Arbeitsagentur erwartet keinen Einbruch am Arbeitsmarkt

Donnerstag, 3. Januar 2013, 11:57 Uhr
 

Nürnberg (Reuters) - Der Arbeitsmarkt in Deutschland hat 2012 sein bestes Jahr seit 1991 erlebt, ist zum Jahresende aber stärker in den Sog des europaweiten Wirtschaftsabschwungs geraten.

Im Jahresdurchschnitt verzeichnete die Bundesagentur für Arbeit (BA) nach Angaben vom Donnerstag knapp 2,9 Millionen Erwerbslose, fast 80.000 weniger als 2011. Die positive Bilanz ist dem guten Start im vergangenen Jahr zu verdanken. Im Jahresverlauf kippte das Bild, seit Oktober steigt die Arbeitslosigkeit im Vorjahresvergleich immer stärker an. Die Behörde stelle sich "auf ein schwieriges Jahr 2013" ein, sagte BA-Chef Frank-Jürgen Weise. Mit einem Einbruch auf dem Arbeitsmarkt rechnet er aber nicht.

Die Abschwächung zeigte sich auch zum Jahresende. Im Dezember waren 2,84 Millionen Arbeitslose registriert. Das waren 88.000 mehr als im November und 60.000 mehr als vor einem Jahr. Die Arbeitslosenquote stieg auf 6,7 Prozent. Von Schwankungen durch die Jahreszeit bereinigt legte die Arbeitslosenzahl um 3000 zu und stieg damit den neunten Monat in Folge. "In diesem Anstieg zeigt sich die relativ schwache Konjunktur", sagte Weise. Volkswirte bei Banken hatten eine Zunahme um 10.000 erwartet. "Das sind unter dem Strich positive Zahlen", sagte Stefan Schlie von HSBC Trinkaus. "Trotz der konjunkturellen Delle bricht der Arbeitsmarkt nicht weg."

BA ERWARTET FÜR 2013 IM SCHNITT GUT 2,9 MIO. ARBEITSLOSE

Für dieses Jahr rechnet die BA wegen der Wirtschaftsflaute mit einem leichten Anstieg der Arbeitslosigkeit im Jahresschnitt "auf etwas über 2,9 Millionen". Die Beschäftigtenzahl bleibe womöglich sogar stabil, sagte Weise. Sein Vorstandskollege Raimund Becker sagte, bei der konjunkturellen Kurzarbeit gebe es keine Hinweise auf eine krisenhafte Entwicklung. Die Betriebe hätten im Dezember für etwa 45.000 Beschäftigte vorsorglich die Möglichkeit von Kurzarbeit angekündigt. Das sei "nichts Atypisches, so dass wir momentan auch keine Warnung geben".

Für 2012 zog Weise eine positive Bilanz. Noch weniger Arbeitslose hatte es zuletzt 1991 im Wiedervereinigungsboom mit damals rund 2,6 Millionen gegeben. Im europäischen Vergleich liegt Deutschland im Spitzenfeld. "Der Arbeitsmarkt reagierte auch zum Jahresende robust auf die wirtschaftliche Eintrübung", sagte Weise. Mit fast 41,6 Millionen Erwerbstätigen inklusive der Pendler aus dem Ausland gab es nach vorläufigen Angaben des Statistischen Bundesamtes einen Beschäftigungsrekord. Die sozialabgabenpflichtige Beschäftigung stieg laut BA deutlich und lag im Juni mit 28,92 Millionen um 539.000 über dem Vorjahr.

Die Warnsignale für 2013 sind jedoch nicht zu übersehen. Das Stellenangebot ist laut BA - wenn auch auf hohem Niveau - seit einem Jahr rückläufig, und die Arbeitslosigkeit steigt beschleunigt an. Für das letzte Quartal 2012 geht die BA wie die meisten Experten von einem Rückgang der Wirtschaftsleistung in Deutschland aus. Den Anstieg der Arbeitslosigkeit im zweiten Halbjahr führte Weise auf die schwächere Konjunktur, aber auch auf den "geringeren Einsatz von Arbeitmarktpolitik" zurück. Weise verwies dabei vor allem auf die Kürzungen bei den Hilfen für Existenzgründungen von Arbeitslosen.

BA BEENDET 2012 MIT MILLIARDENÜBERSCHUSS

Einsparungen in der Arbeitsmarktpolitik trugen maßgeblich dazu bei, dass die BA das vergangene Jahr voraussichtlich mit einem Überschuss von rund 2,6 Milliarden Euro abschließt. Für dieses Jahr sieht ihr Haushalt ein Defizit von 1,1 Milliarden Euro vor, das aus der Rücklage finanziert werden soll.

Auch die vom Bund aus Steuereinnahmen finanzierten Ausgaben zur Grundsicherung von Arbeitsuchenden (Hartz IV) sind nach einer Übersicht der BA deutlich um etwa 4,8 Milliarden Euro auf 31,1 Milliarden Euro gesunken. Dabei seien nicht alle kommunalen Träger berücksichtigt. Das 2011 beschlossene Bildungs- und Teilhabepaket für Kinder in Hartz-IV-Haushalten wurde 2012 laut einer BA-Übersicht größtenteils für die Teilnahme an mehrtägigen Klassenfahrten und für Schulbedarf aufgezehrt: Auf sie entfielen demnach 100 Millionen der 160 Millionen Euro Gesamtausgaben.

 
A man walks behind the labour office sign of an unemployment center in Munich (Archiv) REUTERS/Michaela Rehle (GERMANY)