Telekom-Chef tritt überraschend ab - Finanzchef folgt

Donnerstag, 20. Dezember 2012, 17:28 Uhr
 

Frankfurt (Reuters) - Überraschender Chefwechsel bei der Deutschen Telekom: Nach sechs Jahren an der Spitze des Konzerns hat Rene Obermann seinen Rücktritt angekündigt.

Anfang 2014 soll Finanzvorstand Timotheus Höttges das Ruder übernehmen. Obermann habe den Aufsichtsrat um Auflösung seines Vertrags zum 31. Dezember 2013 gebeten, teilte der Dax-Konzern am Donnerstag mit. "Ich will wieder mehr Zeit für Kunden, Produktentwicklung und Technik haben", erklärte der 49-Jährige. Aufsichtsratchef Ulrich Lehner dankte Obermann: "Ich respektiere seinen Schritt, auch wenn ich unsere erfolgreiche Zusammenarbeit sehr gerne weitergeführt hätte."

Höttges, der Obermann auch privat eng verbunden ist, steht für Kontinuität. "Ich werde die Strategie von Obermann weiterführen", sagte er. Er war allen wesentlichen Schritte im Konzern gemeinsam mit seinem Duzfreund gegangen. Zusammen hatten sie etwa 2010 das Festnetz- und Mobilfunksparten in Deutschland zusammengelegt und den Verkauf der Sorgentochter T-Mobile USA eingefädelt, der aber letztlich floppte. Höttges verwaltet das Geld der Telekom seit März 2009.

Die Ankündigung kommt nur kurze Zeit, nachdem Obermann und Höttges die krisengeplagten Aktionäre mit einer unerwartet heftigen Dividendenkürzung schockiert haben. Zugunsten eines milliardenteuren Netzausbaus soll die Gewinnbeteiligung für 2013 und 2014 auf einen halben Euro je T-Aktie gekappt werden - das ist der niedrigste Stand seit knapp zehn Jahren. Allein für vier Milliarden Euro will die Telekom ihr Mobilfunknetz in den USA modernisieren, weitere sechs Milliarden Euro sollen in den Breitband-Ausbau in Deutschland fließen.

Die Bundesregierung als Großaktionär äußerte sich ähnlich wie der Aufsichtsratschef: "Wir bedauern die Entscheidung, respektieren aber seine Gründe", hieß es im Bundesfinanzministerium. Die Bundesregierung habe mit Obermann und Höttges gute Erfahrungen gemacht. "Wenn der bisherige Chefstratege jetzt Kapitän wird, spricht das dafür, dass Kurs gehalten wird." Mit einem Anteil von 32 Prozent ist der Staat mit Abstand größter Aktionär des Ex-Telefonmonopolisten. Rund 15 Prozent hält der Bund direkt, die restlichen 17 Prozent sind bei der KfW geparkt.

OBERMANN - WILL WIEDER NÄHER ANS OPERATIVE GESCHÄFT

Obermann will nach 16 Jahren Tätigkeit für die Telekom wieder näher ans operative Geschäft rücken, als das für den Vorstandsvorsitzenden eines Großkonzerns möglich sei, und stärker unternehmerische Aufgaben übernehmen. "Ich will näher an die Basis und an den Maschinenraum", sagte Obermann in einer Telefonkonferenz. Näher wollte er sich nicht zu seinen Plänen ab 2014 äußern.

Dem Manager wird zugute gehalten, dass er den Konzern nach diversen Spitzel- und Datenschutzskandalen sowie erbittert geführten Kämpfen mit den Gewerkschaften seit seinem Amtsantritt Ende 2006 wieder in ruhiges Fahrwasser geführt hat. Seine Vorgänger Kai-Uwe Ricke und Ron Sommer hatten hingegen mit vielen Negativ-Schlagzeilen zu kämpfen. Aber auch unter Obermanns Ägide schrumpfte der Ex-Staatsmonopolist weiter und strich viele Jobs. Doch ging das weitestgehend geräuschlos über die Bühne. In der Presse wurde er häufig als "Saubermann" bezeichnet.

Der jugendlich wirkende Obermann kennt das Telekom-Geschäft wie kaum ein zweiter. Nach seiner Ausbildung zum Kaufmann bei BMW studierte er Volkswirtschaft, verließ die Universität aber nach wenigen Semestern wieder, weil seine nebenbei gegründete Telefonfirma ABC so gut lief. Zur Telekom kam er Ende der 90er-Jahre und führte später die Mobilfunksparte. Verheiratet ist er in zweiter Ehe mit Fernsehmoderatorin Maybrit Illner.

Die T-Aktie notierte 0,6 Prozent fester bei 8,63 Euro. Der Markt müsse sich erst noch seine Meinung zu dem Rücktritt bilden, sagte ein Händler. Finanzvorstand Höttges genieße am Markt aber einen guten Ruf.

- von Peter Maushagen

 
Rene Obermann, chief executive of Deutsche Telekom AG, addresses the company's general shareholders meeting in Cologne May 24, 2012. REUTERS/Wolfgang Rattay (GERMANY - Tags: BUSINESS TELECOMS)