Europäischen Börsen geht die Puste wieder aus

Donnerstag, 3. Januar 2013, 11:45 Uhr
 

Frankfurt (Reuters) - Die Realität hat die europäischen Börsen am Donnerstag wieder eingeholt.

Nachdem die Einigung im US-Haushaltsstreit am Mittwoch noch weltweit für Euphorie an den Finanzmärkten gesorgt hatte, griffen die Anleger die Gelegenheit nun beim Schopfe und verkauften ihre Aktien teilweise wieder. Der Dax lag am Vormittag 0,3 Prozent im Minus bei 7760 Punkten, der EuroStoxx notierte 0,5 Prozent tiefer bei 2697 Zählern.

Wegen eines Feiertages am Mittwoch reagierte die Schweizer Börse mit einem Tag Verspätung auf die Einigung in den USA. Der Leitindex SMI kletterte um 2,5 Prozent. Denn wäre es nicht zu einem Kompromiss zwischen Republikanern und Demokraten im Haushaltskonflikt gekommen, hätte ein Abrutschen der USA in die Rezession gedroht - mit massiven Folgen für die Weltwirtschaft. Die Börsen in Tokio und Shanghai blieben wegen Feiertagen geschlossen.

Auch auf den Devisen- und Ölmärkten kehrte Ernüchterung ein. Gewinnmitnahmen bestimmten das Handelsgeschehen. Es werde weitere Verhandlungen in den USA geben, kommentierte Ölexperte Victor Shum von IHS Purvin & Gertz. "Die Einigung ist ein Kompromiss." Der Euro fiel zurück auf 1,3115 Dollar, nachdem er am Mittwoch bis auf knapp 1,33 Dollar geklettert war. Der Preis für ein Barrel Öl der Nordseesorte Brent verbilligte sich um rund ein halbes Prozent auf 111,96 Dollar.

Analysten zeigten sich allerdings grundsätzlich zuversichtlich, dass die Aktienmärkte ihre Aufwärtsbewegung bald wieder aufnehmen könnten. "Auf kurze Sicht rechne ich nicht mit vielen schlechten Nachrichten. Die meisten Hürden, wie etwa der Haushaltsstreit, sind überwunden und in den nächsten Wochen dürfte die Stimmung an den Märkten recht positiv sein", sagte Philippe Gijsels, Chefanalyst bei BNP Paribas Fortis Global Markets.

Nachdem die "Fiskalklippe", über die die USA zu stürzen drohten, über Wochen die Märkte in Atem gehalten hatte, widmeten sich Analysten nun wieder verstärkt Konjunkturdaten. Am Nachmittag steht aus den USA die Veröffentlichung des Arbeitsmarktberichtes der privaten Arbeitsagentur ADP (14.15 Uhr MEZ) an. Analysten rechnen mit 133.000 neuen Jobs nach 118.000 im Vormonat. Dieser Bericht könnte Hinweise liefern auf die offiziellen Arbeitsmarkdaten, die am Freitag erwartet werden.

SOLARWERTE ALS SPITZENREITER

Im Dax führten K+S die Verliererliste mit einem Abschlag von 3,3 Prozent an. Den Papieren des Düngemittelherstellers setzte eine Herunterstufung der Analysten der Citigroup zu.

Besonders gefragt waren Solarwerte, die auch den TecDax mitzogen. Der Technologieindex gewann 0,8 Prozent. SMA Solar und Solarworld kletterten um gut acht Prozent, im MDax gewannen Wacker Chemie 5,2 Prozent. "Solarwerte waren 2012 die größten Verlierer am Aktienmarkt. Vielleicht sehen einige da jetzt Potenzial", sagte ein Händler.

Auch andere Technologiewerte verzeichneten Kursgewinne. Dialog Semiconductor und Kontron verteuerten sich um rund drei Prozent.

In London führten die Papiere von Next die Gewinnerliste im FTSE100 mit einem Plus von gut zwei Prozent an. Der Textileinzelhändler hatte seine Gewinnprognose erhöht.