Schäuble und Mittelstand sehen 2013 Grund zum Optimismus

Donnerstag, 27. Dezember 2012, 14:20 Uhr
 

Berlin (Reuters) - Trotz der Eurokrise blickt die Bundesregierung optimistisch auf die Wirtschaft im Wahljahr 2013.

"Die Lage ist besser als gedacht, weil unter anderem die Geschäfte mit USA und Asien stärker anziehen", sagte Finanzminister Wolfgang Schäuble der "Bild"-Zeitung vom Freitag. Die Wirtschaft werde daher auch 2013 "ordentlich wachsen". Allerdings drohe die Euro-Schuldenkrise auch hierzulande Spuren zu hinterlassen. Optimistisch äußerte sich der CDU-Politiker zu den Reformbemühungen Frankreichs: "Ich bin sicher, dass Frankreich seine Verpflichtungen erfüllt."

Der deutsche Mittelstand schaut allerdings mit bangem Blick auf den wichtigen Handelspartner im Westen: "Wenn dort die Wachstumsprognose der Regierung von 0,8 Prozent nicht aufgeht, werden wir das besonders spüren", warnte der Präsident des Bundesverbands mittelständische Wirtschaft (BVMW), Mario Ohoven. Er rechnet dennoch damit, dass die deutsche Wirtschaftsleistung 2013 um "bis zu einem Prozent" zulegen wird. Wie aus der Umfrage des BVMW unter knapp 3300 Mittelständlern hervorgeht, erwartet mehr als die Hälfte von ihnen trotz Eurokrise eine gleichbleibend gute Geschäftslage im kommenden Jahr.

Die Bundesregierung hatte im Oktober ihre Prognose für 2013 von 1,6 auf 1,0 Prozent Wachstum zurückgeschraubt. Das Wirtschaftsministerium hat bereits eine weitere Senkung für Januar signalisiert, wenn der Jahreswirtschaftsbericht ansteht.

OHOVEN WARNT VOR "DREH AN DER STEUERSCHRAUBE"

Schäuble warnte zugleich vor überzogenen Lohnsteigerungen. "Ich halte moderate Lohnerhöhungen für möglich, aber man sollte in wirtschaftlich unruhigen Zeiten Maß halten und nicht übertreiben", sagte der Minister laut "Bild"-Vorabbericht. Auch Ohoven stieß ins selbe Horn und verwies in Berlin darauf, dass die Arbeitskosten in den vergangenen Monaten mit drei Prozent bereits schneller als im Durchschnitt der Euro-Zone zugelegt haben. Die große Mehrheit der Mittelständler erwarte eine Stagnation, bewahre sich aber ihre optimistische Grundhaltung. "Ich warne die Bundesregierung vor einem Dreh an der Steuerschraube zur Finanzierung von Wahlkampfgeschenken", sagte Ohoven. Die Firmen brauchten eine Entlastung bei Steuern und Abgaben, die Spielraum für Investitionen und zusätzliche Jobs schaffe. Die Kapazitätsauslastung sei Ende des Jahres bereits leicht rückläufig: "Vor diesem Hintergrund ist ein gleichbleibendes Investitionsvolumen 2013 eine gute Nachricht", sagte BVMW-Chefvolkswirt Michael Vogelsang. 27,4 Prozent der Mittelständler wollen nächstes Jahr mehr investieren als 2012. Knapp 45 Prozent der Betriebe werden voraussichtlich genauso viel Geld in die Hand nehmen wie dieses Jahr.

 
A general over view shows Munich's Christmas market at the Marienplatz with the Church of Our Lady 'Frauenkirche' in the background December 18, 2012. REUTERS/Michaela Rehle