Flughafen-Verkauf macht Portugiesen und Franzosen glücklich

Freitag, 28. Dezember 2012, 10:53 Uhr
 

Lissabon (Reuters) - Am Ende sind fast alle zufrieden: Das schuldenbeladene Portugal hat mit der Privatisierung seiner zehn Flughäfen 3,08 Milliarden Euro erlöst und die Vorgaben von EU und IWF für seinen Sparkurs damit übertroffen.

Der französische Baukonzern Vinci, der mit dem Höchstgebot den Zuschlag erhielt, kommt beim Aufbau eines Netzes von Flughäfen voran, nachdem er vergeblich um die Flughafen-Sparte von Hochtief gebuhlt hatte und auch in der Türkei im Rennen um den Flughafenbetreiber TAV unterlegen war. Und beim Verlierer Fraport zeigten sich Analysten erleichtert, weil ihnen der Preis für 95 Prozent der Anteile an der portugiesischen Flughafen-Holding ANA zu hoch vorkommt.

"Gute Nachrichten auf der ganzen Linie für Fraport", schrieb DZ-Bank-Analyst Robert Czerwensky am Freitag. Der Preis für ANA liege beim 15-fachen des operativen Gewinns und damit deutlich etwa über dem Wert, der für den ebenfalls zum Verkauf stehenden Londoner Flughafen Stansted gehandelt werde. "Investoren hatten befürchtet, dass das Konsortium um Fraport die überteuerte Holding eines der schwächsten Länder in Europa kaufen könnte." Die Fraport-Aktie legte gegen den Trend um knapp ein Prozent zu. Vinci stach mit seinem Gebot auch Bietergemeinschaften um den Flughafen Zürich und die argentinische Corporacion America aus, die Geld in Australien, Brasilien, Großbritannien, Mexiko und Portugal eingesammelt hatten. Vinci-Papiere verloren 0,7 Prozent.

"Wir hatten ein aus unserer Sicht gutes Angebot abgegeben und ein gutes strategisches Konzept für eine Partnerschaft mit Portugal vorgelegt, sind aber leider nicht zum Zuge gekommen", sagte ein Fraport-Sprecher.

"Glücklicherweise hat uns der höchste Bieter zugleich das strategisch beste Projekt angeboten", sagte Staatssekretärin Maria Luis Albuquerque nach der Entscheidung. "Das zeigt, dass wir ausländische Investoren anziehen und trotz der schwierigen Umstände bedeutende Summen oberhalb der Markterwartungen erlösen können."

3,4 Milliarden Euro hatte bereits zuvor der Verkauf großer Aktienpakete an den Stromversorgern EDP und REN gebracht, die vor allem an Investoren aus China gingen. Portugal hat mit der Privatisierung von Staatsbeteiligungen damit nahezu eine Milliarde Euro mehr erlöst als die Europäische Union und der Internationale Währungsfonds (IWF) als Bedingung für das 78 Milliarden Euro schwere Rettungspaket in der Schuldenkrise gefordert hatten. Dabei war der Verkauf der Fluggesellschaft TAP im Dezember gescheitert, weil der einzige Bieter die geforderten Finanzgarantien nicht beibringen konnte. Im neuen Jahr sollen die Privatisierungen weitergehen: mit der staatlichen Post CTT, der Güter-Sparte der nationalen Eisenbahngesellschaft, Teilen des Wasserversorgers Aguas de Portugal, dem Fernsehsender RTP und der Versicherungssparte der Bank Caixa Geral de Depositos.

ANA ist für Vinci interessant, weil der Staatsbetrieb sehr profitabel ist und seine Flughäfen wichtige Drehkreuze in Ferienregionen sind: Dazu gehören nicht nur die Airports in Lissabon und Porto, sondern auch jene, auf denen die Touristen für die Feriengebiete an der Algarve, in Alentejo und auf den Azoren landen.

Einschließlich Portugal komme die Flughafen-Sparte von Vinci auf mehr als 600 Millionen Euro Umsatz und 270 Millionen Euro operativen Gewinn. Der Infrastrukturkonzern betreibt schon neun Regionalflughäfen in Frankreich und drei in Kambodscha. Vinci ist auch an Lusoponte beteiligt, die in Lissabon die beiden Brücken über den Fluss Tejo betreibt, darunter Vasco da Gama, die längste Brücke in Europa.

 
Passengers arriving at the departure hall are reflected in the glass at Lisbon's airport December 26, 2012. The Portuguese cabinet meeting on Thursday is likely to announce the winning bid for airports operator ANA in a privatization expected to raise up to 3 billion euros for the debt-ridden, bailed out state. Four binding bids by international consortia are led by France's Vinci, Germany's Fraport, Zurich airport operator Flughafen Zurich and Argentina's Corporacion America. REUTERS/Jose Manuel Ribeiro (PORTUGAL - Tags: POLITICS BUSINESS EMPLOYMENT TRANSPORT)