Anleger reagieren erleichtert auf Porsche-Urteil in den USA

Freitag, 28. Dezember 2012, 10:14 Uhr
 

New York/München (Reuters) - Der Sieg von Porsche vor einem US-Gericht am Donnerstag hat am Aktienmarkt für Erleichterung gesorgt.

"Die Abweisung der Klage muss man als einen Teilerfolg sehen. Die Entscheidung wurde allerdings aus juristischen Gründen so getroffen und nicht wegen der Ansprüche an sich", urteilte Analyst Michael Punzet von der DZ Bank am Freitag. Eine weitere Klage über 2,5 Milliarden Dollar sei nach wie vor anhängig. Aktienhändler nahmen am letzten Börsentag des Jahres die Nachrichten dennoch zum Anlass, um sich mit Porsche-Papieren einzudecken: Die Titel lagen am Freitagvormittag gut fünf Prozent im Plus.

In einem Zweig des milliardenschweren Rechtsstreits mit US-Investoren um die Übernahmeschlacht mit Volkswagen hatte der Luxusautobauer am Vortag einen Etappensieg errungen. Die Porsche Holding habe nachgewiesen, dass New York nicht der richtige Ort für die Schadenersatzklage von 26 Hedgefonds gegen das deutsche Unternehmen sei, erklärte das New Yorker Berufungsgericht. Robert Giuffra, ein Anwalt für Porsche, sprach von einem "wichtigen Sieg". Der Vertreter der Hedgefonds lehnte eine Stellungnahme ab. Gegen die Entscheidung können binnen 30 Tagen Rechtsmittel eingelegt werden. "Das Urteil ist ein leichter Vorteil für Porsche, aber nur ein weiterer Schritt, da es auf Bundesebene einen weiteren Prozess gibt", sagte ein Börsianer.

Für Porsche ist das US-Verfahren allerdings nur eines von vielen auf beiden Seiten des Atlantik. In Deutschland wehrten die Schwaben zwar vor Gericht bereits zwei Millionen-Klagen ab. Allerdings liegen noch drei weitere bei der Justiz, die sich auf über vier Milliarden Euro summieren. Die Kläger sehen sich von Porsche Holding im Zusammenhang mit den Transaktionen mit Volkswagen-Aktien im Jahr 2008 geprellt. Die US-Hedgefonds sprechen insgesamt von einem Schaden in Höhe von mehr als 1,4 Milliarden Dollar. Zu den Klägern in Deutschland zählt auch die Merckle-Gruppe. Deren Firma HWO verlangt 213 Millionen Euro Schadenersatz wegen angeblicher Marktmanipulation. Der Milliardär Adolf Merckle hatte im Zuge von Fehlspekulationen mit VW-Aktien viel Geld verloren und sich Anfang 2009 umgebracht. Seine Firmengruppe wird inzwischen von Sohn Ludwig geführt.

VERPATZTER COUP BESCHÄFTIGT DIE GERICHTE

In den schon Jahre gärenden Rechtsstreitigkeiten in den USA geht es um eine angebliche Manipulation des Börsenkurses von VW-Stammaktien mit Hilfe von komplexen Optionsgeschäften. Die Porsche Holding hatte sich seit 2005 in Trippelschritten bei VW eingekauft, im März 2008 aber bestritten, dass sie den viel größeren Wolfsburger Konzern beherrschen wollte. Im Oktober 2008 ließen die Stuttgarter die Katze aus dem Sack: Sie gaben bekannt, dass sie sich direkt und indirekt bereits Zugriff auf fast 75 Prozent der VW-Stimmrechte gesichert hatten. An der Börse hatten viele Investoren angesichts der Mitteilung im März aber auf fallende VW-Kurse gewettet. Sie hatten sich VW-Aktien geliehen und diese verkauft - mit dem Ziel, sie später billiger zurückzukaufen. Nun wurden sie auf dem falschen Fuß erwischt. Um jeden Preis mussten sie die knappen Aktien zurückerwerben. Die VW-Stämme schossen in die Höhe, zeitweise auf mehr als 1000 Euro, und machten den Wolfsburger Konzern zwischenzeitlich an der Börse zum wertvollsten Unternehmen der Welt.

Porsche verdiente zwischenzeitlich glänzend an seinen Optionsgeschäften und konnte immer höhere Kredite aufnehmen, musste im Zuge der Finanzkrise den Übernahmeversuch jedoch abblasen, da das Geld ausging. Volkswagen drehte den Spieß um, schoss Porsche frisches Geld zu und übernahm zunächst knapp die Hälfte des hochprofitablen Fahrzeuggeschäfts. Seit dem Sommer gehört die Automarke Porsche ganz zum Wolfsburger Konzern, die Porsche Holding besitzt aber weiterhin gut die Hälfte der VW-Stimmrechte.

ERMITTLER WOLLEN EX-CHEFS VOR GERICHT SEHEN

In Stuttgart erhob die Staatsanwaltschaft kurz vor Weihnachten Anklage gegen das frühere Porsche-Führungsduo Wendelin Wiedeking und Holger Härter. Der ehemalige Firmenchef und sein seinerzeitiger Finanzvorstand haben demnach im Jahr 2008 die Anleger getäuscht. Die beiden Spitzenmanager hätten in öffentlichen Erklärungen des Unternehmens unrichtige Angaben über den Kauf von VW-Anteilen gemacht, heißt es in der Anklageschrift. Wiedeking und Härter weisen die Vorwürfe zurück, mit einem Prozessbeginn wird im Frühjahr gerechnet. Ex-Finanzchef Härter muss sich solange mit einem anderen Strafverfahren gegen ihn beschäftigen. Vor dem Stuttgarter Landgericht muss er sich zusammen mit zwei einstigen Mitarbeitern derzeit wegen des Vorwurfs des Kreditbetrugs verantworten. Nach Auffassung der Ermittler hat er im Zuge des geplanten VW-Deals Banker über den Löffel barbiert. Die Porsche Holding sei im Frühjahr 2009 faktisch pleite gewesen und habe die französische Bank BNP Paribas über ihren Liquiditätsbedarf und das Risiko ihrer Aktienoptionsgeschäfte zur Beherrschung von VW belogen. Den Managern drohen bis zu drei Jahre Gefängnis. Das angeklagte Trio weist die Anschuldigungen von sich.

 
A photographer is silhouetted during a press conference of German carmakers Volkswagen and Porsche in Wolfsburg, July 5, 2012. REUTERS/Fabian Bimmer (GERMANY - Tags: BUSINESS TRANSPORT)