Altes Jahr verabschiedet sich mit Preisschub

Mittwoch, 2. Januar 2013, 14:55 Uhr
 

Berlin (Reuters) - Teure Nahrungsmittel und hohe Reisekosten haben die Geldbörse der Verbraucher zum Jahresende 2012 unerwartet kräftig strapaziert.

Waren und Dienstleistungen kosteten im Dezember 2,1 Prozent mehr als im Vorjahresmonat, wie das Statistische Bundesamt am Mittwoch in einer ersten Schätzung mitteilte. Experten hatten mit demselben Preisdruck wie im November gerechnet, als die Inflationsrate unter der Stabilitätsmarke der EZB von knapp zwei Prozent blieb. Binnen Monatsfrist verteuerte sich die Lebenshaltung aber deutlich um 0,9 Prozent. "Ein Preissprung auf breiter Front", so Commerzbank-Expertin Ulrike Rondorf. Dennoch herrschte über das Jahr 2012 hinweg betrachtet Preisstabilität - bei einer Teuerungsrate von exakt 2,0 Prozent.

Für Nahrungsmittel mussten die Verbraucher zum Jahresende jedoch deutlich tiefer in die Tasche greifen: In Bayern wurden dafür 4,5 Prozent mehr fällig als im Vorjahresmonat. Kraftstoffe verteuerten sich dort um 3,6 Prozent. Auch die Kosten für Pauschalreisen zogen vielerorts deutlich an. In Sachsen etwa waren sie 6,9 Prozent teurer als im Vorjahr und kosteten 22,8 Prozent mehr als im November. Nach Ansicht von Ökonom Thilo Heidrich von der Postbank birgt der unerwartete Anstieg der Verbraucherpreise indes kaum Gefahren: "Denn so regelmäßig die Preise zum Jahresausklang steigen, so regelmäßig sinken sie zum Jahresauftakt, wodurch die Inflationsrate im Januar wieder leicht nachgeben dürfte." Commerzbank-Volkswirtin Rondorf ist skeptischer und sieht sich in ihrer Einschätzung bestätigt, "dass der Preisauftrieb weiter an Schwung gewinnt".

EZB ENTSCHEIDET BALD ÜBER LEITZINS

Die Kernteuerungsrate, in der Energie und Nahrungsmittelpreise herausfallen, lag 2010 noch unter einem Prozent. Für 2013 rechnet die Commerzbank nicht zuletzt wegen der schneller steigenden Lohnstückkosten bereits mit einem Plus von 1,7 Prozent: "Dies ist zwar noch kein besorgniserregender Wert, allerdings lässt die für Deutschland zu expansive Geldpolitik befürchten, dass die Raten in den kommenden Jahren über zwei Prozent steigen." Die EZB kommt bald zu ihrer nächsten Zinssitzung zusammen. Die Hüter des Euro müssen am 10. Januar entscheiden, ob sie den historisch niedrigen Leitzins bei 0,75 Prozent belassen oder wegen der Rezession in der Euro-Zone weiter senken.

KAUFLAUNE LEIDET BEREITS

Die Kauflaune der Deutschen hatte sich zuletzt zunehmend eingetrübt. Das von den Nürnberger GfK-Marktforschern ermittelte Konsumklima-Barometer für Januar sank um 0,2 auf 5,6 Punkte und fiel nach dem dritten Rückgang in Folge auf den tiefsten Stand seit Dezember 2011. Die Verbraucher schätzen ihre künftige Finanzlage wieder etwas besser ein als zuletzt. Sie blicken aber ernüchtert auf die aktuelle Konjunkturflaute und wollen sich deshalb mit Großeinkäufen eher zurückhalten.

 
A fuel pump is pictured at the Automechanika trade fair in Frankfurt September 11, 2012. REUTERS/Alex Domanski (GERMANY - Tags: TRANSPORT BUSINESS ENERGY)