Europas Aktienmärkte zeigen sich widerstandsfähig

Donnerstag, 20. Dezember 2012, 15:18 Uhr
 

Frankfurt (Reuters) - Ungelöster Haushaltsstreit in den USA - Enttäuschung über die Geldpolitik in Japan: Doch Europas Anleger ficht das am Donnerstag kaum an.

Händler vermuten hinter der Gelassenheit einen technischen Grund. Denn am Freitag werden an den Terminmärkten die Optionen und Future auf Aktien und Indizes fällig. "Das lockt einige Anleger an den Markt und verhindert größere Kursverluste", erklärte ein Händler. Der Dax notierte am späten Vormittag mit 7660 Punkten 0,1 Prozent niedriger, der EuroStoxx lag bei 2652 Zählern kaum verändert. Der Euro rutschte auf 1,3230 Dollar ab, nachdem er am Vortag noch ein Acht-Monats-Hoch von 1,3308 Dollar erreicht hatte.

Händler bezweifelten aber, dass Europas Märkte letztlich tatsächlich so glimpflich davon kommen werden. "Spätestens morgen um 13.00 Uhr wissen wir mehr", kommentierte ein Händler. Dann wird unter anderem der Terminkontrakt auf den Dax fällig. "Wenn bis dahin keine positiven Nachrichten aus Washington vorliegen, kann das ganz schnell wieder nach unten rauschen", erklärte der Händler.

In Tokio hatte die Enttäuschung einiger Anleger über das Ausmaß der Lockerung der Geldpolitik durch die Bank of Japan am Morgen Gewinnmitnahmen ausgelöst und den Nikkei-Index um 1,2 Prozent ins Minus gedrückt. An der Wall Street verloren am Mittwoch Dow-Jones und S&P500 je etwa 0,7 Prozent, nachdem das Hickhack zwischen Republikanern und Demokraten am Mittwochabend wieder lauter wurde. Sollten sich die Kontrahenten bis Jahresende nicht auf einen gemeinsamen Nenner in der Steuer- und Ausgabenpolitik einigen, droht den USA 2013 eine Rezession. Noch in dieser Woche wollen die Republikaner das von ihnen kontrollierte Repräsentantenhaus über ihre Vorschläge - den sogenannten Plan B - abstimmen lassen. Präsident Barack Obama kündigte schon sein Veto an. "Eine Lösung im US-Haushaltsstreit ist damit - kurzfristig - in weite Ferne gerückt", kommentierte ein Händler. Zwar gingen nach wie vor die meisten Börsianer von einer Einigung bis Neujahr aus. Doch seien viele auch nervös. "Dieses Hin und Her ist zermürbend", sagte ein anderer Händler.

GEWINNMITNAHMEN BEI THYSSENKRUPP NACH KLAGE DER BAHN

Für zusätzlichen Gesprächstoff sorgten am Markt Berichte, die Derivatebörse ICE wolle die New Yorker Börse Nyse Euronext übernehmen. "Das hat bei einigen wohl Übernahmephantasien bei der Deutschen Börse ausgelöst", sagte ein Händler. Die Aktien des Frankfurter Börsenbetreibers führten mit einem Plus von 1,6 Prozent die Gewinnerliste im Dax an. Die Aktien der Nyse hatten nachbörslich in New York zwölf Prozent gewonnen, ICE drei Prozent.

Zu den schwächten Dax-Werten zählten die am Vortag favorisierten Aktien von ThyssenKrupp nach. Die Deutsche Bahn hat beim Landgericht Frankfurt Klage gegen die Mitgliedsfirmen des Schienenkartells eingereicht, zu dem auch ThyssenKrupp gehört. Das habe einige Gewinnmitnahmen ausgelöst, nachdem die Aktien zuletzt stark gestiegen seien, erklärte ein Händler. Die Titel verloren 0,8 Prozent.

Im MDax drückte eine Verkaufsempfehlung die Aktien des Rüstungskonzerns Rheinmetall um 2,8 Prozent ins Minus.

 
A Christmas decoration is pictured in front of the German share price index DAX board at the German stock exchange in Frankfurt December 10, 2012. REUTERS/Lisi Niesner (GERMANY - Tags: BUSINESS)