Krise in Europa zieht deutschen Automarkt mit nach unten

Donnerstag, 3. Januar 2013, 16:18 Uhr
 

Frankfurt (Reuters) - Im Sog der europäischen Absatzkrise ist der deutsche Automarkt im vergangenen Jahr deutlich geschrumpft.

Mit 3,08 Millionen Neuzulassungen seien 2,9 Prozent weniger neue Pkw auf Deutschlands Straßen gefahren als im Jahr 2011, teilte der Verband der Internationalen Kraftfahrzeughersteller (VDIK) am Donnerstag mit. In vielen Ländern Europas, vor allem im schuldenbeladenen Süden, wurden 2012 so wenige Neuwagen verkauft wie seit Jahren, teils Jahrzehnten, nicht mehr. Wegen hoher Arbeitslosigkeit und trüber Aussichten scheuen dort viele Kunden den Kauf teurer Autos. Im prosperierenden Deutschland erwies sich der Pkw-Markt hingegen lange als stabil. Die heimischen Oberklasse-Hersteller profitierten außerdem davon, dass sich ihre Limousinen und Geländewagen in den USA und China weiter gut verkaufen.

Für 2013 erwartet der Verband der Autoimporteure im besten Fall Stagnation in Deutschland: "Wenn eine Stabilisierung der wirtschaftlichen Situation gelingt und sich die bestehende Konsumneigung auch auf den Pkw-Markt überträgt, dann hält der VDIK für das Jahr 2013 über 3,0 Millionen Pkw-Neuzulassungen bis hin zum Ergebnis 2012 für möglich", sagte VDIK-Präsident Volker Lange. Der Verband der Automobilindustrie (VDA) geht für 2013 von rund 3,1 Millionen Neuregistrierungen aus.

Im Dezember ging die Zahl der Neuzulassungen in Deutschland um 16 Prozent auf 204.000 zurück, allerdings gab es vier Arbeitstage weniger als im Vorjahresmonat. Bis auf Porsche büßten laut Kraftfahrt-Bundesamt alle deutschen Autobauer ein. Die größten Rückgänge entfielen im Dezember wie im Gesamtjahr auf Opel; die strauchelnde Tochter des US-Autokonzerns General Motors verbuchte 2012 ein Minus bei den Neuzulassungen von 16 Prozent. Auch Platzhirsch VW verlor zwei Prozent, blieb aber mit fast 673.000 Neuwagen und einem Marktanteil von 21,8 Prozent unangefochten auf Platz 1. Die Konzerntöchter Audi und Porsche konnten übers Gesamtjahr zulegen, während von anderen teuren Marken wie Mercedes, BMW und Mini weniger Neuwagen zugelassen wurden.

Bei den ausländischen Marken blieben trotz Rückgängen Ford sowie Renault/Dacia vorn. Der Deutschland-Chef des französischen Autobauers, Achim Schaible, sagte in Düsseldorf, er sei optimistisch, weil die ökonomischen Indikatoren für die Bundesrepublik weiter gut seien. Drei bis 3,1 Millionen Neuzulassungen erschienen ihm als Ziel für den Markt insgesamt realistisch. "Ich sehe keinen Grund, warum für den deutschen Markt Panik ausbrechen sollte."

Verglichen mit anderen europäischen Ländern fiel der Rückgang auf dem deutschen Automarkt im vergangenen Jahr glimpflich aus: In Italien brachen die Absatzzahlen um 19,9 Prozent auf 1,4 Millionen ein - so wenige Autos wurden dort zuletzt 1979 verkauft. Der Rückgang war der fünfte in Folge. In Frankreich wurden 1,9 Millionen Autos neu zugelassen - das sind 14 Prozent weniger als 2011 und so wenige wie letztmals 1997. In Spanien schrumpften die Zahl der verkauften Fahrzeuge 2012 um 13 Prozent auf knapp 700.000 und damit auf ein Niveau wie zu Beginn der statistischen Aufzeichnungen im Jahr 1989.

 
Cars for export stand in a parking area at a shipping terminal in the harbour of the northern German town of Bremerhaven, late October 8, 2012. REUTERS/Fabian Bimmer (GERMANY - Tags: TRANSPORT BUSINESS)