Commerzbank-Chef will Staatshilfe erstmal noch behalten

Freitag, 21. Dezember 2012, 10:20 Uhr
 

Frankfurt (Reuters) - Die Commerzbank hat es mit der Rückzahlung der restlichen Staatshilfe in Milliardenhöhe nicht eilig.

"Wir werden die stille Einlage des Bundes verzinsen, daher gibt es auch keinen Druck sie zurückzuzahlen", sagte Vorstandschef Martin Blessing der "Süddeutschen Zeitung" (Freitagsausgabe). In den vergangenen Jahren war die Bedienung der Einlage stets ausgefallen, weil das zweitgrößte deutsche Geldhaus nach dem deutschem Bilanzstandard HGB rote Zahlen geschrieben hat. Das sorgte in Berlin für Verstimmung. Von der Stillen Einlage sind nach der großen Rückzahlungsaktion 2011 noch rund 1,6 Milliarden Euro übrig, für die knapp 150 Millionen Euro an Zinsen anfallen.

Die Commerzbank hatte zuletzt bereits deutlich gemacht, dass sie vor der endgültigen Rückzahlung erst wieder eine Dividende ausschütten wolle. Das sei erst für das Jahr 2014 zu erwarten. Blessing signalisierte nun, dass spätestens Ende 2017 die Rückzahlung anstehen dürfte. Denn nur bis dahin werde die Stille Einlage noch als Eigenkapital anerkannt. "Spätestens dann macht sie ökonomisch keinen Sinn mehr." Der Bund hatte die Commerzbank in der Finanzkrise mit mehr als 18 Milliarden Euro stützen müssen und sich dabei mit gut 25 Prozent beteiligt. Damit der Bund diesen Anteil profitabel verkaufen kann, muss der Aktienkurs von 1,47 Euro auf mehr als das Doppelte steigen.

Blessing bezeichnete den Kontakt zur Politik als gut: "Wir arbeiten mit der Bundesregierung genauso professionell zusammen wie mit jedem anderen Aktionär." Für ein börsennotiertes Unternehmen wie die Commerzbank sei es gut, wenn es über Ankeraktionäre verfüge.

Kritisch sieht Blessing die Pläne der EU, kleinere Banken vorerst von der geplanten Aufsicht durch die Europäische Zentralbank (EZB) auszunehmen. "Wenn wir einheitliche Regeln vorgeben, müssen die auch für Sparkassen und Volksbanken gelten", sagte er. Laut EU-Beschluss sollen ab 2014 die 130 bis 150 wichtigsten Banken aus den Euro-Ländern von der EZB beaufsichtigt werden. Vor allem Deutschland hatte darauf gedrängt, die kleineren Institute herauszunehmen. Blessing sprach sich auch dafür aus, die Haftungsregeln im öffentlich-rechtlichen Bankenlager zu überdenken. Dass Sparkassen finanziell nicht für Landesbanken einstehen könnten, habe der Kollaps der WestLB gezeigt. Daher sollten die Landesbanken aus diesem Haftungsverbund herausgenommen werden, forderte Blessing.

 
Men walk in front of Germany's Commerzbank headquarters in Frankfurt, November 8, 2012. Commerzbank, Germany's No.2 bank, missed third-quarter profit forecasts and said it was unlikely to pay a dividend for this year or next as a weakening European economy hampers its fight to recover from the 2008 financial crisis. REUTERS/Lisi Niesner (GERMANY - Tags: BUSINESS)