetzt nicht so riesig, weil Zypern und Griechenland ja sehr häufig auch in einen Topf geworfen worden sind."

Bei der Bewältigung der Schuldenkrise sieht Kemmer Europa insgesamt auf einem guten Weg. Es sei noch viel zu tun. "Aber im Jahr 2012 ist doch einiges erreicht worden", sagte er.

DEUTSCHE-BANK-CHEF FITSCHEN SOLL WEITER BDB-PRÄSIDENT WERDEN

Trotz der Razzia bei der Deutschen Bank und dem Beschwerdeanruf des Co-Chefs der Bank, Jürgen Fitschen, beim hessischen Ministerpräsident Volker Bouffier werde Fitschen wie geplant im April sein Amt als Präsident des BdB antreten. Fitschen genieße nach wie vor hohes Ansehen in der deutschen Wirtschaft, sagte Kemmer. "Wir sind sehr froh, dass er als Präsident des Bundesverbands deutscher Banken gewählt worden ist." Es sei kein Umdenken des Verbands nötig.