US-Haushaltskompromiss beflügelt Europas Börsen

Mittwoch, 2. Januar 2013, 17:49 Uhr
 

Frankfurt (Reuters) - Das vorläufige Ende im US-Haushaltsstreit hat den europäischen Börsen am Mittwoch kräftig Auftrieb gegeben.

Da auch vor Handelsbeginn in New York die Zeichen auf Grün standen, griffen Anleger in Europa sowohl bei Aktien als auch bei Rohstoffen und Währungen beherzt zu. Sie ließen sich dabei auch nicht von den Warnungen einiger Börsianer abhalten, dass die US-Schuldenkrise mit diesem Kompromiss noch lange nicht überwunden sei.

Der Dax stieg zum Auftakt des Börsenjahres 2013 um bis zu 2,3 Prozent auf 7789 Punkte und markierte damit ein neues Fünf-Jahres-Hoch. Der EuroStoxx50 kletterte um 2,6 Prozent auf 2705 Zähler - immerhin der höchste Stand seit eineinhalb Jahren. Der Londoner Leitindex durchbrach erstmals seit Juli 2011 die Marke von 6000 Punkten. Der MSCI-Index für die Schwellenländer stieg auf den höchsten Stand seit neuneinhalb Wochen.

EINIGUNG IN LETZTER MINUTE - SCHULDENPROBLEM NOCH UNGELÖST

Nach zähen Verhandlungen hatte sich der US-Kongress in der Nacht zum Mittwoch auf einen Kompromiss geeinigt, der viele der zum Jahreswechsel in Kraft getretenen automatischen Ausgabenkürzungen und Steuer-Erhöhungen wieder aufhebt. Ohne diese Einigung wäre die weltgrößte Volkswirtschaft nach Einschätzung von Experten über die sogenannte "Fiskalklippe" in die Rezession gestürzt. In den kommenden Monaten müssen sich die US-Politiker aber auf Einsparungen einigen, um die überbordende Staatsverschuldung langfristig in den Griff zu bekommen. Außerdem stoßen die USA bald an ihre selbst gesetzte Schulden-Obergrenze.

"Eine kurzfristige Einigung in den USA ist kein Wendepunkt für die globalen Märkte, weder im Guten noch im Schlechten", sagte indes Stratege Max King von Investec Asset Management. Poltisches Durcheinander, Fehler und Irrglaube seien 2013 genauso ein Bestandteil des Investitionsklimas wie 2012 und sollten kein Hindernis für ähnlich solide Kursgewinne sein. "Viel wichtiger wird die Frage sein, ob sich die Weltwirtschaft stabilisiert und ob die Unternehmen nach 18 enttäuschenden Monaten wieder Umsatz und Gewinn steigern können."

EURO UND ROHSTOFFE IM AUFWIND - BUND-FUTURE TIEFER

Der Euro verteuerte sich am Mittwoch auf 1,3271 Dollar, nach 1,3194 Dollar zum EZB-Fixing am vergangenen Freitag. Andere Währungen wie der australische Dollar profitierten ebenfalls vom gestiegenen Risiko-Appetit der Investoren. An den Rohstoff-Märkten kletterte der Preis für ein Barrel (159 Liter) der richtungsweisenden Ölsorte Brent um bis zu 0,9 Prozent auf ein Vier-Wochen-Hoch von 112,11 Dollar. Kupfer kostete mit 8130 Dollar je Tonne zeitweise so viel wie zuletzt Mitte Dezember.

Im Gegenzug trennten sich Investoren von Anlagen, die als sicher gelten, aber geringe Renditen bieten. Der Bund-Future rutschte um 142 Ticks auf 144,22 Punkte ab.

FINANZWERTE IM AUFWIND

Bei den Unternehmen gehörten die Finanzwerte zu den Gewinnern. Sie reagieren in der Regel überdurchschnittlich auf Kursbewegungen des Gesamtmarktes. Zu den Favoriten im europäischen Branchenindex zählten die Titel der Commerzbank und Societe Generale mit Kursgewinnen von jeweils über fünf Prozent. Erste Bank kletterten um bis zu vier Prozent auf ein 16-Monats-Hoch von 24,99 Euro. Die Anteilsscheine der Deutschen Bank legten 4,1 Prozent zu.

 
Traders are pictured at their desks in front of the DAX board at the Frankfurt stock exchange January 2, 2013. REUTERS/Remote/Joachim Herrmann (GERMANY - Tags: BUSINESS)