Finanzagentur kündigt ersten Deutschland-Bond für 2013 an

Donnerstag, 20. Dezember 2012, 11:09 Uhr
 

Berlin (Reuters) - Bund und Länder werden im kommenden Jahr erstmals mit einer gemeinsamen Deutschland-Anleihe den Kapitalmarkt anzapfen.

Das kündigte die für das Schuldenmanagement des Bundes zuständige Finanzagentur am Donnerstag in ihrer Jahresvorschau an. Wann genau die Gemeinschaftsanleihe kommt und wieviel Geld damit eingesammelt werden soll, steht aber noch nicht fest.

Zwischen den Ländern gibt auch Streit darüber, ob sich mit der gemeinsamen Anleihe wirklich Zinskosten sparen lassen. "Ob diese Anleihe zu Vorteilen bei der Kreditaufnahme führt, wird von den einzelnen Bundesländern unterschiedlich eingeschätzt", sagte Finanzagentur-Geschäftsführer Carl Heinz Daube der Nachrichtenagentur Reuters. "Erste Gespräche auf Arbeitsebene haben ein grundsätzliches Interesse bei einer Reihe von Ländern erkennen lassen." Erwogen wird beim Deutschland-Bond eine mittellanger Laufzeit, sagte Daube. "Auch hinsichtlich der Volumina gibt es erkennbar gleiche Vorstellungen aber noch keine Festlegungen." Nach Reuters-Informationen wurde zuletzt eine Laufzeit von fünf Jahren favorisiert.

NIEDERSACHSEN WINKT AB

Der niedersächsische Finanzminister Hartmut Möllring hat bereits signalisiert, dass sein Land nicht mitmachen wird. "Niedersachen ist an einer solchen gemeinsamen Anleihe nicht interessiert", sagte er kürzlich zu Reuters. "Zum einen glauben wir, dass die Finanzierungsbedingungen günstiger sind, wenn wir alleine eine Anleihe ausgeben. Zum anderen können wir dann auch die Konditionen selbst festlegen, wann wir mit welcher Laufzeit und zu welchen Bedingungen auf den Markt gehen."

Besonders finanzschwache Länder hoffen darauf, mit den Deutschland-Bonds Geld zu sparen, weil Investoren durch die Beteiligung des mit der Top-Bonitätsnote AAA ausgestatteten Bundes geringere Risikoaufschläge verlangen dürften. Bundesfinanzminister Wolfgang Schäuble hatte sich lange gegen eine Gemeinschaftsanleihe gewehrt. Er fürchtet, dass sie als Blaupause für Euro-Bonds gelten könnten - also einer gemeinsamen Anleihen-Emission aller Euro-Staaten, bei denen der Bund höhere Zinsen zahlen müsste, Krisenstaaten wie Griechenland und Spanien aber geringere.