Schuldenkrise verunsichert Verbraucher - Kauflaune sinkt

Freitag, 21. Dezember 2012, 15:13 Uhr
 

Berlin (Reuters) - Die Schuldenkrise verdirbt den Deutschen zunehmend die Kauflaune.

Das Barometer für das GfK-Konsumklima im Januar sank um 0,2 auf 5,6 Punkte und fiel mit dem dritten Rückgang in Folge auf den tiefsten Stand seit Dezember 2011. "Die Verunsicherung der Verbraucher durch den internationalen konjunkturellen Gegenwind setzt sich auch zum Jahresende 2012 fort", erklärten die GfK-Experten am Freitag. Der Einzelhandelsverband HDE reagierte gelassen und hält an seiner Prognose für ein besseres Weihnachtsgeschäft fest. Händler und Marktforscher sehen eine Lösung der Euro-Schuldenkrise als Knackpunkt für 2013. "Sollte dies nicht gelingen, steht auch dem Konsum ein sehr schwieriges Jahr bevor", warnte GfK-Experte Rolf Bürkl.

Die Deutschen schätzen in der Umfrage der Gesellschaft für Konsumforschung (GfK) ihre künftigen Finanzen besser ein als zuletzt. Sie blicken aber ernüchtert auf die Konjunkturflaute. "Die Verbraucher gehen davon aus, dass die deutsche Wirtschaft in den kommenden Monaten eine schwierigere Phase durchleben wird", sagte Bürkl. Bundesbank und Institute prognostizieren für dieses Quartal ein Schrumpfen der Wirtschaft. Der Ifo-Index signalisierte allerdings, dass die Unternehmen nach einem harten Winterhalbjahr 2013 wieder Schwung aufnehmen werden.

KONSUMENTEN WERDEN VORSICHTIGER

Der private Konsum galt dank der guten Arbeitsmarktlage und der Aussicht auf höhere Einkommen lange als Bollwerk gegen die Schuldenkrise. Im dritten Quartal lagen die Löhne und Gehälter der Arbeitnehmer um drei Prozent über dem Niveau vor Jahresfrist und stiegen damit so stark wie seit über einem Jahr nicht mehr. Die Bürger setzen wieder stärker als zuletzt auf höhere Einkommen. Dieser GfK-Teilindex stieg um 3,4 auf 21,2 Zähler, er war im Juni allerdings rund doppelt so hoch. Die Verbraucher gehen laut Bürkl nicht mehr davon aus, dass sich ihre Einkünfte "mit der Dynamik entwickeln werden wie bislang". Sie erwarteten aber in den nächsten Monaten immer noch Einkommenssteigerungen oberhalb der Inflationsrate von derzeit knapp zwei Prozent.

Dennoch sank die Kauflaune der Deutschen auf den tiefsten Stand seit Mai 2010, wie das Barometer für die sogenannte Anschaffungsneigung zeigt. Die GfK sprach von einem nach wie vor "guten" Niveau. Bürkl erwartet in den nächsten Monaten eine "kleine Delle beim Konsum". Er betonte aber im Interview mit Reuters TV, Firmenmeldungen über Entlassungen könnten die Angst vorm Jobverlust steigen lassen. "Das ist erfahrungsgemäß immer eine Konsumbremse."

WEIHNACHTSGESCHÄFT LÄUFT GUT

Auf das Weihnachtsgeschäft dürfte dies kaum Einfluss haben. Der HDE setzt weiter auf gut 80 Milliarden Euro Umsatz - das wären 1,5 Prozent mehr als 2011. "Das ist kein Warnsignal für den Konsum", sagte ein HDE-Sprecher zum GfK-Index. Die deutschen Versandhändler erhöhten erst vor kurzem ihre Prognose für das Weihnachtsgeschäft auf acht Milliarden Euro. Dies wäre ein Plus von gut 17 Prozent. Der Boom im Internet-Handel dürfte weitergehen. Nach plus 13 Prozent im Gesamtjahr 2012 erwartet der HDE für nächstes Jahr ein Wachstum von zwölf Prozent.

Auch von verschiedenen Unternehmen kamen jüngst positive Signale. Die Post liefert nach Worten von Konzern-Chef Frank Appel derzeit bis zu sieben Millionen Pakete täglich aus. "Noch nie zuvor haben wir so viele Pakete ausgeliefert wie bisher in 2012", sagte Appel in einem Interview. Der Einzelhändler Douglas spricht von einem Konsum auf gutem Niveau. "Wir gehen - wie viele Händler - weiterhin davon aus, dass das diesjährige Weihnachtsgeschäft stärker wird als im Vorjahr", sagte Douglas-Chef Henning Kreke.

 
People visit a shop selling illuminated window stars in different colours at Munich's Christmas market December 18, 2012. REUTERS/Michaela Rehle