Maue Nachfrage macht Euro-Industrie zu schaffen

Mittwoch, 2. Januar 2013, 17:47 Uhr
 

Berlin (Reuters) - Die Schwäche der Industrie macht Euroland zum Jahresende schwer zu schaffen.

Die Firmen litten im Dezember unter der rückläufigen Nachfrage, wie das Markit-Institut am Mittwoch zu seiner Umfrage unter 3000 Unternehmen mitteilte. "Der Industriesektor steckte auch im Dezember tief in der Rezession", sagte Markit-Chefvolkswirt Chris Williamson. Die Produktion dürfte im vierten Quartal um etwa ein Prozent geschrumpft sein. "Folglich könne sich auch der Rückgang der Wirtschaftsleistung beschleunigt haben - wahrscheinlich sogar erheblich."

Der Einkaufsmanagerindex für die Industrie, eines der wichtigsten Konjunkturbarometer für die Währungsunion, fiel im Dezember um 0,1 auf 46,1 Punkte und blieb damit deutlich unter der Wachstumsschwelle von 50 Zählern. Für Deutschland signalisierte der Index mit einem Rückgang um 0,8 auf 46 Punkte sogar das zehnte Minus in Folge. "Wenngleich die Hersteller bemüht sind, an die Erfolge der letzten Jahre anzuknüpfen, so scheint sich die Lage in diesem Winter doch weiter zugespitzt zu haben", sagte Markit-Ökonom Tim Moore. Lediglich Irland meldete zum Jahresende ein Wachstum. In Spanien, Österreich und Griechenland beschleunigte sich die Talfahrt dagegen, während sie sich in Frankreich, Italien und den Niederlanden verlangsamte.

EXPERTEN SEHEN KEINE ANZEICHEN FÜR RASCHE ERHOLUNG

Zu schaffen macht den Firmen die maue Nachfrage aus dem Ausland: Die Exportaufträge schrumpften in der Euro-Zone bereits den 18. Monat in Folge. "2012 hat für die Firmen mit einem Missklang geendet, ohne Anzeichen für eine rasche Erholung", schrieben die HSBC-Analysten. So dürfte die immer noch nicht ausgestandene Eurokrise die Investitionsbereitschaft der Unternehmen und die Nachfrage aus dem Inland dämpfen. Immerhin hätten sich die Aussichten für den Export insbesondere nach China und die USA etwas verbessert, sagte Markit-Chefvolkswirt Williamson. In der Volksrepublik deuteten zuletzt mehrere Umfragen auf ein Wachstum in der Industrie hin, die Firmen steigerten ihre Gewinne kräftig. In den USA wird für 2013 zwar mit einem weiterhin schleppenden Wachstum gerechnet, die Wirtschaft dürfte sich dennoch besser entwickeln als in der Euro-Zone.

In dem krisengebeutelten Währungsraum war die Wirtschaftsleistung im dritten Quartal um 0,1 Prozent geschrumpft, im zweiten Vierteljahr um 0,2 Prozent. Von Reuters befragte Experten rechnen erst für das zweite Quartal 2013 wieder mit einem Wachstum.

 
A man works at a construction site on a misty autumn day in Vienna November 20, 2012. (REUTERS/Heinz-Peter Bader (AUSTRIA - Tags: BUSINESS CONSTRUCTION)