Dax-Anleger vor Jahreswechsel wenig unternehmenslustig

Donnerstag, 27. Dezember 2012, 15:46 Uhr
 

Frankfurt (Reuters) - Vor dem Jahreswechsel haben sich die meisten Anleger an Europas Aktienmärkten sehr bedeckt gehalten.

Dazu trug auch das andauernde Hick-Hack um den US-Haushalt bei. Dabei gingen die meisten Marktteilnehmer am Donnerstag davon aus, dass in letzter Minute in Washington noch eine Einigung erreicht werden wird. "Alles andere wäre politischer Selbstmord", sagte ein Händler. Der Dax notierte denn auch am Nachmittag mit 7665 Punkten 0,4 Prozent im Plus. Auch die Indizes in Mailand und Paris legten je etwa 0,8 Prozent zu, in Madrid kam der Leitindex kaum vom Fleck. Der EuroStoxx50 stieg um 0,6 Prozent. Unterstützung kam von neuen US-Konjunkturdaten.

Die Politiker in Washington haben noch bis zum Jahresende Zeit, den für die Konjunktur verheerenden Mix aus Steuererhöhungen und Ausgabenkürzung zu verhindern. Sollte ihnen das nicht gelingen, droht der weltgrößten Volkswirtschaft nach Einschätzung von Analysten 2013 eine Rezession. Präsident Barack Obama brach seinen Weihnachtsurlaub auf Hawaii ab, um die Verhandlungen voranzutreiben. Außer dem Streit um Steuern und Ausgaben droht den USA auch noch eine Ausgabensperre, da der Bund die vom Parlament erlaubte Schuldenobergrenze reißen dürfte.

"Das klingt gar nicht gut", sagte ein Händler. "Aber der Markt setzt wohl doch darauf, dass sich am Ende die Vernunft durchsetzen wird." Positiv nahmen die Anleger den Rückgang der Erstanträge auf Arbeitslosenhilfe in den USA in der vergangenen Woche auf. Dies stützte auch den Euro, der mit 1,3275 Dollar rund einen halben US-Cent höher notierte.

BANKIA-AKTIEN TAUCHEN AB - CLARIANT AUF DEM WEG NACH OBEN

Bei sehr dünnen Umsätzen gaben im Dax die Aktien von Unternehmen nach, die zuletzt meist gefragt gewesen waren. So standen Lanxess mit einem Abschlag von rund zwei Prozent ganz unten. Doch haben die Titel des Dax-Aufsteigers 2012 ihren Aktionären vermutlich Freude gemacht: Mit einem Plus von rund 65 Prozent zählen sie zu den größten Dax-Gewinnern. Ganz anders bei den Titeln der Deutschen Bank, die mit einem Plus von zwei Prozent zu den größten Tagesgewinnern zählten. Auf das Jahr gesehen liegen die Titel mit einem Plus von etwas 14 Prozent im unteren Dax-Drittel. Der Dax selbst hat 2012 30 Prozent gewonnen.

In Zürich schossen die Aktien von Clariant um bis zu sechs Prozent in die Höhe. Der Schweizer Spezialchemiekonzern will mit dem Verkauf von drei kleineren Sparten seine Abhängigkeit vom Auf und Ab der Wirtschaft verringern.

In Madrid rauschten die Aktien der angeschlagenen spanischen Sparkasse Bankia um über 13 Prozent in die Tiefe auf rund 59 Cent. Den Aktionären droht ein Totalverlust, nachdem der spanische Bankenrettungsfonds FROB den aktuellen Unternehmenswert am zweiten Weihnachtsfeiertag mit minus 4,2 Milliarden Euro beziffert hatte.

ITALIEN FÜLLT DIE KASSEN NOCHMAL AUF

Auch an den Rentenmärkten hielten sich die meisten Anleger bedeckt. Italien füllte wie geplant nochmals seine Kassen auf und nahm bei der Ausgabe von sechsmonatigen und zweijährigen Papieren insgesamt 11,75 Milliarden Euro ein. Der Kurs der zehnjährigen italienischen Staatsanleihe gab leicht nach, so dass die Rendite auf 4,52 von 4,49 Prozent kletterte.

Die entsprechenden spanischen Papiere notierten kaum verändert. Bundesanleihe und Bund-Future lagen ebenfalls bei ihrem vorweihnachtlichen Kursniveau.

 
A bull figure is pictured in front of the German share price index DAX board at the German stock exchange in Frankfurt December 10, 2012. REUTERS/Lisi Niesner (GERMANY - Tags: BUSINESS TPX IMAGES OF THE DAY)